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Neue Chancen bei Neurodermitis 

Schätzungen zufolge leiden in Österreich rund eine halbe Million Menschen an Neurodermitis. Die chronisch-entzündliche Hauterkrankung äußert sich durch gerötete, trockene und stark juckende Ekzeme und verläuft typischerweise in Schüben.

Von Jacqueline Kacetl

Dr. Johannes Neuhofer
„Moderne Biologika sowie sogenannte JAK-Hemmer gelten als große Hoffnungsträger.“ 

Warum sich Neurodermitis im Urlaub bessern kann, weshalb die Psyche oft eine größere Rolle spielt als vermutet und welche Therapien Hoffnung machen, erklärt Dr. Johannes Neuhofer, Facharzt für Dermatologie und langjähriger Obmann der Bundesfachgruppe Dermatologie der Österreichischen Ärztekammer.

Welcher Auslöser erhält noch zu wenig Aufmerksamkeit?

Psychische Belastungen werden oft unterschätzt. Dabei können Stress, Konflikte oder belastende Lebenssituationen Neurodermitis-Schübe erheblich verstärken. Ich erinnere mich an ein junges Mädchen, dessen Hautzustand über Jahre hinweg die familiären Spannungen während einer Trennungsphase der Eltern widerspiegelte – in konfliktreichen Phasen kam es zu Schüben, während sich in harmonischen Phasen die Symptome verbesserten. Solche Zusammenhänge zeigen, wie eng Haut und Psyche verbunden sind. Die Haut gilt nicht umsonst als Spiegel der Seele. Bei Neurodermitis spielt dieser Aspekt eine wichtige Rolle – auch wenn er wissenschaftlich schwerer messbar ist als andere Auslöser. 

Kann Ernährung den Verlauf einer Neurodermitis beeinflussen?

Eine spezielle Ernährung, die Neurodermitis generell verbessert, gibt es nicht. Auch die Abklärung von Nahrungsmittelallergien ist oft komplex. Allergietests wie spezifische igE-Bestimmungen oder Hauttests liefern zwar wichtige Hinweise, ihre Ergebnisse stimmen jedoch nicht immer mit den tatsächlichen Beschwerden überein. Entscheidend ist die individuelle Beobachtung: Manche Betroffene reagieren auf Nüsse, Erdbeeren, Kiwis oder Tomaten, andere haben wiederum keine Beschwerden. Vor allem bei Kleinkindern können Nahrungsmittelallergien eine Rolle spielen, viele verlieren sich aber mit zunehmendem Alter wieder. Pauschale Diäten sind nicht sinnvoll und können sogar zu Nährstoffmängeln führen.

Bei vielen Betroffenen verbessert sich ihre Neurodermitis während eines Urlaubs am Meer oder in den Bergen. Woran liegt das?

Die genauen Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt. Es könnten mehrere Faktoren zusammenspielen: Dazu zählen eine geringere Belastung durch Allergene und Luftschadstoffe, klimatische Veränderungen, die Wirkung von Sonnenlicht sowie eine höhere Luftfeuchtigkeit am Meer. Im Hochgebirge kommen Betroffene außerdem seltener mit Hausstaubmilben in Kontakt. Auch Stressabbau und ein veränderter Lebensrhythmus könnten eine Rolle spielen. Allerdings reagiert jeder Mensch unterschiedlich. Während sich die Beschwerden bei den meisten Betroffenen bessern, können sich die Symptome in einzelnen Fällen durch starkes Schwitzen oder intensive Sonneneinstrahlung auch verschlimmern.

Neurodermitis wird von Juckreiz begleitet. Welche Möglichkeiten gibt es, ihn wirksam zu behandeln?

Der starke Juckreiz gehört für viele Betroffene zu den belastendsten Folgen der Erkrankung. Er beeinträchtigt den Schlaf, die Konzentration und die Lebensqualität – oft leidet die ganze Familie darunter. Eine konsequente Basispflege ist besonders wichtig. Antihistaminika können den Juckreiz in bestimmten Fällen lindern und sind nach wie vor ein wichtiger Bestandteil der begleitenden Behandlung. Bessere Möglichkeiten gibt es heute bei schweren Verläufen: Moderne Biologika sowie sogenannte JAK-Hemmer greifen gezielt in das fehlgesteuerte Immunsystem ein und gelten als große Hoffnungsträger. Dadurch können Kortisontabletten, die wegen ihrer Nebenwirkungen nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden, häufig vermieden werden.

Neurodermitis gilt als chronische Erkrankung. Wie berechtigt ist die Hoffnung, dass die Beschwerden dauerhaft verschwinden?

Ich verwende die Bezeichnung „unheilbar“ nur sehr ungern. Neurodermitis ist zwar eine chronisch-entzündliche Erkrankung, ihr Verlauf lässt sich aber schwer vorhersagen. Viele Betroffene erleben über Jahre hinweg kaum oder gar keine Beschwerden, bevor es wieder zu einem Schub kommt. Auslöser können etwa Stress, Infektionen oder andere Belastungen sein. Gleichzeitig sehen wir immer wieder, dass selbst schwere Verläufe plötzlich deutlich milder werden. Die genetische Veranlagung und die empfindliche, trockene Haut bleiben zwar bestehen, die Erkrankung beeinträchtigt den Alltag aber nicht mehr. Moderne Therapien eröffnen vielen Betroffenen außerdem gute Perspektiven.


Neurodermitis auf einen Blick

Was ist Neurodermitis? 

Neurodermitis (atopische Dermatitis) ist eine chronisch-entzündliche, nicht ansteckende Hauterkrankung. Typisch sind trockene Haut, starker Juckreiz und schubweise auftretende Ekzeme.

Diagnose: 

Erste Ansprechperson ist die Hausärztin bzw. der Hausarzt.
Für Diagnose und Behandlung sind Fachärztinnen und Fachärzte für Dermatologie zuständig. Bei Verdacht auf Allergien können zusätzlich Allergieambulanzen oder spezialisierte Zentren
ein­gebunden werden.

Behandlung: 

Die Basis jeder Therapie ist eine konsequente Hautpflege mit rückfettenden Cremes. Je nach Schweregrad kommen entzündungshemmende Salben, Antihistaminika, Lichttherapie sowie moderne Medikamente wie Biologika oder JAK-Hemmer zum Einsatz.

Triggerfaktoren vermeiden: 

Bestimmte Reize können Neurodermitis-Schübe begünstigen. Empfehlenswert sind hautfreundliche Kleidung statt Wolle oder enger Textilien, kurze Fingernägel (vor allem bei Kindern), das Abwaschen von Schweiß nach dem Sport sowie ein Rauchstopp und das Vermeiden von Passivrauch. Auch bei der Berufswahl sollte auf hautbelastende Tätigkeiten – etwa häufige Feuchtarbeit oder den Umgang mit reizenden Stoffen – geachtet werden.


Fotos:  zvg, istockphoto/ladanifer

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