Chronische Blasenentzündung

Februar 2013 | Medizin & Trends

Schmerzhaftes Frauenleiden
 
Druckgefühle und Schmerzen im Unterbauch, häufiger Harndrang und höllische Schmerzen beim Harnlassen: Dauern diese Beschwerden länger als sechs Wochen an, könnte die sogenannte interstitielle Cystitis (IC) dahinterstecken. Von dieser seltenen chronischen und fortschreitenden Blasenentzündung sind fast nur Frauen betroffen. MEDIZIN populär über Ursachen und Behandlungsmethoden.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Mit ihr verhält es sich so wie mit nahezu allen seltenen Krankheiten: Man weiß nicht, wie viele Menschen an der sogenannten interstitiellen Cystitis (IC) leiden, der chronisch-fortschreitenden Blasenentzündung. Nach Schätzungen könnten hierzulande 1000 bis 2000 Menschen betroffen sein. Sicher ist: Etwa 90 Prozent davon sind Frauen, und die meisten von ihnen sind zwischen 40 und 60 Jahre alt. „Bemerkbar macht sich die Krankheit zunächst durch immer wiederkehrende Harnwegsinfekte oder dadurch, dass ein Harnwegsinfekt länger als sechs Wochen lang andauert und mit Antibiotika nicht wegzubekommen ist“, sagt Univ. Prof. Dr. Gero Hohlbrugger, Facharzt für Urologie in Dornbirn und Heerbrugg (Schweiz), der sich seit vielen Jahren mit dem Leiden beschäftigt.

Hormone, Stress und Veranlagung als Verursacher?

Der Grund für die Widerstandsfähigkeit der IC gegenüber Antibiotika ist, dass IC nicht auf eine bakterielle Infektion zurückgeht, sondern auf Entzündungen der Schleimhaut im Inneren der Blase, die andere Ursachen haben. Welche, das weiß man noch nicht sicher. Experten wie Hohlbrugger vermuten, dass eine gewisse Veranlagung, Stress, hormonelle Schwankungen, ein bestimmtes Ernährungsverhalten, die Einnahme von Medikamenten, Nervenentzündungen, Störungen des Immunsystems und auch Umwelteinflüsse wie die Aufnahme von Giften über das Wasser oder die Luft zu IC führen können. Hohlbrugger: „Meistens löst wohl ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren die Krankheit aus.“
Das Problem: Da sich die IC zunächst in Form einer Harnwegsinfektion äußert, wird sie sehr oft so behandelt – und das kann mittel- und langfristig schlimme Folgen haben. „Wird die IC falsch behandelt, führt das zu Blasenfunktionsstörungen bis hin zum Funktionsverlust der Blase“, sagt Hohlbrugger. Die einzig verbleibende Hilfe für die Betroffenen ist dann ein künstlicher Ausgang. Oder man baut ein Stück des Dünndarms zur Blase um.

Diagnose mittels Kaliumtest

„Wichtig ist, dass die IC möglichst frühzeitig diagnostiziert wird“, so Hohlbrugger. Wer meint, die klassischen Symptome an sich zu erkennen, sollte sich nicht mit Diagnosen wie Harnwegsinfekt oder überaktive Blase zufriedengeben, sondern den behandelnden Arzt auf eine mögliche IC ansprechen, sagt Hohlbrugger. Der Experte fand heraus, dass sich die IC sehr gut und relativ einfach durch einen Kaliumtest diagnostizieren lässt. Dabei wird über einen Katheter, der in die Harnröhre eingeführt wird, eine Kalium-Chlorid-Lösung in die Blase eingeschleust. Hohlbrugger: „Besteht eine IC, führt das Auftreffen der Kaliumlösung auf der entzündeten Blasenschleimhaut zu einem Brennen und zu Schmerzen, manchmal krampfen sich auch die Muskeln der Blaseninnenwand zusammen.“ Spüren die Untersuchten nichts, haben sie meist auch keine IC. Ihre Beschwerden gehen dann eher auf eine sehr hartnäckige bakterielle Harnwegsinfektion oder auf andere Krankheiten zurück – bei Frauen häufig auf Endometriose, bei Männern auf eine Entzündung der Prostata.

Spülungen helfen der Blase

Wurde die interstitielle Cystitis im Frühstadium diagnostiziert, kann die Krankheit heute gut behandelt werden. Dabei setzt Hohlbrugger je nach den individuellen Gegebenheiten auf verschiedene Maßnahmen. „In vielen Fällen lässt sich der Zustand der Blasenschleimhaut durch das Spülen der Blase mit Hyaluronsäure, Chondroitinsulfat, Heparin oder auch mit Mitteln, die die Durchblutung fördern und so die Entzündungen lindern, entscheidend verbessern.“ Auch die Spülungen funktionieren über einen Katheter und werden über mehrere Monate lang ein- bis dreimal pro Woche vom Arzt durchgeführt. Schmerzmittel ergänzen die Therapie. Hohlbrugger empfiehlt Betroffenen darüber hinaus, Entspannungstechniken zu erlernen, säure- und kaliumreiche Nahrungsmittel und Getränke zu meiden, die erfahrungsgemäß die IC-spezifischen Schmerzen verschlimmern, also z. B. Bananen, Nüsse, Schokolade, Weißwein, Sekt und Kaffee.

Webtipp: www.ica-austria.at

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