Heilpflanzen & Phytotherapie

Das Kraut des Achilles

Die Schafgarbe ist eine vielseitige Heilpflanze. Wie sie bei Verdauungs- und Menstruationsbeschwerden sowie gereizter Haut helfen kann, erklärt Dr. Christine Reiler.

Die Schafgarbe, auch Achillea mille­folium genannt, zählt zu den ältesten, bekanntesten und am besten erforschten Heilpflanzen Europas. Ihr botanischer Name geht auf den griechischen Helden Achilles zurück, der die Pflanze der Überlieferung nach zur Versorgung der Wunden seiner Krieger verwendet haben soll.

Die recht anspruchslose Heilpflanze wächst auf Wiesen und an Wegrändern und fällt durch ihre weißen bis zart rosafarbenen Blütendolden auf. In der Naturheilkunde gilt sie als wahre Powerpflanze und kann sowohl innerlich als auch äußerlich angewendet werden. Verwendet werden die blühenden Triebspitzen, die während der Blütezeit geerntet und getrocknet werden.

Die Pflanze enthält zahlreiche wertvolle Inhaltsstoffe wie die ätherischen Öle Chamazulen und Cineol, Bitter- und Gerbstoffe, Flavonoide sowie entzündungshemmende Sesquiterpenlactone. Dieses Zusammenspiel verleiht der Schafgarbe ihre krampflösenden, entzündungshemmenden, antibakteriellen und wundheilungsfördernden Eigenschaften.

Wohltuend für den Bauch

Besonders bekannt ist die Heilpflanze für ihre Wirkung bei Magen-Darm-Beschwerden. Ein Tee aus Schafgarbe kann Blähungen, Völlegefühl oder leichte Magenkrämpfe lindern, indem er die Verdauung anregt und die Muskulatur des Verdauungstraktes entspannt. Gleichzeitig fördern die enthaltenen Bitterstoffe den Gallenfluss und unterstützen dadurch die Fettverdauung.

Auch in der Frauenheilkunde hat die Schafgarbe einen festen Platz. Traditionell wird sie bei Menstruationsbeschwerden, krampfartigen Unterleibsschmerzen und unregelmäßigen Zyklen eingesetzt. Ihre krampflösende Wirkung kann dazu beitragen, Beschwerden während der Monatsblutung auf natürliche Weise zu lindern. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen ihre entzündungshemmenden und spasmolytischen Eigenschaften.

Hilfe für die Haut

Äußerlich kann die Pflanze die Heilung kleiner Wunden, Abschürfungen und gereizter Haut unterstützen. Ihre Gerbstoffe wirken leicht zusammen­ziehend, während die ätherischen Öle Bakterien hemmen und Entzündungen lindern können. Deshalb findet die Schafgarbe auch in Salben, Cremes und Badezusätzen Verwendung. Trotz ihrer guten Verträglichkeit ist etwas Vorsicht geboten: Menschen mit einer Allergie gegen Korbblütler wie Kamille, Arnika oder Beifuß sollten Schafgarbe nur vorsichtig anwenden oder zuvor ärztlichen Rat einholen.

Schafgarbenöl selbst gemacht

Schafgarbenöl lässt sich ganz einfach zu Hause herstellen. Es eignet sich hervorragend zur Pflege trockener oder beanspruchter Haut sowie für eine wohltuende Massage verspannter Muskeln. Dafür eine Handvoll frischer, sauberer Schafgarbenblüten locker in ein sauberes Schraubglas füllen und vollständig mit hochwertigem Oliven- oder Mandelöl übergießen. Das Glas verschließen und drei Wochen an einem hellen Ort aufbewahren. Dabei täglich kurz schütteln. Anschließend das Öl durch ein feines Sieb oder Tuch filtern und in eine dunkle Glasflasche füllen.

Das fertige Öl kann bei trockener Haut, kleinen Hautreizungen oder für eine entspannende Bauchmassage bei leichten Menstruationsbeschwerden verwendet werden – eine einfache und natürliche Möglichkeit, die Heilkraft meines Lieblingskrauts in den Alltag zu integrieren.


MEDIZIN POPULÄR-Leserin Maria K. fragt: Gibt es pflanzliche Mittel, die eine Therapie mit Thrombozytenaggregationshemmern sinnvoll begleiten können?

Dr. Christine Reiler
„Weißdorn stärkt die Herzleistung und kann die Durch-blutung fördern.“


Thrombozytenaggregationshemmer wie Acetyl­salicylsäure (ASS) oder Clopidogrel gehören zu den wichtigsten Medikamenten zur Vorbeugung von Herzinfarkt und Schlaganfall. Sie verhindern, dass Blutplättchen verklumpen und Blutgefäße verschließen. Gleich eines vorweg: Eine pflanzliche Therapie kann das allgemeine Herz-Kreislauf-System zwar unterstützen – sie ersetzt diese Medikamente jedoch keinesfalls.

Bewährt haben sich Heilpflanzen, die gefäßschützende Eigenschaften besitzen. Weißdorn etwa stärkt die Herzleistung und kann die Durchblutung fördern. Olivenblätter enthalten wiederum antioxidative Inhaltsstoffe, die Gefäße vor oxidativem Stress schützen können. Auch Knoblauch wird seit Langem zur Unterstützung des Herz-Kreislauf-Systems eingesetzt und kann sich günstig auf Blutdruck und Blutfettwerte auswirken.

Aber Achtung! Die Kraft der Natur ist nicht zu unterschätzen, denn einige Heilpflanzen können die Blutgerinnung beeinflussen und dadurch das Blutungsrisiko erhöhen. Dazu zählen unter anderem Ginkgo, hoch dosierter Knoblauch, Ingwer, Kurkuma oder Ginseng. Werden sie gleichzeitig mit Thrombozytenaggregationshemmern eingenommen, sollte dies unbedingt mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Neben der Phytotherapie spielen Lebensstilmaßnahmen eine entscheidende Rolle. Eine ausgewogene mediterrane Ernährung mit reichlich Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und hochwertigem Olivenöl wirkt sich günstig auf die Gefäßgesundheit aus. Regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und Nikotinverzicht sind ebenso Faktoren, die wesentlich dazu beitragen, Ihr Herz und die Gefäße langfristig zu schützen.

Die beste pflanzliche Begleitung besteht daher nicht darin, die blutverdünnende Wirkung zu verstärken, sondern den gesamten Organismus ergänzend zu unterstützen.


Fotos: Barbara Nidetzky,  istockphoto: Silvia Jansen

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