Hunderte Millionen Menschen erkranken jedes Jahr an einer Harnwegsinfektion. Laut der Weltgesundheitsorganisation wirkt bei rund einem Drittel der Betroffenen das zunächst eingesetzte Antibiotikum nicht. Britische Forschende haben nun einen Schnelltest entwickelt, der Resistenzen innerhalb weniger Stunden statt erst nach mehreren Tagen nachweisen kann.
Wartezeit verkürzt
Etwa jede zehnte Frau leidet einmal pro Jahr an einer Blasenentzündung. Männer sind deutlich seltener betroffen, mit zunehmendem Alter steigt jedoch auch bei ihnen das Risiko. In den meisten Fällen reicht eine kurze Antibiotikatherapie aus. Zunehmend erschweren jedoch resistente Bakterien die Behandlung. Bisher müssen Urinproben zunächst über Nacht kultiviert werden, damit die Erreger wachsen und identifiziert werden können. Erst danach kann getestet werden, welche Antibiotika wirksam sind. Dieser Prozess dauert meist zwei bis drei Tage. Der neue Test verkürzt diese Wartezeit deutlich: Eine spezielle Kartusche mit feinen, bereits mit verschiedenen Antibiotika gefüllten Röhrchen wird direkt in die Urinprobe getaucht. Ein Analysegerät überprüft anschließend mithilfe optischer Bildgebung, ob die Bakterien wachsen oder ihr Wachstum gehemmt wird. So lässt sich innerhalb von rund sechs Stunden feststellen, welches Antibiotikum wirksam ist.
Hohe Trefferquote
„Wenn Ärzte noch am selben Tag wissen, welches Antibiotikum eingesetzt werden sollte, erhalten Patienten schneller die richtige Behandlung“, erklärt Mitentwickler Oliver Hancox von der Universität Reading. Dadurch könne auch das Risiko für Resistenzen und schwere Komplikationen wie eine Blutvergiftung (Sepsis) reduziert werden. In einer Studie mit 352 Urinproben erreichte der neue Test bei sieben häufig eingesetzten Antibiotika eine Übereinstimmung von knapp 97 Prozent mit den bisherigen Referenzmethoden. Eine weitere Untersuchung bestätigte die hohe Zuverlässigkeit mit einer Trefferquote von fast 99 Prozent. Im Durchschnitt lag das Ergebnis nach weniger als sechs Stunden vor. Fachleute sehen darin einen vielversprechenden Fortschritt: Ein Verfahren, das mit den ohnehin routinemäßig entnommenen Proben arbeitet und noch am selben Tag Ergebnisse liefert, könnte die Behandlung von Harnwegsinfektionen deutlich verbessern.
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