Für Menschen mit familiärer Hypercholesterinämie und einem besonders hohen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen könnte eine neue Form der Gentherapie künftig eine Behandlungsmöglichkeit sein.
In den USA wurde erstmals eine klinische Studie der Phase I mit einem Verfahren durchgeführt, das die Erbsubstanz in Leberzellen gezielt verändert. Ausgangspunkt der Therapie ist das in der Leber gebildete Enzym PCSK9, das eine wichtige Rolle bei der Regulation des LDL-Cholesterins spielt. Auch einige der derzeit wirksamsten Medikamente zur Senkung des „schlechten“ LDL-Cholesterins setzen hier an.
Menschen mit bestimmten Veränderungen im PCSK9-Gen haben besonders niedrige LDL-Werte und erkranken seltener an atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine familiäre Hypercholesterinämie betrifft etwa eine von 250 Personen beziehungsweise rund 4,5 Millionen Menschen in Europa.
Unterschiedlich schwere Formen
Bei der häufigeren heterozygoten Form wird die genetische Veranlagung von einem Elternteil vererbt. Die Cholesterinwerte sind erhöht und das Herzinfarktrisiko steigt. Deutlich schwerer ist die seltene homozygote Form, bei der die Veranlagung von beiden Elternteilen stammt.
Die Cholesterinwerte sind extrem hoch, schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen können bereits im Kindesalter auftreten. Eine Herausforderung ist die langfristige Behandlung: 30 bis 50 Prozent der Betroffenen brechen die notwendige regelmäßige Therapie innerhalb eines Jahres ab. Die neue Therapie setzt direkt am PCSK9-Gen an. Mithilfe kleiner Fettkügelchen, sogenannter Nanopartikel, wird eine Ribonukleinsäure in die Leberzellen eingeschleust. Sie ermöglicht eine gezielte Veränderung des Gens, sodass das PCSK9-Enzym nicht mehr gebildet wird.
Ziel sind dadurch dauerhaft niedrigere LDL-Cholesterinwerte. An der ersten Phase-I-Studie nahmen 35 Menschen mit heterozygoter familiärer Hypercholesterinämie und bereits schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen teil.
Noch Jahre bis zur Zulassung
Je nach Dosierung sank der PCSK9-Spiegel um 51 bis 88 Prozent, das LDL-Cholesterin um neun bis 62 Prozent. Bei 15 Teilnehmern, die mindestens ein Jahr beobachtet wurden, blieb die Wirkung bestehen. Leichte bis mittelschwere Reaktionen auf die Infusion waren vorübergehend. Auch Veränderungen der Leberwerte traten vorübergehend auf. Bis zu einer möglichen Zulassung sind jedoch noch größere Studien notwendig.
Sie müssen zeigen, ob die Therapie tatsächlich Herzinfarkte und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindern kann. Um Betroffene möglichst früh zu erkennen, empfehlen Experten zudem, den Cholesterinspiegel zumindest einmal bereits im Kindesalter zu kontrollieren.
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