Neue Hilfen bei Myomen

April 2013 | Medizin & Trends

Die sanften Therapien gegen das Frauenleiden
 
Etwa bei der Hälfte aller Frauen entwickeln sich bis zum Beginn der Wechseljahre Myome, die massive Beschwerden verursachen können. Rückte man den Wucherungen an der Gebärmutter früher mit dem Skalpell zu Leibe, indem das gesamte Organ entfernt wurde, gibt es inzwischen immer mehr sanfte Therapien gegen das Frauenleiden. MEDIZIN populär bietet einen Überblick.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Starke Regelblutungen, Zwischenblutungen, Regelschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, unfreiwilliger Harnverlust, ein unerfüllter Kinderwunsch, unangenehme Druckgefühle im Bauchraum: Die Liste der Beschwerden, die durch Myome verursacht werden können, ist lang. Und überdies zählen Myome, deren Name aus dem Griechischen „myos“ für Muskel und „om“ für Wucherung kommt, zu den häufigsten Frauenleiden. Denn bis zum Beginn der Wechseljahre entwickeln sich die gutartigen Muskelwucherungen bei jeder Zweiten. Bei einem Drittel der Betroffenen sind die Beschwerden so ausgeprägt, dass sie die Lebensqualität beeinträchtigen.
„Noch vor zehn Jahren hatte man für diese Frauen nur eine Lösung parat, und die bestand in der Entfernung der Gebärmutter“, weiß Univ. Prof. DDr. Johannes Huber, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Wien, und ergänzt: „Davon ist man aber immer mehr abgekommen.“ Dass sich viele Frauen allein bei dem Gedanken an ein Leben ohne Gebärmutter unbehaglich fühlen, war zwar ein Grund dafür, aber nicht der einzige. Huber: „Man hat inzwischen erkannt, dass es auch medizinische Gründe gibt, die für die Erhaltung der Gebärmutter sprechen.“ So entdeckte man beispielsweise, dass das Zusammenspiel zwischen Gebärmutter und Eierstöcken die Schilddrüsenfunktion, den Hormonhaushalt, die Blutgesundheit sowie die Gesundheit und Schönheit von Haut und Haaren positiv beeinflusst. Gut also, dass es mittlerweile eine Reihe von schonenden und gebärmuttererhaltenden Methoden für die Behandlung von Myomen gibt. Für MEDIZIN populär bietet Experte Huber einen Überblick über die aktuellen Möglichkeiten.

Mit Hormonblockern verkleinern

Zwar weiß man nach wie vor nicht, warum Myome entstehen, jedoch sind Risikofaktoren für deren Entstehung bekannt. Dieses Wissen machte man sich bei der Entwicklung eines noch neuen Medikaments zunutze, das der Arzt verschreiben kann. „Myome wachsen, wenn das Muskelgewebe in der Gebärmutter zu viele Östrogene und zu viel Progesteron enthält“, erklärt Huber. Das neue Mittel könne das Wachstum der Myome hemmen und sie darüber hinaus verkleinern, so Huber: „Frauen, die täglich eine dieser Tabletten nehmen, spüren schon nach kurzer Zeit eine Besserung ihrer Beschwerden.“
So gehören binnen ein, zwei Wochen Zwischenblutungen, starke Blutungen und Regelschmerzen der Vergangenheit an. Während der insgesamt dreimonatigen Einnahmedauer schrumpfen die Myome um 30 bis 50 Prozent, was weitere Beschwerden lindern kann. „Der Erfolg kann mehrere Jahre anhalten“, sagt Huber. „Noch weiß man aber nicht, ob die so behandelten Myome irgendwann später wieder zu wachsen beginnen.“ Deswegen empfiehlt sich die Therapie für Frauen, die sich die Myome nach der Tabletteneinnahme operativ entfernen lassen, da die Wucherungen umso schonender entfernt werden können, je kleiner sie sind. Huber: „Und die Therapie ist auch Frauen kurz vor der Menopause anzuraten, denn mit Beginn der Wechseljahre werden die Myome von selber kleiner.“ Zwar unterdrückt der verwendete Wirkstoff meist den Eisprung, weswegen die Frauen während der Einnahme eher nicht schwanger werden können, doch die Substanz verursache kaum andere Nebenwirkungen. „Ganz, ganz selten kann der Wirkstoff Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen, leichte Schwindelgefühle oder eine leichte Übelkeit auslösen“, weiß Huber.

Mit Hitzeimpulsen zerstören

Neu ist auch eine weitere Methode im Kampf gegen Myome, die sogenannte Thermoablation. „Dabei wird ein Ultraschallimpuls auf das Myom gerichtet, der durch Hitzeeinwirkung das Myom zerstört“, erklärt Huber. „Auch so lässt sich Beschwerdefreiheit erlangen.“ Diese Therapie, die ambulant von speziell geschulten Radiologen gemeinsam mit Gynäkologen durchgeführt wird, ist aber nicht in jedem Fall geeignet. „Ob sie sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Anzahl der Myome, ihrer Größe und Lage ab“, verdeutlicht Huber.

Von der Blutzufuhr abschneiden

So verhält es sich auch mit einer weiteren hierzulande noch neuen Methode, die in den USA bereits als bewährt gilt: die sogenannte Embolisation. „Dabei wird ein Katheter in die Gebärmutter eingeführt, durch den jene Blutgefäße blockiert werden, die das Myom mit Blut versorgen“, erklärt Huber. Ist die Blutzufuhr blockiert, können die Myome nicht mehr wachsen. Viele schrumpfen mit der Zeit, und mit ihnen verschwinden die Beschwerden, die sie verursacht haben.  

In künstlichen Wechsel versetzen

Da Myome aufgrund von Unstimmigkeiten im Haushalt der weiblichen Sexualhormone entstehen, liegt nahe: „Myome können mit Arzneimitteln, die die Produktion dieser Hormone drosseln und einen künstlichen Wechsel hervorrufen, verkleinert werden“, so Huber. Die besten Behandlungserfolge werden mit einem Mittel erzielt, das den Östrogenspiegel drastisch herabsetzt. Huber: „Bis zum Ende der Behandlung, die ein halbes Jahr dauert, wird die Gebärmutterschleimhaut hormonell ausgehungert, und die Myome werden nach und nach kleiner.“ Die Beschwerden, die die Wucherungen auslösen, verschwinden zwar schon kurz nach Beginn der Therapie, doch zeitgleich tritt auch der Nachteil der Hormonbehandlung zutage: „Die Patientinnen geraten in einen Zustand, der jenem der Wechseljahre entspricht, und haben dementsprechende Symptome wie Hitzewallungen, Schwindelgefühle, Schlaflosigkeit“, weiß Huber.  

Schonend wegschneiden

Kommen die genannten Therapien nicht in Frage, empfehlen sich operative Eingriffe. „Dabei werden heute in sehr vielen Fällen besonders schonende chirurgische Maßnahmen angewandt“, so Huber. Eine davon funktioniert über die Vagina. Dabei wird die Patientin in Narkose versetzt. „Danach werden über ein Spezialinstrument winzige Scheren in die Gebärmutter eingeführt, mit denen man die Myome herausschnipselt“, erklärt Huber. Befinden sich die Myome nicht in der Gebärmutterhöhle, sondern an der Außenwand, kann per Schlüssellochchirurgie gearbeitet werden bzw. durch eine Sonde, die im Bereich des Nabels durch die Bauchdecke zum Ort des Geschehens geführt wird. Huber: „Von diesem Eingriff bleiben nur wenige Millimeter lange Schnitte übrig, die rasch abheilen.“ Wenn die Myome zu groß für die Entfernung durch die winzigen Schnitte sind, muss ein Bauchschnitt gemacht werden, durch den die Wucherungen entfernt werden – bis vom Bauchschnitt nichts mehr zu spüren ist, vergeht allerdings einige Zeit. Auf welche Art der Eingriff auch durchgeführt wird: Die Beschwerden, die die Myome verursacht haben, gehören nach der Operation der Vergangenheit an, und die Fähigkeit, Kinder zu bekommen, bleibt erhalten.    

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Myome. Das sollten Sie wissen

Myome sind Wucherungen der Gebärmuttermuskulatur. Sie entstehen aufgrund von Unstimmigkeiten im Haushalt der weiblichen Sexualhormone.

Je nachdem, wo sie wachsen, unterscheidet man verschiedene Formen:

  • intramural: inmitten der Muskelschicht der Gebärmutter
  • subserös: unter der Außenhaut der Gebärmutter
  • submukös: direkt unter der Gebärmutterschleimhaut
  • intraligamentär: in den Bindegewebsschichten seitlich der Gebärmutter
  • Zervixmyom: in den Muskelschichten um den Gebärmutterhals

Wie die Mutter, so die Tochter
Warum bei der einen Frau Myome entstehen und bei der anderen nicht, weiß man nicht. Bekannt ist lediglich: Myome werden meist vererbt. Hat die Mutter Myome, bekommt sie die Tochter mit großer Wahrscheinlichkeit auch.

So wird die Diagnose gestellt

Die Diagnose von Myomen erfolgt durch ein Arzt-Patient-Gespräch, eine Tast- und Ultraschalluntersuchung. Letztere zeigt, wo sich Myome befinden und wie groß sie sind. „Machen sie keine Beschwerden, was bei zwei Dritteln der Betroffenen der Fall ist, reicht es aus, sie jedes halbe Jahr begutachten zu lassen“, sagt Univ. Prof. DDr. Johannes Huber. So kann festgestellt werden, ob sie gewachsen sind und eventuell doch eine Therapie notwendig ist.

Wenn man nichts dagegen unternimmt

Die Myome können wachsen, und die Beschwerden können sich verschlimmern, wenn nichts dagegen unternommen wird. Dass sich die gutartigen Muskelwucherungen zu bösartigen Tumoren entwickeln, kommt selten vor. Schlimmstenfalls werden die Myome so groß, dass sie mit der Gebärmutter verwachsen. Dann können sie nur noch mitsamt dem Fortpflanzungsorgan entfernt werden.

 

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