Dr. Alvana Simbrunner, MSc, FEBO, FICO, Oberärztin in der Abteilung für Augenheilkunde und Optometrie am Klinikum Wels-Grieskirchen, beantwortet die aktuelle Leserfrage.
Von Natascha Gazzari
MEDIZIN POPULÄR-Leser Paul N. fragt: Ich habe das Gefühl, dass sich meine Augen im Winter oft trocken und gereizt anfühlen. Woran liegt das?
Kälte und trockene Winterluft erhöhen die Verdunstung des Tränenfilms und beeinträchtigen dessen Stabilität, dadurch kann es zu Reizungen der Augen kommen. Die trockene Luft in beheizten Innenräumen belastet die Augen zusätzlich. Ist es draußen kalt und ungemütlich, verbringen wir mehr Zeit in geschlossenen Räumen, häufig nimmt dann auch die Bildschirmzeit zu und die Beschwerden verstärken sich weiter. An schneereichen Tagen ist – speziell in den Bergen – die UV-Belastung durch die starke Reflexion des Sonnenlichts deutlich erhöht. Diese Strahlung kann die Augenoberfläche reizen und trockene Augen verursachen. Im Extremfall kann es zur Schneeblindheit kommen, einer Hornhautentzündung durch starke UV-Strahlen. Darüber hinaus erhöht eine intensive UV-Strahlenexposition das Risiko für eine vorzeitige Linsentrübung bzw. einen Netzhautschaden.
Welche Augenprobleme sind typisch für die kalte Jahreszeit?
In den Wintermonaten treten trockene Augen häufiger auf und bestehende Beschwerden können sich verschlechtern. Typische Symptome sind gerötete, brennende Augen, ein Fremdkörpergefühl und verschwommenes Sehen. Trockene Luft und Kälte können auch die Entstehung einer Lidrandentzündung begünstigen bzw. eine bereits bestehende Lidrandentzündung verschlimmern. Eine Bindehautentzündung, begünstigt durch trockene Augen als Eintrittspforte sowie ein geschwächtes Immunsystem in der kalten Jahreszeit, wird ebenfalls häufiger beobachtet. Gerötete, geschwollene Augen, vermehrter Sekretfluss – bei bakterieller Infektion typischerweise mit gelblicher Farbe – sowie verklebte Wimpern können auf eine Bindehautentzündung hinweisen. Auch Allergien gegen Hausstaubmilben und Schimmel verschlimmern sich im Winter häufig, da man mehr Zeit in geschlossenen Räumen verbringt und weniger gelüftet wird. Typische Symptome, die für eine Allergie sprechen, sind Augenjuckreiz, gerötete Bindehaut, geschwollene Augenlider sowie häufig begleitender Schnupfen und Niesen.
Wie kann man die Beschwerden selbst lindern?
Tränenersatzmittel – am besten ohne Konservierungsmittel – lindern die Symptome trockener Augen. Sie sind rezeptfrei erhältlich und können mehrmals täglich angewendet werden. Wichtig ist auch eine regelmäßige, idealerweise tägliche Lidrandhygiene mit Reinigungspads und feucht-warmen Kompressen. Dadurch lösen sich Krusten, die Entzündung wird beruhigt und die Funktion der Talgdrüsen verbessert sich.
Wann sollte man ärztlichen Rat einholen?
Reichen Vorbeugungsmaßnahmen, Optimierung des Lebensstils sowie Augenpflege durch Tränenersatzmittel und Lidrandpflege nicht aus, um die Beschwerden in den Griff zu bekommen, sollte man sich an eine Augenärztin oder einen Augenarzt wenden. Bei ernsteren Symptomen wie stark geröteten Augen, starken Schmerzen, Lichtempfindlichkeit oder Sehverschlechterung sollte der Weg umgehend in die Facharztpraxis führen.
Wie kann man vorbeugen?
In erster Linie sollte man ein augenfreundliches Raumklima schaffen, die Luftfeuchtigkeit sollte bei rund 50 Prozent liegen und die Räume sollten regelmäßig gelüftet und sauber gehalten werden, um Allergene und Staub zu reduzieren. Bildschirmarbeit nach Möglichkeit verringern bzw. nach 20 Minuten Arbeit eine kurze Pause einlegen und für 20 Sekunden in die Ferne blicken. Beim konzentrierten Arbeiten am Monitor, Tablet oder Smartphone blinzelt man viel weniger, was dazu führt, dass die Tränenflüssigkeit noch schneller verdunstet. Bewusstes Blinzeln hilft dabei, den Tränenfilm im Auge gleichmäßig zu verteilen. Wer Kontaktlinsen trägt und an trockenen Augen leidet, sollte nach Möglichkeit zumindest zeitweise auf eine Brille umsteigen. An sonnigen Wintertagen und bei Aktivitäten im Schnee ist das Tragen einer Sonnenbrille ein Muss. Werden die Augen ungeschützt der starken UV-Strahlung ausgesetzt, kann sich das Risiko für Netzhautschäden und Makuladegeneration erhöhen. Eine Sonnenbrille schützt außerdem vor kaltem Wind und trägt somit zur Stabilisierung des Tränenfilms und der Linderung trockener Augen bei.
Nahrung für die Augen
Wer die Augengesundheit unterstützen möchte, sollte auf eine gute Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren achten. Zu den Top-Lieferanten der wertvollen Fettsäuren zählen fettreicher Fisch, Leinsamenöl, Rapsöl und Walnüsse.
Fotos: Klinikum Wels-Grieskirchen / Nik Fleischmann, istockphoto/ tairalist, mihailomilovanovic