Gesundheit weltweit & Forschung, Leber

Folatmangel und Leberfibrose nach Magenbypass

Viele Menschen mit starkem Übergewicht (Adipositas) leiden an einer Fettleber. Eine Magenbypass-Operation hilft häufig dabei, Gewicht zu verlieren und die Leber zu entlasten. Dennoch entwickelt sich bei etwa 20 Prozent der operierten Patientinnen und Patienten trotz erfolgreicher Gewichtsabnahme eine Leberfibrose. Dabei handelt es sich um eine schleichende Vernarbung des Lebergewebes, die die Leberfunktion zunehmend einschränken kann.

Warum entsteht trotz Gewichtsverlust eine Leberfibrose?

Dieser Frage geht das Forschungsprojekt FAMIS nach. Im Mittelpunkt steht Folat, ein lebenswichtiges Vitamin aus der B-Gruppe. Es spielt eine wichtige Rolle für die Zellteilung, das Immunsystem und die Funktion der Leber. Dabei kommt es nicht nur auf die Menge des Vitamins an. Entscheidend ist auch, ob ausreichend sogenannte aktive Folatformen im Körper vorhanden sind. Diese können vom Organismus direkt genutzt werden und erfüllen unterschiedliche Aufgaben im Stoffwechsel. Nach einer Magenbypass-Operation verändert sich nicht nur die Aufnahme von Folsäure aus der Nahrung. Auch die Umwandlung in die aktiven Folatformen kann beeinträchtigt sein. Zusätzlich können genetische Veranlagungen oder Veränderungen der Darmflora den Folatstoffwechsel beeinflussen.

Untersuchung von Patientinnen und Patienten

Im Rahmen von FAMIS untersuchen Forschende Tiermodelle, Zellkulturen und Patientinnen und Patienten. Sie erforschen, wie verschiedene aktive Folatformen mit Leberentzündungen, einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmwand („Leaky Gut“) und Reaktionen des Immunsystems zusammenhängen. Mit einer speziellen Stoffwechselanalyse messen sie die verschiedenen aktiven Folatformen im Blut, in Zellen und im Gewebe.

Erste Ergebnisse sind vielversprechend

In einem neu entwickelten Rattenmodell zeigte sich bereits in Vorversuchen, dass ein Folsäuremangel in Kombination mit einer fettreichen Ernährung zu einer ausgeprägten Leberfibrose führen kann. Auffällig war, dass nur Tiere mit einem Mangel an aktivem Folat erhöhte Entzündungswerte aufwiesen. Gleichzeitig war ihre Darmbarriere geschwächt und bestimmte Immunzellen der Leber, die sogenannten Makrophagen, funktionierten schlechter. Diese Veränderungen können überschießende Entzündungsreaktionen fördern und dadurch die Entstehung einer Leberfibrose begünstigen.

Individuelle Behandlung

Langfristig möchte das Forschungsteam individuelle Risikoprofile erstellen. So soll erkannt werden, welche Menschen aufgrund ihrer genetischen Veranlagung oder ihres Stoffwechsels ein erhöhtes Risiko für eine gestörte Folatverwertung und damit für eine Leberfibrose haben.

Außerdem soll untersucht werden, welche Patientinnen und Patienten von einer gezielten Behandlung mit bestimmten aktiven Folatformen, beispielsweise 5-MTHF statt herkömmlicher Folsäure, profitieren könnten. Mit diesem Ansatz könnte FAMIS die Vorbeugung von Leberfibrosen verbessern und die Nachsorge nach metabolisch-bariatrischen Operationen künftig gezielter und wirksamer gestalten.


Fotos: istockphoto/Aleksandr Kharitonov

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