HPV-Impfung: Das sollten Eltern wissen

Januar 2014 | Medizin & Trends

Das kostenlose Kinderimpfprogramm Österreichs wird um eine weitere Stufe ausgebaut: Ab Februar 2014 ist die viel diskutierte HPV-Impfung für Mädchen und Buben im Alter von zehn Jahren gratis. MEDIZIN populär gibt eine Orientierungshilfe für Eltern.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Jahr für Jahr erkranken hierzulande zirka 400 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, rund 160 sterben daran. Zudem werden jedes Jahr bei etwa 6000 Frauen Krebsvorstufen am Gebärmutterhals entdeckt, die operativ entfernt werden müssen, wonach das Risiko für Frühgeburten steigt. Verursacht wird dieser Krebs ebenso wie oft auch Enddarm-, Scheiden-, Penis-, Schamlippenkrebs und Tumore im Kopf- und Halsbereich durch Humane Papillomviren, kurz HPV. Infektionen mit HPV sind es auch, die dazu führen, dass Feigwarzen heranwachsen, mehr oder weniger große, gutartige Knoten im Genitalbereich, die stark verbreitet sind – denn die Zahl der HPV-Infizierten ist groß.

Fast jeder infiziert

„Man kann davon ausgehen, dass fast jeder Erwachsene im Lauf seines Lebens mit HP-Viren infiziert wird“, sagt Univ. Prof. Dr. Christian Marth, Direktor der Abteilung für Frauenheilkunde am Universitätsklinikum des LKH Innsbruck. Die Viren können selbst dann übertragen werden, wenn zwei Menschen dasselbe Handtuch für den Intimbereich verwenden, oder wenn ein Kind geboren wird. „Die weitaus meisten Menschen infizieren sich aber beim Geschlechtsverkehr“, so Marth. Kondome reichen als Schutz vor einer HPV-Infektion nicht aus, da sie nicht den gesamten Intimbereich abdecken. Was aber schütze, sei die HPV-Impfung. Marth: „Sie macht immun gegen die Infektion und ist daher sexuell aktiven Menschen jeden Lebensalters zu empfehlen.“ Am meisten nützt sie aber Kindern um das zehnte Lebensjahr: „Man kann davon ausgehen, dass Kinder mit zehn Jahren sexuell noch nicht aktiv gewesen sind, daher auch eher nicht infiziert sind und sich die Infektion ersparen“, erklärt Marth. „Außerdem hat sich herausgestellt, dass in diesem Alter die Immunantwort auf die Impfung am besten ausfällt, das heißt, dass die Impfung besonders gut wirkt“, betont der Mediziner.

Auch für Buben
Das sind die Gründe dafür, warum sich Österreichs Gesundheitspolitiker in Bund und Ländern sowie der Hauptverband der Sozialversicherungsträger dazu entschlossen haben, ab Februar 2014 die HPV-Impfung für Mädchen und Buben im Alter von zehn Jahren in das kostenlose Kinderimpfprogramm aufzunehmen. Eine Maßnahme, die Dr. Rudolf Schmitzberger, Impfreferent der Österreichischen Ärztekammer und Facharzt für Kinderheilkunde in Wien, begrüßt: „Derzeit ist Österreich im weltweiten Vergleich bei der HPV-Durchimpfungsrate das Schlusslicht. Nun werden wir bald insofern zu den Vorreitern zählen, als wir die Impfung nicht wie in den meisten Ländern nur für Mädchen gratis anbieten werden, sondern auch für Buben.“ So wird das Risiko für eine HPV-Infektion und die Gefahr, an Krebs zu erkranken bzw. sich Feigwarzen einzuhandeln, naturgemäß schneller sinken.

Impfung schützt lebenslang

Die Impfung ist nur einmal nötig, denn sie wird nach Meinung von Experten lebenslang schützen, da sich die HP-Viren anders als z. B. Grippeviren nicht verändern. Wer sich zur Impfung entschließt, kann derzeit zwischen zwei Varianten wählen: dem Zweifachimpfstoff und dem Vierfachimpfstoff. Marth: „Der Zweifachimpfstoff wirkt besonders gut gegen die beiden gefährlichsten HPV-Stämme, die am häufigsten Krebsvorstufen und Krebs verursachen. Der Vierfachimpfstoff wirkt ebenfalls gut gegen die zwei gefährlichsten, aber genauso gut gegen die beiden Stämme, die am häufigsten Feigwarzen hervorrufen.“ Im Rahmen des HPV-Kinderimpfprogramms hat man sich für die Verwendung des Vierfachimpfstoffes entschieden. Bei den Zehnjährigen sind zwei Teilimpfungen nötig.

So gut wie keine Nebenwirkungen

Nebenwirkungen hat die HPV-Impfung erwiesenermaßen so gut wie keine, weiß Marth. „Nach weltweit rund 150 Millionen Impfungen hat sich gezeigt, dass manche Geimpfte so wie auch nach anderen Impfungen Schmerzen an der Einstichstelle haben. Einige wenige haben so große Angst vor dem Stich, dass sie – wie bei anderen Impfungen auch – ohnmächtig werden.“ Die Nebenwirkungsarmut der HPV-Impfung geht darauf zurück, dass die Impfstoffe lediglich leere Virushüllen aus Substanzen enthalten, die keine Infektionen hervorrufen, weil sie nicht im Blut wirken, sondern die Abwehrkräfte der Haut anregen. So kann eigentlich immer geimpft werden – außer, so Marth, „es besteht eine Erkrankung mit Fieber“.

Auch für ältere Kinder?

Bis die Impfung auch für ältere Kinder und Jugendliche gratis erhältlich ist, wird wohl noch einige Zeit vergehen, meint Impfreferent Schmitzberger. „In einigen Bundesländern überlegt man aber bereits, in einiger Zeit Nachholimpfungen durchzuführen und auch die Kosten für die Impfung der Elf- bis 13-Jährigen zu übernehmen.“ Da für die Gratis-Impfaktion sehr viel Impfstoff angekauft wird, werden die Kosten für die einzelne Impfung deutlich unter jenen 500 Euro liegen, die derzeit für den Impfstoff zu bezahlen sind. Der vergleichsweise hohe Preis ist nach den Erfahrungen Schmitzbergers und Marths der Hauptgrund dafür, warum die Impfung bisher so selten in Anspruch genommen wurde und die Durchimpfungsrate in Österreich noch so niedrig ist.

Weniger Krebsfälle in zehn bis 15 Jahren
Was erhofft man sich von der Gratis-Impfaktion? „Wird sie gut angenommen, dann werden zunächst einmal die Feigwarzen verschwinden“, sagt Marth. Daten aus Australien belegen das. Dort werden schon seit 2007 Mädchen und junge Frauen im Alter von zwölf bis 26 Jahren gratis gegen HPV geimpft. Allein binnen der vier Jahre bis 2011 ging bei Mädchen und jungen Frauen unter 21 Jahren die Häufigkeit von Feigwarzen um 92,6 Prozent zurück, bei Buben und jungen Männern bis zum selben Alter um 81,8 Prozent. Da aber „zehn bis 15 oder noch mehr Jahre vergehen“, wie Marth weiß, ehe sich aufgrund einer HPV-Infektion ein Krebsgeschwür entwickelt, gibt es noch keine Daten über Auswirkungen der Impfung auf die Krebshäufigkeit. Marth: „Aufgrund von Hochrechnungen auf der Basis von Daten anderer Impfaktionen geht man aber davon aus, dass die Zahl der Erkrankungen an Gebärmutterhalskrebs und den Vorstufen um 75 Prozent sinken wird.“

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HPV-Imfpung wie, was, wo?

Wie gefährlich sind HP-Viren?
HP-Viren verursachen Feigwarzen (Kondylome) im Intimbereich. Meistens heilen diese von selbst ab, manchmal entarten sie aber und verursachen Krebs. Auf eine Infektion mit HP-Viren gehen…

100% aller Erkrankungen an Gebärmutterhalskrebs und den Vorstufen zurück,
80% der Erkrankungen an Enddarmkrebs,
70% der Erkrankungen an Scheidenkrebs,
50% der Erkrankungen an Peniskrebs,
40% der Erkrankungen an Schamlippenkrebs,
30% der Erkrankungen an Krebs im Kopf- und Halsbereich.

Wie hilft die Impfung?
Man geht davon aus, dass die Impfung gegen 75 Prozent jener Typen von HP-Viren hilft, die Gebärmutterhalskrebs und ihre Vorstufen auslösen, und darüber hinaus die Häufigkeit von Feigwarzen um mehr als 90 Prozent reduziert.

Was steckt im Impfstoff?

Derzeit gibt es die HPV-Zweifachimpfung und die HPV-Vierfachimpfung. Erstere wirkt gegen die HP-Viren der Typen 16 und 18, die häufig Gebärmutterhalskrebs und die Vorstufen auslösen. Zweitere hilft darüber hinaus gegen die HP-Viren der Typen 6 und 11, die oft Feigwarzen hervorrufen. Im Rahmen des HPV-Kinderimpfprogramms wird der Vierfachimpfstoff angeboten. Im Impfstoff stecken leere Virushüllen, die nicht infektiös sind.  

Müssen geimpfte Frauen noch zum PAP-Abstrich?
Da durch die Impfung 75 Prozent der gefährlichen HP-Viren unschädlich gemacht werden, bleibt ein Restrisiko von 25 Prozent, an Gebärmutterhalskrebs und den Vorstufen zu erkranken. Das kann durch den PAP-Abstrich beim  Gynäkologen erheblich reduziert werden.

Hilft die Impfung, wenn man bereits Krebs oder eine Feigwarze hat?

Weder Feigwarzen noch Krebs können mit dem Impfstoff behandelt werden.

Wie sinnvoll ist es für Erwachsene, sich impfen zu lassen?

Auch Erwachsenen wird empfohlen, sich vor den Folgen einer HPV-Infektion zu schützen, denn eine durchgemachte Infektion schützt nicht vor einer neuerlichen Ansteckung.  

Wo ist die Impfung erhältlich?
Die Zehnjährigen bekommen die Impfung im Rahmen des kostenlosen Schulimpfprogramms und an öffentlichen Impfstellen, in einigen Bundesländern auch beim niedergelassenen Arzt.

 

Stand 01/2014

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