Wenn der Testosteronspiegel bei Männern im Alter langsam sinkt, spricht man von der Andropause – im Gegensatz zur Menopause bei Frauen betrifft sie jedoch nicht jeden Mann.
Von Daniela Rittmannsberger-Kampel
Ramesmayer
„Mit zunehmendem Alter kommt es beim Menschen zu hormonellen Veränderungen – das betrifft auch das männliche Hormon Testosteron.“
Sie macht vor keiner Frau Halt: die Menopause. Doch was ist eigentlich mit den Männern? Kommen auch sie in die sogenannten Wechseljahre? Nicht ganz. Zwar gibt es auch beim Mann eine hormonelle Veränderung – die sogenannte Andropause. Doch im Gegensatz zur Menopause bei Frauen ist von der Andropause nicht jeder Mann betroffen. Dabei handelt es sich um einen langsam sinkenden Testosteronspiegel. Ob dieser Fall eintritt, hat man(n) teilweise auch selbst in der Hand.
Breitgefächerte Symptome
Bei der Andropause handle es sich um ein ähnliches Konzept wie bei der Menopause der Frau, erklärt Dr. Christian Ramesmayer, Facharzt für Urologie und Andrologie: „Mit zunehmendem Alter kommt es beim Menschen zu hormonellen Veränderungen – das betrifft auch das männliche Hormon Testosteron. Das ist allerdings kein Zustand, der bei jedem Mann vorkommt. Oft wird das Thema auch verkannt, weil Symptome nicht richtig gedeutet werden. Wie viele Männer also tatsächlich betroffen sind, lässt sich nur schwer sagen.“ Der altersbedingte Testosteronmangel kann zwischen dem 45. und 65. Lebensjahr auftreten. Die Symptome der Andropause können sehr breit gefächert sein. Zu den klassischen Beschwerden zählen Müdigkeit, Potenzprobleme, Verlust der Libido, Stimmungsschwankungen und Abnahme der Muskelmasse. Darüber hinaus kann die Knochendichte abnehmen, was das Risiko für Knochenbrüche erhöht. Manche Männer entwickeln außerdem eine depressive Grundstimmung. Eine wichtige Rolle spielt die Sexualität im Alter. „Studien zeigen, dass Sexualität auch bei älteren Männern weiterhin eine große Rolle spielt: Für 90 Prozent der Männer über 60 Jahre ist Sexualität wichtig, bei den über 80-Jährigen sind es 60 Prozent. Ein Hormonmangel kann eine mögliche Ursache sein, wenn das Sexualleben nicht mehr so funktioniert wie früher. Viele Menschen nehmen an, dass solche Veränderungen im Alter ‚normal‘ seien. Alter bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Sexualität nicht mehr funktionieren kann.“
Einfluss von Medikamenten
Doch was passiert eigentlich im männlichen Körper, wenn es zur sogenannten Andropause kommt? Testosteron wird zum Großteil im Hoden produziert. Gesteuert wird diese Produktion vom Gehirn, genauer gesagt über die Hirnanhangsdrüse. Dieses Zusammenspiel wird über eine hormonelle Regelkette – die sogenannte Hypothalamus-Hypophysen-Achse – kontrolliert. Im Alter funktioniert dieses Zusammenspiel nicht mehr so präzise. Bestimmte Hormone werden nicht mehr in der gleichen Menge ausgeschüttet wie in jüngeren Jahren. Eine weitere mögliche Ursache kann die Einnahme bestimmter Medikamente sein: „Es gibt zahlreiche Arzneimittel, die den Hormonhaushalt beeinflussen können. Besonders zwei große Medikamentengruppen spielen dabei eine Rolle: Blutdruckmedikamente
sowie Psychopharmaka. Diese werden häufig eingenommen und können entsprechende Symptome zusätzlich verstärken“, erklärt Ramesmayer.
Wenn man an Symptomen wie Müdigkeit, Lustlosigkeit und ähnlichen Beschwerden leidet, die sich nicht durch andere Ursachen erklären lassen, sollte man an einen Hormonmangel denken und das abklären lassen, sagt der Mediziner. Ab einem Alter von 50 Jahren sollten Männer regelmäßig eine Vorsorgeuntersuchung bei einem Urologen bzw. einer Urologin durchführen lassen. Im Zuge dessen können Symptome besprochen und Laborwerte kontrolliert werden. Wenn der Testosteronspiegel tatsächlich zu niedrig ist, kann eine Testosteronersatztherapie durchgeführt werden. Dafür gibt es unterschiedliche Präparate: Häufig kommen Gels oder Hautcremes zum Einsatz. Eine weitere Methode sind Depotinjektionen, die in den Muskel gespritzt werden und alle drei Monate erneuert werden müssen.
Bewegung hilft
Wie bei vielen körperlichen Veränderungen spielt auch bei der Andropause zumindest teilweise der Lebensstil eine Rolle. Wenn beispielsweise zu viel Fettmasse im Körper vorhanden ist, wird Testosteron im Fettgewebe „gebunden“ und steht somit in geringerem Ausmaß den Körperzellen zur Verfügung. So sinke der effektiv nutzbare Testosteronspiegel, erklärt der Urologe. Trotzdem gilt: „Der Lebensstil allein hat meist keinen sehr großen Einfluss, wenn bereits ein ausgeprägter Hormonmangel besteht. In einem gewissen Ausmaß lässt sich der Testosteronspiegel aber auch durch Lebensstilmaßnahmen beeinflussen.“ Eine wichtige Maßnahme, um den Hormonhaushalt wieder anzuregen, ist die körperliche Aktivität. Vor allem hochintensives Intervalltraining – sogenanntes HIIT-Training – kann dabei unterstützen. Durch dieses intensive Training wird rasch Muskelmasse aufgebaut, wofür wiederum Hormone benötigt werden.
Auch eine Gewichtsreduktion und ein Rauchstopp können dabei helfen, vor allem leichte Formen eines Hormonmangels zu verbessern. Leiden Männer an Herzproblemen und gleichzeitig einem Testosteronmangel, kann eine medizinische Hormonersatztherapie sinnvoll sein, denn viele Patienten fühlen sich dadurch wieder fitter und leistungsfähiger, beobachtet Christian Ramesmayer in seiner Ordination in Steyr. Er erlebt auch, dass im Rahmen von Untersuchungen über viele Symptome noch wenig gesprochen wird: „Gerade über Sexualität wird in höherem Alter häufig aus Scham nicht mehr offen geredet. Dabei ist es wichtig, zu wissen, dass sich viele dieser Beschwerden behandeln lassen. Man muss sie nicht einfach als Teil des Älterwerdens hinnehmen. Wichtig ist, das Thema aktiv anzusprechen und medizinisch abklären zu lassen“, sagt der Mediziner.
Wer sich mit dem Thema Testosteronmangel auseinandersetzt, kann damit auch gleichzeitig sein Leben verlängern: „Große Studien haben gezeigt, dass Männer mit nachgewiesenem Hormonmangel, die eine entsprechende Therapie erhalten, teilweise länger leben und weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln. Auch die psychische Verfassung spielt dabei eine wichtige Rolle – denn vieles ist letztlich auch eine Kopfsache“, sagt Ramesmayer.
Andropause
Bei der Andropause handelt es sich um eine altersbedingte hormonelle Veränderung beim Mann, bei der der Testosteronspiegel langsam abnimmt. Im Gegensatz zur Menopause bei der Frau betrifft die Andropause nicht jeden Mann. Die Beschwerden können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und entwickeln sich meist über einen längeren Zeitraum.
Zu den typischen Symptomen zählen:
- Müdigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit
- Libidoverlust und Potenzprobleme
- Stimmungsschwankungen bis hin zu depressiven Verstimmungen
- Abnahme der Muskelmasse und Zunahme von Körperfett
- Verringerte Knochendichte (erhöhtes Risiko für Osteoporose)
- Konzentrations- und Antriebsschwäche
Fotos: Dr. Christian Ramesmayer, istockphoto /Alina Naumova