Angriffe auf die Atemwege

Januar 2019 | Medizin & Trends

Die kalten Wintermonate setzen ganz besonders den Atemwegen zu. Wie sich die häufigsten Erkrankungen von Lunge und Bronchien bemerkbar machen.
 
– Von Mag. Alexandra Wimmer

Husten, Bronchitis und Lungenentzündung haben jetzt Hochsaison. Und auch sonst sind Erkrankungen der Atemwege und der Lunge ein verbreitetes Leiden, an dem EU-weit jährlich mehr als 670.000 Menschen sterben. Neben Infektionen zählen Allergien und das Rauchen zu den wichtigsten Risikofaktoren. Von Asthma bis Lungenkrebs – die meistverbreiteten Atemwegserkrankungen im Überblick.

Asthma (Asthma Bronchiale)

Die ständige Entzündung der Atemwege führt zur Verengung der Bronchien – Atemnot, Husten und pfeifende Atmungsgeräusche sind die Folgen: Asthma zählt zu den häufigsten chronischen Atemwegserkrankungen. Bei Kindern ist sie die häufigste chronische Erkrankung überhaupt, Tendenz steigend. „Das kindliche und jugendliche Asthma ist oft mit Allergien verbunden“, informiert Dr. Karin Vonbank, Fachärztin für Innere Medizin und Lungenerkrankungen in Wien. Um das Lungenwachstum und die körperliche Entwicklung der betroffenen Kinder nicht zu beeinträchtigen, müssen gegebenenfalls auch leichte und mittelschwere Formen behandelt werden. Ergänzend reduziert eine spezifische Immuntherapie allergische Reaktionen.

Allergene, Infektionen, Übergewicht

Andere Asthmaformen treten erst in höherem Alter auf. „Übergewicht, Infektionen und Rauchen führen oft zu einer Verschlechterung der Erkrankung“, betont die Medizinerin.
Um das Asthma richtig zu therapieren, braucht es eine exakte Abklärung der Erkrankung: Ist diese allergisch oder durch andere Faktoren bedingt?
Die Therapie beginnt mit bronchienerweiternden Medikamenten, die nur im Bedarfsfall genommen werden. Werden die Beschwerden häufiger oder treten auch nachts auf, wird  inhalatives Kortison zur Reduktion der Entzündungen in den Bronchien gegeben. Abgesehen von der medikamentösen Therapie sind körperliche Aktivität und Sport günstig.

Asthma in Kürze

Häufigkeit: In Österreich leidet etwa jeder 20. Erwachsene und jedes zehnte Kind an Asthma, insgesamt 42.000 Kinder zwischen zwei und sechs Jahren.
Ursachen: Im Kindes- und Jugendalter geht Asthma oft mit einer Allergie einher, später spielen Übergewicht, Umweltfaktoren und Rauchen eine große Rolle.
Symptome: Anfallsartige Atemnot, Husten, Engegefühl in der Brust, pfeifender Atem, Husten ohne bzw. mit Auswurf, stärkere Beschwerden bei körperlicher Anstrengung.
Diagnose: Ärztliches Gespräch und Untersuchung, Lungenfunktionstest (speziell im Anfangsstadium ist die Lungenfunktion oft normal), ein Provokations- und Allergietest.
Behandlung: Die „Reliefer-Therapie“ (wirkt bronchienerweiternd) ist eine Bedarfstherapie bei auftretenden Atemnotanfällen, die „Controller-Therapie“ wirkt gegen Entzündungen in den Atemwegen; Biologika gibt man bei schweren Formen.

COPD (chronisch obstruktive Bronchitis)

COPD ist eine zunehmende Verengung der Bronchien, die dazu führt, dass die Lunge „überbläht“: Atemnot und Husten mit Auswurf – der morgendliche „Raucherhusten“ – sind die typischen Symptome. Dauert eine COPD an, werden größere Areale der Atemwege geschädigt, die Lungenfunktion lässt immer mehr nach, die Symptome verstärken sich. „Auch jede Infektion führt zur weiteren Verengung der Bronchien und zu einer Zunahme der Beschwerden“, ergänzt Vonbank.

Lungenfunktion immer schlechter

Weil die Atemleistung bei COPD schleichend nachlässt, bleibt die Erkrankung oft lange Zeit unbemerkt. „Viele Patienten wissen nicht, dass sie betroffen sind“, schildert die Fachärztin das Problem. Morgendlicher Husten mit etwas Auswurf beispielsweise sei „immer ein Hinweis auf entzündliche Prozesse in den Bronchien“.
Da in der westlichen Welt das Rauchen der Hauptrisikofaktor für COPD ist, sollten Raucher ab dem 40. Lebensjahr einmal jährlich zur lungenfachärztlichen Untersuchung.
Wurde eine COPD festgestellt, ist der Rauchstopp die vorrangige Therapiemaßnahme. Die medikamentöse Behandlung orientiert sich unter anderem an der Art und Intensität der Symptome.
„Begonnen wird mit bronchienerweiternden Sprays, Kortison wendet man erst im fortgeschrittenen Stadium an“, sagt Vonbank. Neben sportlicher Aktivität wird eine Rehabilitation angeraten, die unter anderem eine Atemphysiotherapie beinhaltet. Impfungen gegen Pneumokokken und Influenza werden den Erkrankten ebenfalls empfohlen.

COPD in Kürze

Häufigkeit: Mehr als 400.000 Österreicher leben mit der Diagnose einer mittelgradigen bis schweren COPD; aufgrund einer hohen Dunkelziffer dürften deutlich mehr Menschen betroffen sein.
Ursachen: Zu 90 Prozent das Rauchen; andere Schadstoffe in der Luft.
Symptome: Husten (oft) mit Auswurf, morgendliche Hustenattacken, Atemnot.
Diagnose: Ärztliches Gespräch, Abhören der Lunge, Lungenfunktionstest (Spirometrie) und Lungenröntgen; je nach Erkrankungsstadium weitere Untersuchungen.
Behandlung: Rauchstopp; antientzündliche, bronchienerweiternde Medikamente.

Zahlen & Fakten

Knapp jeder zehnte Todesfall (9,7 Prozent) geht in Österreich auf eine Atemwegserkrankung zurück. Mit einem Anteil von knapp 58 Prozent sind Männer deutlich stärker betroffen als Frauen. War früher die Tuberkulose die am meisten verbreitete Lungenkrankheit, sind heute vor allem COPD und Lungenentzündungen auf dem Vormarsch. COPD ist hierzulande die Erkrankung mit den drittmeisten Todesfällen –Tendenz steigend.

Lungenentzündung (Pneumonie)

„Lungenentzündungen sind in der kalten Jahreszeit häufiger, weil es aufgrund von Erkältungen häufiger zu Infekten der tiefen Atemwege kommt und sich eine bakterielle Lungenentzündung dazugesellen kann, wenn man sich zum Beispiel mit Fieber und Bronchitis nicht ausreichend auskuriert“, erklärt der Wiener Lungenfacharzt Dr. Thomas Strauch. Die Erkrankung äußert sich typischerweise mit sehr hohem Fieber, Husten und Atembeschwerden; ist der Auswurf beim Husten gelblich oder grün, spricht dies für eine bakterielle Infektion.
Die häufigste Form der Lungenentzündung ist die Pneumokokken-Pneumonie, eine primär bakterielle Pneumonie, bei der einer oder beide Lungenlappen entzündet sind. Die Pneumokokken-Impfung, zu welcher insbesondere Senioren und Spitalspersonal dringend geraten wird, bietet einen wirksamen Schutz. Eine durch Viren verursachte Pneumonie wiederum tritt zum Beispiel im Zuge einer Grippe auf.
Senioren, Kleinkinder und chronisch Kranke wie COPD-Patienten, Asthmatiker, Diabetiker oder Herzpatienten haben ein erhöhtes Risiko, an einer Lungenentzündung zu erkranken.

Lungenentzündung in Kürze

Häufigkeit: Zwischen zehn und 15 von 10.000 Menschen erkranken jährlich an einer Pneumonie; rund ein Drittel muss im Spital behandelt werden.
Ursachen: Viren, Bakterien, das Einatmen von ätzenden Reizstoffen oder Magensaft.
Symptome: Husten, Atemnot, Schmerzen in der Brust, hohes Fieber, Schleimproduktion, Schmerzen beim Atmen.
Diagnose: Ärztliches Gespräch, Untersuchung, Röntgen, Blutbild, Untersuchung des Sekrets, Sauerstoffsättigung im Blut.
Behandlung: Antibiotika, körperliche Schonung bzw. Bettruhe, viel Flüssigkeit.

Lungenfibrose („Narbenlunge“)

„Die Lungenfibrose ist eine extrem heteroge-   ne Erkrankung“, schickt Vonbank voraus. Die krankhaften Veränderungen des Lungengewebes können durch Viren oder eine Autoimmunerkrankung ausgelöst werden, eine „exogen-­allergische Lungenfibrose“ wird durch Allergene verursacht.
Bei der idiopathische pulmonale Fibrose (IPF) wiederum ist keine Ursache bekannt. Zu Beginn dieser Erkrankung steht eine langsam zunehmende Atemnot: Man bekommt bei Anstrengung immer schlechter Luft und leidet an einem trockenen Reizhusten. Gut zu erkennen ist die IPF beim Abhören am typischen Knisterrasseln, das auf Veränderungen im Lungengewebe deutet. In einer hochauflösenden Computertomographie wird ein bestimmtes Muster im Lungengewebe erkennbar, das auf die fortschreitende Vernarbung des Lungengewebes, die Fibrosierung, zurückgeht. Die Erkrankung muss rasch diagnostiziert und behandelt werden: Aufgrund der zunehmenden Vernarbung steht immer weniger funktionstüchtiges Lungengewebe für die Sauerstoffaufnahme zur Verfügung, die Lungenfunktion wird immer schlechter.

Lungenfibrose in Kürze

Häufigkeit: Etwa 250 Menschen sind hierzulande aufgrund einer IPF in Behandlung. Die Zahl der Betroffenen dürfte deutlich höher – bei 1100 bis 1700 Menschen – liegen.
Ursachen: Chronische Infektion, Giftstoffe, Immunschädigungen, Pilzerkrankungen, Einatmen anorganischer Staubteilchen.
Symptome: Atemnot bei Belastung, später auch im Ruhezustand, trockener Reizhusten meist ohne Auswurf.
Diagnose: Arztgespräch, Abhören der Lunge, Röntgenuntersuchung, Computertomographie, Lungenfunktionsprüfung, labormedizinische Untersuchungen, Allergietest, Lungenbiopsie.
Behandlung: Kortison; moderne Medikamente können das Fortschreiten der Fibrosierung bei der IPF stoppen.

Gesundheitstipps

  • Nicht immer gehen Symptome wie Husten oder Atemnot auf eine Atemwegserkrankung zurück. Es können auch andere Krankheiten dahinter stecken; beispielsweise eine Herzschwäche oder eine Refluxerkrankung. 
  • Die akute Bronchitis wird meist durch Viren ausgelöst und ist nach etwa zwei Wochen überstanden. Als chronische Bronchitis bezeichnet man Husten und Auswurf für mindestens drei Monate. Als Ursachen kommen das Rauchen, ein nicht ausgeheilter Infekt, eine Allergie oder Reflux infrage. Wird der Verursacher, etwa das Rauchen, nicht eliminiert, ist die chronische Bronchitis oft die Vorstufe zur COPD.
  • Husten, Hüsteln, Atemnot, Druckgefühl im Bereich des Brustkorbs, ein gestörter Atemrhythmus sind die Leitsymptome von Atemwegserkrankungen. Dauern die Beschwerden an, sollten sie fachärztlich abgeklärt werden; durch das Abhorchen der Lunge mit dem Stethoskop, einer Lungenfunktionsüberprüfung und einem Lungenröntgen.

 

Stand 01/2019

 

 

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