Ein neuer Wirkstoff könnte Menschen nach einem Schlaganfall künftig besser vor einem weiteren Ereignis schützen. Neue Studiendaten zeigen außerdem: Sollte es trotz Behandlung erneut zu einem Schlaganfall kommen, fällt dieser häufig weniger schwer aus.
Die Ergebnisse wurden kürzlich im Fachjournal New England Journal of Medicine veröffentlicht und bei der 12. Konferenz der Europäischen Schlaganfallorganisation (ESOC) in Maastricht vorgestellt.
Studie zeigt deutliche Vorteile
In einer großen internationalen Studie mit 12.327 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde der Wirkstoff Asundexian untersucht. Die tägliche Einnahme senkte das Risiko für einen weiteren Schlaganfall im Vergleich zu einem Placebo um 26 Prozent. Auch die Zahl der Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall war geringer.
Während der Beobachtungszeit starben in der Asundexian-Gruppe 9,2 Prozent der Teilnehmenden an Herz-Kreislauf-Ursachen, in der Placebo-Gruppe waren es 11,1 Prozent. Das entspricht einer Risikoreduktion von 17 Prozent. Die Gesamtsterblichkeit verringerte sich von 12,3 Prozent auf 10,5 Prozent.
So wirkt der neue Wirkstoff
Asundexian hemmt den Blutgerinnungsfaktor XIa. Dadurch wird die Bildung von Blutgerinnseln erschwert, die Blutgefäße im Gehirn verschließen und einen Schlaganfall auslösen können. Der Wirkstoff soll zusätzlich zu den bereits üblichen Medikamenten eingesetzt werden, die die Blutplättchen hemmen. Ziel ist es, Menschen nach einem ersten ischämischen Schlaganfall oder einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA), auch als „Mini-Schlaganfall“ bezeichnet, besser vor einem erneuten Schlaganfall zu schützen.
Trotz moderner Behandlung erleiden etwa 5,1 Prozent der Patientinnen und Patienten nach einem ischämischen Schlaganfall oder einer TIA innerhalb eines Jahres erneut einen Schlaganfall. Fünf Jahre nach einem leichten Schlaganfall oder einer TIA sind rund 22 Prozent der Betroffenen verstorben oder dauerhaft beeinträchtigt. In Österreich erleiden jedes Jahr etwa 20.000 bis 25.000 Menschen einen Schlaganfall.
Schlaganfälle verlaufen häufig milder
Eine zusätzliche Auswertung der Studiendaten brachte einen weiteren wichtigen Vorteil ans Licht. Kam es trotz der Behandlung zu einem erneuten Schlaganfall, verlief dieser bei den mit Asundexian behandelten Personen häufig weniger schwer. In dieser Gruppe hatten 22,9 Prozent der Betroffenen einen schwereren Schlaganfall, in der Placebo-Gruppe lag dieser Anteil bei 30,3 Prozent.
Außerdem verringerte Asundexian die Zahl der Schlaganfälle, die zu einer dauerhaften Behinderung führten, um 31 Prozent. Nach Einschätzung der Studienautoren ist dies ein wichtiger Fortschritt in der Vorbeugung weiterer Schlaganfälle. Der Wirkstoff könnte nicht nur das Risiko für einen erneuten Schlaganfall senken, sondern auch dessen Folgen abmildern, ohne das Risiko für schwere Blutungen deutlich zu erhöhen.
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