Spielsucht

März 2012 | Medizin & Trends

Wo der Spaß aufhört
 
Immer mehr Menschen brauchen den Kick des Glücksspiels, sei es an Automaten, im Wettbüro, am Poker- oder Roulettetisch, im Internet. Das Fatale an der Spielsucht ist, dass sie fast immer mit anderen Süchten einhergeht, über kurz oder lang in den finanziellen Ruin führt, nicht selten auch in die Kriminalität. Ein Experte erklärt, wo der Spaß aufhört und die Sucht beginnt, und wie Betroffenen geholfen werden kann.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Etwa ein Prozent der Österreicherinnen und Österreicher ist spielsüchtig, das sind rund 84.000 – und es werden immer mehr. Warum das so ist, erklären sich Experten mit dem immer leichteren Zugang zum Glücksspiel – an Automaten, in Wettbüros, vor allem im Internet. Unter fünf Abhängigen findet sich nur eine Frau, die Spielsucht ist also männlich. „Der Großteil der Spieler ist zwischen 20 und 35 Jahre alt, viele haben einen Migrationshintergrund, viele haben Verwandte, die ebenfalls spielsüchtig sind, sind also genetisch vorbelastet oder durch ihr soziales Umfeld geprägt, viele sind arbeitslos“, sagt Prim. Univ. Prof. Dr. Friedrich Wurst, Vorstand der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie II an der Christian Doppler-Universitätsklinik in Salzburg, wo sich auch eine Spielsuchtambulanz befindet.

Zeichen der Sucht

Wo hört der Spaß auf – und wo beginnt die Sucht? „Spielsüchtig ist man zum Beispiel, wenn man dauernd an das Spielen denken muss, nervös oder gereizt ist, wenn man einmal nicht spielen kann, und wegen des Spielens seine Familie, Freunde und Arbeit vernachlässigt“, erklärt Wurst und weist auf weitere Kennzeichen der Sucht hin: Man spielt um immer mehr Geld, spielt immer länger und hat in spielfreien Zeiten auch körperliche Entzugserscheinungen wie etwa schweißnasse Hände. Auch geht die Sucht nach dem Kick beim Gewinnen fatalerweise fast immer mit anderen Süchten bzw. Begleiterkrankungen einher, die häufig auch schon vor der Sucht bestanden, weiß Wurst. Nikotinabhängigkeit, Alkoholabhängigkeit, Depressionen zählen genauso dazu wie Angststörungen, eine Abhängigkeit von illegalen Drogen und verschiedene Persönlichkeitsstörungen. Die Folgen der Spielsucht reichen von Beziehungs- über Wohnungsverlust bis hin zum Abgleiten in die Beschaffungskriminalität und zum Selbstmordversuch.

Gute Chancen für Betroffene

All diese Faktoren müssen so gut wie möglich mitberücksichtigt werden, wenn einem Betroffenen dabei geholfen werden soll, sich von der Spielsucht zu befreien. Die Chancen dafür stehen gut: 60 bis 70 Prozent jener, die sich einer umfassenden Therapie unterziehen, wie sie z. B. in der Salzburger Spielsuchtambulanz geboten wird, werden zumindest im Jahr danach nicht wieder rückfällig. Etliche andere schaffen es, wenigstens nur noch selten und ohne Geldeinsatz oder um wenig Geld zu spielen.
Wie man Spielsüchtigen helfen kann? „Die Behandlung beruht auf drei Säulen und wird meistens ambulant durchgeführt“, sagt Wurst. Säule eins besteht in einer Psychotherapie, meist einer Verhaltenstherapie, Säule zwei in der Behandlung von psychischen und gegebenenfalls physischen Begleiterkrankungen, Säule drei sieht die Gabe von Medikamenten vor, die dabei helfen, die Sucht in den Griff zu bekommen, indem sie z. B. die Stimmung stabilisieren. Gegebenenfalls erhalten die Süchtigen auch Hilfe beim Abbau von Schulden, bei Problemen in der Partnerschaft, der Suche nach Arbeit bzw. einer Wohnung. Ist jemand aufgrund der Spielsucht straffällig geworden, so wird auch Unterstützung bei der Lösung rechtlicher Probleme geboten.
Die Dauer der Behandlung ist unterschiedlich lang: „Wir haben Patientinnen und Patienten, die brauchen nur vier Behandlungstermine, andere brauchen zwölf, einzelne Fälle auch mehr oder eine stationäre Therapie“, so Wurst. Therapieziel ist, möglichst abstinent zu bleiben bzw. die Zeichen eines möglichen Rückfalls frühzeitig zu erkennen und gleich Hilfe in Anspruch zu nehmen. So kann man davor bewahrt werden, erneut in die Sucht abzugleiten – und wieder nur manches Mal ein Gewinner und letztendlich auf allen Ebenen ein Verlierer zu sein.

Webtipp:
Selbsthilfegruppe Anonyme Spieler
www.anonyme-spieler.at

aktuelle Ausgabe

MP Cover 2023-01

Sie wollen mehr?

Das freut uns!

WÄHLEN SIE EINFACH AUS:
» ABO «
» E-MAGAZIN «
» MEDIZIN-populär-APP «

Abo bestellen

E-Magazin

Abo Service

Gewinnspiel

Kontakt

Newsletter

aktuelle Ausgabe

MP Cover 2023-01

Sie wollen mehr?

Das freut uns!

WÄHLEN SIE EINFACH AUS:
» ABO «
» E-MAGAZIN «
» MEDIZIN-populär-APP «

Abo Service

E-Magazin

Gewinnspiel

Kontakt

Newsletter

Abo Service

Gewinnspiel

E-Magazin

Newsletter