Frauengesundheit, Hormone, Stoffwechsel & Diabetes

Könnte das ein Lipödem sein?

MEDIZIN POPULÄR-Leserin Manuela P. fragt: Meine Beine fühlen sich im Sommer oft schwer und geschwollen an. Eine Freundin meinte, das könnte ein Lipödem sein. Woran erkennt man das und wie unterscheidet es sich von normalen Wassereinlagerungen bei Hitze?

Von Natascha Gazzari

OÄ Dr. Nina Hüttinger, FEBOPRAS, Fachärztin für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie im Krankenhaus Göttlicher Heiland in Wien, beantwortet die aktuelle Leserfrage.

Wenn sich die Beine an heißen Tagen schwer und geschwollen anfühlen, denken viele zunächst an Wassereinlagerungen. Doch manchmal steckt mehr dahinter. Ein Lipödem und hitzebedingte Ödeme können sich äußerlich ähneln, haben aber unterschiedliche Ursachen und typische Merkmale. Es gilt abzuklären, ob nur eine Veränderung der Beinform vorliegt oder eine Volumenzunahme. Letztere könnte auch auf ein Problem des Venensystems, also auf Krampfadern, hinweisen.

Was sind typische Symptome?

Typisch für ein Lipödem ist eine symmetrische Zunahme des Fettgewebes an beiden Beinen, seltener auch an den Armen. Auffällig dabei ist, dass Füße und Hände schlank bleiben. Die betroffenen Stellen fühlen sich nicht nur schwer an, sondern sind oft auch druckempfindlich oder schmerzhaft. Fehlt der Schmerz, ist ein Lipödem unwahrscheinlich.

Hitzebedingte Wassereinlagerungen entstehen häufig bei hohen Temperaturen oder nach langem Stehen und Sitzen. Meist schwellen dabei vor allem Füße und Knöchel an. Diese Schwellungen sind in der Regel weich, nicht schmerzhaft und können beim Eindrücken eine Delle hinterlassen. Wassereinlagerungen bessern sich deutlich durch Hochlagern der Beine oder durch Kühlung. Ein Lipödem hingegen ist dauerhaft vorhanden und bessert sich durch Hochlagern kaum. Die Beschwerden verschwinden nie vollständig und können sich im Tagesverlauf weiter verstärken.

Wer ist am häufigsten betroffen? 

Am häufigsten von einem Lipödem betroffen sind Frauen, insbesondere in hormonellen Umbruchphasen wie der Schwangerschaft oder den Wechseljahren. Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle. Schätzungen zufolge leiden acht bis zehn Prozent der Frauen an einem Lipödem.

Welche Behandlungs-möglichkeiten gibt es?

Bei der Behandlung geht es nicht darum, die Ursache zu heilen, sondern die Beschwerden zu lindern und ein Fortschreiten der Krankheit zu bremsen. Ziel ist stets die Verbesserung der Lebensqualität. Man unterscheidet zwischen konservativen Maßnahmen und operativen Optionen.

Die wichtigste Säule der konservativen Therapie ist die Kompressionstherapie mit speziellen Kompressionsstrümpfen oder -hosen, die den Lymphabfluss unterstützen und Schwellungen, Spannungsgefühl sowie Schmerzen verringern. Begleitend werden gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Aqua-Fitness empfohlen. Bewegung fördert die Durchblutung und den Lymphfluss und kann Schmerzen sowie das Schweregefühl reduzieren. 

Es sollte auch auf ein gutes Ernährungs- und Gewichtsmanagement geachtet werden. Durch den Abbau von Übergewicht lässt sich das Lipödem zwar nicht heilen, jedoch kann eine zusätzliche Belastung vermieden werden. Reichen diese konservativen Maßnahmen nicht aus, um die Beschwerden zu lindern, kann das krankhaft vermehrte Fettgewebe mittels Fettabsaugung (Liposuktion) gezielt entfernt werden.

Die Liposuktion, die meist in mehreren Behandlungen erfolgt, kann die Schmerzen deutlich reduzieren und die Beweglichkeit verbessern. Es handelt sich dabei nicht um eine „kosmetische“ Standard-Fettabsaugung, sondern um eine spezielle Technik zur Behandlung des Lipödems. Das Ergebnis ist oft langfristig stabil, aber nicht immer endgültig.

Gibt es vorbeugende Maßnahmen?

Ein Lipödem lässt sich derzeit nicht gezielt vorbeugen, weil die Auslöser – vor allem hormonelle und genetische Faktoren – nicht wirklich beeinflusst werden können.


Bezeichnung „Lipödem“ irreführend

Das Lipödem heißt irreführenderweise Ödem, obwohl es sich nicht um eine Wassereinlagerung handelt. Medizinisch korrekt ist die Bezeichnung Lipohyperplasia dolorosa, kurz LiDo. Hauptsymptom ist eine chronische Fettverteilungsstörung (Lipohyperplasie) in den Extremitäten, die schmerzhaft (lat. dolorosa) ist.


Fotos: KH Göttlicher Heiland, istockphoto: dimid_86

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