Achtung, weißer Hautkrebs!

August 2013 | Medizin & Trends

Warnzeichen, auf die Sie achten sollten
 
Schon jetzt ist weißer Hautkrebs der häufigste Hauttumor, und Experten warnen, dass die Zahl der Betroffenen weiter steigen wird. Besonders gefährdet sind Männer mit schütterem Kopfhaar – aber nicht nur sie. MEDIZIN populär informiert über anfällige Stellen und auffällige Zeichen auf der Haut.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Eine Unebenheit auf der Haut, die sich rau anfühlt, manchmal leicht gerötet und in etwa so groß wie ein Wimmerl ist: So sieht weißer Hautkrebs anfangs aus. Vollkommen harmlos also. Und das ist auch der Grund dafür, warum die Krankheit, die Mediziner aktinische Keratose nennen, häufig lange Zeit nicht erkannt wird. „Oft bemerken die Betroffenen die Hautveränderung zunächst gar nicht, oder sie meinen, dass sie von selbst wieder verschwinden wird“, weiß Univ. Prof. Dr. Adrian Tanew von der Abteilung für Allgemeine Dermatologie am Wiener AKH.
Stattdessen aber breitet sich die aktinische Keratose in der Fläche aus, ist bald so groß wie ein 1-Cent-Stück und schließlich wie ein Fingernagel. Sie kann röter und rauer werden, ein hautfarbener bis rötlicher Knoten kann sich bilden, der sich entweder schuppt oder zerfällt. Wenn er zerfällt, bildet sich eine nässende, nicht abheilende Stelle, an der immer wieder Krusten entstehen. Wenn jetzt immer noch nichts unternommen wird, „dann können die Tumorzellen in tiefere Hautschichten eindringen und dort in die Hautgefäße wandern“, schildert Tanew die Folgen. Schlimmstenfalls bilden sich anschließend in den Lymphknoten, Muskeln, Knochen und Knorpeln, aber auch in der Lunge und anderen Organen des Körpers Metastasen – und das ist höchst lebensbedrohlich.
„Wird die aktinische Keratose aber früh erkannt und behandelt, liegt die Heilungsrate bei über 90 Prozent“, so Tanew. „Deswegen sollte sich jeder von einem Hautarzt untersuchen lassen, sobald er eine Hautveränderung an sich bemerkt.“ Noch besser wäre freilich ein jährlicher Hautcheck beim Dermatologen, vor allem für jene, die ein hohes Risiko für die Erkrankung haben.

Glatze, Stirn, Handrücken

Dieses Risiko ist umso größer, je öfter und länger man sich im Lauf seines Lebens der Sonne ausgesetzt oder sich im Solarium gebräunt hat, und je empfindlicher die Haut darauf reagierte. Besonders anfällig für aktinische Keratosen sind demgemäß ältere und hellhäutige Menschen, und unter ihnen vor allem jene, die älter aussehen, als sie sind, weil ihre Haut bereits Sonnenschäden aufweist wie zahlreiche Pigmentflecken und eine starke Faltenbildung. Anfällig für aktinische Keratosen machen auch Infektionen mit humanen Papillomviren, seltene Erbkrankheiten, sowie Medikamente, die die Abwehrkräfte reduzieren und etwa von Menschen genommen werden müssen, die ein fremdes Organ transplantiert bekamen.
Da die Sonnenbestrahlung die wesentliche Rolle bei der Entstehung von weißem Hautkrebs spielt, entsteht der Tumor bevorzugt an Arealen, die der Sonne stark ausgesetzt und empfindlich sind. Tanew: „Bei Männern sind das Glatze, Stirn, Handrücken, und bei Frauen Stirn, Wangen, Handrücken, manchmal auch Dekolleté und Unterarme.“ Männer sind häufiger betroffen, da sie eher zu schütterem Haar neigen und die Glatze besonders stark von der Sonne beschienen wird. Männer trifft es aber auch deswegen mehr, weil sie öfter als Frauen Berufe im Freien ausüben, wo sie der Sonne stark ausgesetzt sind, etwa in der Bau-, Land- und Forstwirtschaft.
Insgesamt haben nach Schätzungen 15 Prozent der Männer und sechs Prozent der Frauen aktinische Keratosen, was den weißen Hautkrebs schon jetzt zur häufigsten Hautkrebsart macht. In Zukunft wird die Zahl der Betroffenen noch größer werden, da die Lebenserwartung steigt und aktinische Keratosen mit zunehmendem Alter häufiger auftreten. Ab dem 70. Lebensjahr ist, so schätzen die Experten, bereits jeder Zweite betroffen. Zudem befürchtet man eine Zunahme der Krankheit bei den Jüngeren, da allen Warnungen zum Trotz immer mehr ihre Haut das ganze Jahr über in der Sonne und im Solarium bräunen.

Neu: Heilen mit Licht

Um festzustellen, ob es sich bei den auffälligen Zeichen auf der Haut tatsächlich um eine aktinische Keratose handelt, muss von der verdächtigen Stelle eine Hautprobe entnommen und unter dem Mikroskop begutachtet werden. Vor der Entnahme wird die Hautstelle betäubt, sodass nichts davon zu spüren ist. Dabei entsteht nur eine kleine Wunde. „Der Patient kann danach gleich wieder nachhause gehen“, beruhigt Tanew.
Wird weißer Hautkrebs festgestellt, ist wichtig, dass rasch mit der Therapie begonnen wird. „Der Trend geht zu flächigen Behandlungen, die den Vorteil haben, dass umliegendes Gewebe mitbehandelt werden kann“, informiert Tanew über die aktuelle Vorgehensweise. Das minimiert die Gefahr, dass Krebszellen übrigbleiben und nach der Behandlung zu einer neuerlichen Erkrankung führen.
Noch neu ist die sogenannte photodynamische Therapie. Dabei wird eine Creme auf die erkrankten Hautstellen aufgetragen, die drei bis vier Stunden einwirken muss und von den Krebszellen in eine lichtaktive Substanz umgewandelt wird. Anschließend wird die Haut zehn bis 20 Minuten lang mit Rotlicht bestrahlt. So werden Sauerstoffradikale erzeugt, die die erkrankten Zellen abtöten. Meist reicht eine Behandlung aus. Eine Studie mit 600 Patienten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ergab, dass die Heilungsraten genauso hoch oder höher als bei anderen Therapien sind und keine Narben zurückbleiben. Die Nebenwirkungen beschränken sich auf Schmerzen bei der Bestrahlung und sonnenbrandartige Symptome an den Tagen danach.

Cremen, vereisen, verbrennen

Flächig wirkt auch die sogenannte Immuntherapie. „Dabei tragen die Patienten dreimal in der Woche selbst eine Creme auf die Hautveränderungen auf, die das Immunsystem dazu befähigt, den Krebs zu bekämpfen“, erläutert Tanew. Oft reicht eine Selbstbehandlungsdauer von vier Wochen aus. Allerdings ist diese Art der Therapie für manche nicht leicht zu ertragen, weiß Tanew: „Als Nebenwirkung treten an der behandelten Hautstelle Reizungen auf, die stark gerötet und nässend sind und auch weh tun.“
Für Betroffene mit einer einzigen aktinischen Keratose oder nur wenigen eignet sich die Kältetherapie. Dabei wird das kranke Gewebe mit sehr kaltem flüssigem Stickstoff vereist und so zum Absterben gebracht. Das dauert nur wenige Sekunden – allerdings, so Tanew, muss man damit rechnen, dass kleine Narben zurückbleiben. So auch beim Verbrennen der entarteten Zellen durch Elektrokaustik oder mit dem Laser.
Hat sich die aktinische Keratose bereits zum Plattenepithelkarzinom weiterentwickelt, ist die Entfernung mit dem Skalpell die Methode der Wahl. Zudem sind nachfolgende Untersuchungen nötig, um festzustellen, ob der Tumor zur Gänze entfernt wurde.

Hautkrebs kann wiederkommen

Egal wie weit fortgeschritten der Hautkrebs ist und wie er behandelt wurde: Für die Betroffenen ist es besonders wichtig, sich lebenslang gut mit Sonnenschutzmitteln, Hut oder Kappe und entsprechender Kleidung vor der Sonne zu schützen, denn der weiße Hautkrebs kann wiederkommen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist sogar besonders hoch, sie liegt bei 30 Prozent, das heißt, fast jeder Dritte bekommt mehrfach weißen Hautkrebs. Ein guter Sonnenschutz ist übrigens nicht nur das beste, sondern auch das einzige Mittel zur Vorbeugung vor der häufigsten Hautkrebsart.

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Warnzeichen auf der Haut
Weißer Hautkrebs zeigt sich durch:

  • Unebenheiten der Haut, die sich rau anfühlen, eventuell leicht gerötet sind und erst die Größe eines Wimmerls haben, dann einer 1-Cent-Münze, später eines Fingernagels.
  • Hautfarbene bis rötliche Knötchen oder Knoten, die an der Oberfläche warzig erscheinen oder nässen und von Krusten bedeckt sind.

 

 

Stand 07/2013

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