Magenprobleme?

Mai 2012 | Medizin & Trends

Die wichtigsten Feinde der Magengesundheit
 
Terminstress im Büro, Ärger in der Familie und mittags eine fette Pizzaschnitte zwischen Tür und Angel – all das schlägt sich nicht nur sprichwörtlich auf den Magen: Bereits jeder dritte Österreicher hat regelmäßig Probleme mit seinem sensiblen Verdauungsorgan. MEDIZIN populär über die wichtigsten Feinde der Magengesundheit.
 
Von Wolfgang Kreuziger

In nur zehn Minuten 68 Hot Dogs verschlungen – mit diesem Gewaltakt hält der 27-jährige Kalifornier Joey Chestnut einen wilden Weltrekord im Schnellessen. Tatsächlich ist es ein kleines Wunder, was unser Magen im Extremfall zu leisten vermag, dieser dehnbare Schwerarbeiter, in dem bis zu 35 Millionen Drüsen daran schuften, zu zerkleinern und aufzuspalten, was wir weiter oben eingefüllt haben. Pro Tag schüttet er an die zwei Liter Magensaft aus, die je nach „Ladung“ unterschiedlich lange verdauen: nur einige Minuten bei Flüssigkeiten, rund eineinhalb Stunden bei Reis, oft über sechs Stunden bei sehr fettem Fleisch.
Und doch braucht es nur eine kleine Krise und aus dem leistungsstarken „Hochofen“ wird ein beleidigtes Sensibelchen. Stress, Konflikte und falsches Essen führen dann relativ rasch dazu, dass die Verdauung aus dem Ruder läuft. „Dass heute immer mehr Patienten über Magenbeschwerden klagen, ist eine Begleiterscheinung unserer zunehmend hektischer werdenden Lebens- und Arbeitskultur“, weiß Doz. Dr. Bernhard Angermayr, Internist sowie Facharzt für Gastroenterologie und Hepatologie in St. Pölten. „Bereits jeder Dritte hat mit Irritationen wie Sodbrennen zu kämpfen.“ Das liegt freilich auch daran, dass uns nicht nur bleiern im Magen liegt, was wir ihm an Nahrung zumuten. Auch verschiedene Emotionen können dem Organ, das einer der wichtigsten Barometer unseres Wohlbefindens ist, gehörig zusetzen.

Wenn uns der Arbeitsstress sauer aufstößt

Naht ein angsteinflößendes Vier-Augen-Gespräch mit dem Chef oder ein heikler Projektabgabetermin, verspüren wir als düsteren Vorboten oft das bekannte Brennen in der Körpermitte. Ein zu prall gefüllter Terminkalender und viel Druck im Büro gehören mit zu den häufigsten Ursachen von Magenproblemen. „Stress löst eine hormonelle Reaktion des Körpers aus“, erklärt Angermayr. „Der Magen antwortet mit einer verstärkten Säureproduktion, die oft Unwohlsein und Schmerzen mit sich bringt.“ Wie viel Arbeitsdruck jemand verkraften kann, ist dabei von Mensch zu Mensch völlig verschieden. Für sehr empfindliche Stress-Patienten bringt daher oft erst eine Veränderung ihrer Lebensweise die entscheidende Verbesserung. Gibt es gar keine Möglichkeit im Job leiser zu treten, können auch Entspannungstechniken wie Yoga oder autogenes Training helfen.

Liebe geht durch den Magen – auch wenn sie in der Krise steckt

Ein ausgeglichenes Familien- und Liebesleben ist ein wahres Labsal für den Magen – und gleichermaßen Gift für ihn, wenn die warme Geborgenheit in hässliche Konflikte umschlägt. Lauert daheim Beziehungsstress mit dem Ehepartner oder Streit mit der Mutter, braut sich rasch ein flaues Gefühl in der Bauchgegend zusammen. „Unser Verdauungssystem und unsere Emotionen stehen in engem, direktem Zusammenhang“, verrät der St. Pöltner Magenexperte. Glätten sich die aufgewühlten emotionalen Wogen später wieder durch Gespräche oder Therapien, dann entspannen sich auch Nerven und Drüsen im Verdauungstrakt.

Bei Alkohol, Nikotin und Tabletten funkt der Magen SOS

Mit großen Mengen Nahrung hat unser Magen erstaunlich wenige Probleme. Was er hingegen kaum verzeiht, sind Alkoholexzesse, Rauchen oder die häufige Einnahme von bestimmten Medikamenten. Sie alle beeinträchtigen nach und nach die Funktion und Qualität der Magenschleimhaut und können zu chronischen Entzündungen führen. „Besondere Vorsicht ist bei Schmerztabletten geboten, die dem Magen sehr schaden können“, klärt Angermayr auf. „Ist deren regelmäßige Einnahme unumgänglich, kann die zusätzliche Verabreichung eines Magenschutzes sinnvoll sein.“

Unser Essen: zu fett, zu kalt, zu schnell, zu scharf

Das fette Schnitzerl, die knoblauchgetränkte Pizza, frittierte und scharfe Speisen – sie alle bedeuten für die Verdauung Schwerstarbeit. Wird das Essen dann noch in wenigen Minuten hinuntergewürgt, rebelliert der Magen. Ebenso bedeutet die große Fernsehmahlzeit direkt vor dem Schlafengehen schwere Kost für das empfindliche Organ. „Falsche Ernährung, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und stressbedingt ungenügendes Kauen gehören zu den häufigsten Problemen im Ernährungsbereich“, weiß Angermayr aus der Praxis zu berichten. „Aber auch zu Heißes oder zu Kaltes können den Magen reizen. Zum Glück sind die aus der Ernährung resultierenden Beschwerden gut zu behandeln und nur selten Ursache für eine organische Erkrankung.“ Der so oft verteufelte Kaffee z. B. ist für den Magen in geringen Dosen genossen harmlos, da er die Magenschleimhaut nicht schädigt.

Es sind also viele, mannigfaltige „Sünden“, die uns täglich auf den Magen schlagen – doch die Beschwerden sind unterm Strich ähnlich. Das am häufigsten diagnostizierte Problem ist Sodbrennen, wenn aus dem übersäuerten Verdauungsorgan Säure in die Speiseröhre aufsteigt und das bekannte „Feuer“ verursacht. Hierbei kann die Verschreibung von sogenannten Antazida den Magensaft schnell und wirkungsvoll neutralisieren. Um zweifelsfrei abzuklären, ob bereits ein organisches Leiden vorliegt, schafft eine Magenspiegelung unkompliziert Aufklärung. „Während einer Gastroskopie wird dem Patienten unter Narkose eine Sonde eingeführt, die Rötungen oder Geschwüre in Magen, Speiseröhre und Zwölffingerdarm auf einem Bildschirm sichtbar machen“, erklärt Angermayr. Oftmals wird dabei auch eine Gewebeprobe entnommen, die Aufschluss darüber gibt, ob eine Infektion mit Helicobacter pylori vorliegt, einem Bakterium, das in weiterer Konsequenz zu Magengeschwüren oder sogar Magenkrebs führen kann.
Glücklicherweise sind heute im Magenbereich trotz der zahlenmäßig ansteigenden Erkrankungen kaum mehr Operationen notwendig. „Mit der Verabreichung der höchst effektiven Protonenpumpenhemmer kann die Produktion von Magensäure auch bei Gastritis und Magengeschwüren mittlerweile sehr gut geregelt werden“, sagt der Facharzt. Bei Magenkrebs bleibt die Früherkennung nach wie vor der bedeutsamste Schlüssel zur Heilung. Angermayr: „Deswegen steht auch bei scheinbar unbedeutenden Magenproblemen eine ärztliche Abklärung der Situation an erster Stelle.“

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Die häufigsten Magenerkrankungen
Sodbrennen
Wenn der Muskel am Mageneingang nicht richtig schließt, fließt Magensaft in die Speiseröhre zurück und verursacht dort Schmerzen. Schenkt man diesem Problem nicht früh genug Beachtung, können daraus in weiterer Folge auch Entzündungen, Blutungen und sogar Speiseröhrenkrebs entstehen.

Reizmagen
Unter diesem Begriff versteht man eine langfristige Störung der Magenfunktion über mehrere Monate hinweg, die keine organische Ursache hat und in der Regel den Oberbauch betrifft. Sie kann viele verschiedene Formen von Völlegefühl bis hin zu Übelkeit und Erbrechen annehmen.

Gastritis
Bei dieser Entzündung der Magenschleimhaut liegt bereits ein organischer Schaden vor, sie kann akut oder chronisch ausfallen. Unter den Hauptauslösern für dieses Volksleiden finden sich der übermäßige Konsum von Nikotin, Alkohol oder Medikamenten.

Helicobacter pylori
Dieses oft auch als „Magenteufel“ bezeichnete Bakterium kann dank eines von ihm produzierten basischen Schleims in der Magensäure überleben und an entzündeten Stellen die Magenwand angreifen. Es wird mit Antibiotika bekämpft.

Magengeschwür
Weist die schützende Schleimhaut des Magens bereits Löcher auf und ­schädigt die Säure bereits die Magenmuskeln, dann liegt ein Magengeschwür vor. Sehr oft ist die Infektion mit Helicobacter pylori der Auslöser dafür.

Magenkrebs
Erbliche Veranlagung, Rauchen, falsche Ernährung und Infektion mit Helicobacter pylori sind hauptverantwortlich für die Entstehung von Tumoren im Magen. Früh erkannt, lässt sich der Krebs operativ entfernen. Unter anderem dank verbesserter Hygienestandards im Lebensmittelbereich hat sich das Erkrankungsrisiko in den vergangenen 20 Jahren fast halbiert.

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