Zwei bis fünf Prozent der Menschen leiden an sogenannter primärer Hyperhidrose. Dabei kommt es zu extremem Schwitzen, das unabhängig von Hitze oder körperlicher Anstrengung auftritt. Besonders häufig betroffen sind Handflächen, Fußsohlen und Achselhöhlen.
Bisher war wenig darüber bekannt, warum es bei manchen Menschen zu dieser Form des übermäßigen Schwitzens kommt. Ein internationales Forschungsteam hat nun eine mögliche genetische Ursache identifiziert. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten dafür das Erbgut von mehr als 180 Personen aus 32 Familien, in denen die Erkrankung über mehrere Generationen auftrat.
Veränderte Nervenaktivität
Bei den Untersuchungen stießen die Forschenden besonders häufig auf Veränderungen im Gen SCN10A. Dieses Gen ist für den Natrium-Ionenkanal Nav1.8 verantwortlich. Solche Ionenkanäle spielen eine wichtige Rolle bei der Weiterleitung elektrischer Signale in Nervenzellen. Die gefundenen Veränderungen können offenbar dazu führen, dass der Ionenkanal zu aktiv ist.
Dadurch werden jene Nerven stärker angeregt, die die Schweißdrüsen steuern. Das könnte auch erklären, warum Betroffene häufig bereits auf emotionale oder stressbedingte Reize mit starkem Schwitzen reagieren. Die Erkrankung selbst hat jedoch keine psychische Ursache. Vielmehr dürfte die erhöhte Aktivität der Nerven zumindest bei einem Teil der Betroffenen genetisch bedingt sein.
Mehr als kosmetisches Problem
Obwohl primäre Hyperhidrose relativ häufig ist, wird sie oft nicht erkannt oder unterschätzt. Für Betroffene kann das starke Schwitzen im Alltag sehr belastend sein. Aus Scham sprechen viele nicht darüber. Zudem wurde die Erkrankung lange Zeit als „idiopathisch“ bezeichnet – also als Störung ohne erkennbare Ursache.
Je nach Ausprägung stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Dazu zählen etwa spezielle Mittel, die die Schweißbildung verringern, oder Botulinumtoxin. Bei schweren Formen kommen in seltenen Fällen auch operative Verfahren infrage, bei denen Nervenbahnen durchtrennt werden, die die Schweißdrüsen steuern. Auch Medikamente, die gezielt auf die betroffenen Natrium-Ionenkanäle oder die Signalübertragung der Nerven wirken, könnten künftig eine Rolle spielen.
Die Entdeckung des Zusammenhangs mit dem Gen SCN10A liefert einen wichtigen Hinweis darauf, dass primäre Hyperhidrose bei einem Teil der Betroffenen eine genetische Grundlage haben könnte. Damit könnte sich auch der Blick auf die Erkrankung verändern: Starkes Schwitzen ist nicht einfach ein kosmetisches Problem, sondern kann eine körperliche Ursache haben und entsprechend behandelt werden.
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