Nesselausschlag: Was hilft?

September 2009 | Medizin & Trends

Es brennt und juckt und fühlt sich so an, als wäre man von einer Brennnessel „gestochen“ worden: Nesselausschläge zählen nicht nur zu den unangenehmsten, sondern auch zu den häufigsten Hautkrankheiten und sind nicht immer harmlos. MEDIZIN populär erklärt, was alles dahinterstecken kann.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Brennnesseln haben Brennhaare. Wenn man mit diesen Haaren in Berührung kommt, geben sie einen methansäureähnlichen Saft ab, der in die Haut eindringt, dort brennt und einen Hautausschlag verursacht, der aus juckenden und schmerzenden Quaddeln besteht. Das sieht dann genauso aus und fühlt sich auch so an, als hätte man einen Nesselausschlag. Diese Hautkrankheit, die wegen der Ähnlichkeit zur „Brennnessel-Attacke“ auch Nesselausschlag oder Nesselsucht genannt wird und in der Fachsprache der Mediziner „Urticaria“ heißt, zählt zu den häufigsten Hautkrankheiten.
„Ein Drittel der Bevölkerung leidet irgendwann im Leben an einer Urticaria“, sagt Dr. Adelheid Stöger, Fachärztin für Dermatologie. Die Salzburger Medizinerin weiß zudem, dass der Nesselausschlag bei Kindern eher in der akuten Form auftritt, und dass Buben und Mädchen gleich oft betroffen sind, während die Krankheit im Erwachsenenalter eher einen chronischen Verlauf nimmt und Frauen häufiger darunter leiden.

Viele mögliche Auslöser

Wodurch wird das unangenehme Leiden ausgelöst? Stöger: „Für einen Nesselausschlag gibt es sehr viele mögliche Auslöser.“ Die Liste reiche von Allergien gegen bestimmte Nahrungsmittel oder Nahrungsmittelzusätze über Unverträglichkeiten gegenüber Arzneimitteln und Allergien bis hin zu allergischen Reaktionen auf chemische Stoffe in Putzmitteln oder auf andere Substanzen, mit denen man in Berührung kommt. „Nesselausschläge können aber auch durch Vireninfektionen oder durch den Befall mit Parasiten ausgelöst werden sowie durch Hitze- oder Kältereize“, sagt Stöger. „Schließlich können auch psychische Faktoren wie berufliche oder private Disharmonien dazu führen, dass die Haut auf diese Art Alarm schlägt.“

Größe macht den Unterschied

Egal, um welchen der genannten Auslöser es sich handelt, vom Prinzip her passiert im Körper bei der Entstehung eines Nesselausschlags immer dasselbe: Das Immunsystem aktiviert seine Abwehrzellen, diese setzen Botenstoffe frei, die die Blutgefäße der Haut durchlässig für Blutflüssigkeit machen. Die Flüssigkeit geht in die Haut über und sammelt sich dort an. Stöger: „So kommt es zur Bildung der Quaddeln, einer Schwellung der Haut, die von einer Rötung umgeben ist und juckt und brennt.“ Abhängig von der Größe dieser Quaddeln, die von wenigen Millimetern bis hin zu einigen Zentimetern variieren kann, und dem sonstigen Erscheinungsbild der Hautveränderung könne man, so Stöger, auch auf den Auslöser des Nesselausschlages schließen.

  • Kleine Quaddeln, die eher wie Papeln aussehen, deuten z. B. auf den so genannten cholinergischen Nesselausschlag hin, dem ein physikalischer Reiz, ein Hitze- bzw. Kältereiz zugrunde liegt, der aber auch durch bloßes Schwitzen entstehen kann.
  • Großflächige Quaddeln, die mit einer Schwellung in der Kinnregion, der Nase, oder aber auch der Finger oder Zehen einhergehen können, werden oft durch eine Medikamenten-Unverträglichkeit ausgelöst.
  • Wenig ausgeprägte Quaddeln, die auf den Rumpf beschränkt sind, können durch Darmparasiten ausgelöst worden sein.
  • Ausgedehnte und eher niedrige Quaddeln deuten daraufhin, dass der Ausschlag entweder durch einen Kältereiz ausgelöst wurde oder durch einen Kontakt mit einer Substanz, auf die der Körper allergisch reagiert.

Mehrere Untersuchungen nötig

Für die exakte Diagnose der zugrunde liegenden Ursache seien einige Untersuchungsschritte notwendig, sagt die Medizinerin. So müsse z. B. im Labor ein komplettes Blutbild gemacht werden. Weiters notwendig: drei Stuhlproben, die auf Keime, Parasiten, Pilze oder Wurmeier untersucht werden. Außerdem müsse ein „Prick-Test“ gemacht werden, bei dem mögliche allergieauslösende Substanzen auf die Haut aufgetragen werden und anschließend die Reaktion beobachtet wird. Ebenfalls empfehlenswert, wenn der Ausschlag chronisch geworden ist oder in Abständen immer wiederkehrt: Eine Ursachenforschung mittels Röntgen des Brustkorbs, der Nasennebenhöhlen, sowie eine Ultraschalluntersuchung des Bauchs. „Auch die Zähne und der Kiefer sollten untersucht werden, und ein Genitalabstrich darf nicht fehlen“, sagt Stöger. Denn die Quaddeln auf der Haut könnten sich auch aufgrund eines Chlamydien-, Pilz- oder Trichomonadenbefalls gebildet haben. Stöger: „Ist die Ursache gefunden, wird sie parallel zur Linderung der Symptome entsprechend behandelt.“

Behandeln und lindern

Und wie wird behandelt? Stöger: „Fallweise verschwinden die Quaddeln schnell oder nach einiger Zeit von selbst, dann ist gar keine Behandlung notwendig.“ Eine Behandlung sei aber jedenfalls notwendig, wenn die Krankheit bereits chronisch geworden ist und die Symptome länger als vier bis sechs Wochen andauern. „Dann wird bei der Therapie einerseits versucht, die Symptome zu lindern, andererseits muss die Ursache gefunden und behandelt werden.“

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Gelindert werden die Beschwerden auf folgende Weise:

  • Bei leichten Formen empfiehlt Stöger eine Behandlung mit einer Zinkoxidschüttelmixtur, die von der Hautärztin bzw. dem Hauarzt verschrieben wird und auf Rezept in der Apotheke erhältlich ist.
  • Zusätzlich können Antihistaminika in Form von Tabletten, Sirup oder Tropfen gegeben werden.
  • Auch kann drei Tage lang zur Entschlackung des Darms eine Diät gemacht werden: Man isst nur Kartoffeln, Reis und Zwieback und trinkt Tee.
  • Bei ausgeprägten Formen, großflächigem Befall und starkem Juckreiz rät die Medizinerin zu einer Behandlung mit Cremen, Salben und Lotionen, die Cortison enthalten, wobei diese „ausschleichend“ angewandt werden sollten, also je nach Ausprägung einige Tage lang dreimal täglich, danach zweimal täglich, danach einmal täglich, anschließend nur jeden zweiten, dritten und vierten Tag.
  • Zusätzlich können bei den schweren Formen antiallergische Infusionen gegeben werden.

Und wie sieht es mit den Heilerfolgen aus? „Die hängen davon ab, wie lang die Krankheit schon besteht“, sagt Stöger. Sei die Krankheit schon lange chronisch, müsse man sich meist auch auf eine längere Behandlungsdauer einstellen.

Mit Akupunktur & Co gegen Nesselausschlag?

Hautkrankheiten wie der Nesselausschlag lassen sich nach der Erfahrung von Dr. Adelheid Stöger, Fachärztin für Dermatologie mit Diplomen in Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) und Akupunktur, auch gut mit komplementärmedizinischen Methoden behandeln:

  • Ergänzend zur schulmedizinischen Therapie könnte man nach Rücksprache mit dem Arzt z. B. die Heilkraft der Pflanzen nützen und juckreizlindernde, feuchtkalte Auflagen auf die betroffenen Hautstellen machen. Als Tee oder Auflage empfehlen sich Ackerschachtelhalm, Eichenrinde, Kamille, Malve, Pfefferminze, Ringelblume, Zaubernuss, Zistrose. Weihrauch in Tablettenform kann außerdem die Entzündungsreaktionen eindämmen und zum Heilerfolg beitragen. Insbesondere bei Nesselausschlägen, die durch Kältereize ausgelöst wurden, eignen sich als Tee oder als Auflage auch bittersüßer Nachtschatten sowie als Öle zum Auftragen auf die Haut Lavendel und Sanddorn.
  • Nach der TCM wirken laut Stöger Akupunktur, eine begleitende, auf die Ursache abgestimmte Arzneimitteltherapie mit chinesischen Kräutern sowie eine entsprechende chinesische Diätetik sehr gut gegen Nesselausschlag.

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