Warum Johanniskraut seit Jahrhunderten als bewährte Heilpflanze bei seelischen Verstimmungen und Wunden gilt, erklärt Dr. Christine Reiler.
Kennen Sie den volkstümlichen Spruch „Wenn das Johanniskraut blüht, dann ist Sommer“? Rund um den Johannistag Ende Juni beginnt die Pflanze in kräftigem Gelb zu blühen und färbt ganze Wiesen leuchtend bunt. Botanisch trägt sie den Namen Hypericum perforatum und zählt seit Jahrhunderten zu den bekanntesten Heilkräutern Europas. Bereits im Mittelalter verordneten Ärzte Johanniskraut bei Wunden und Verletzungen. Als Ausgangsmaterial für Heilmittel dienen heute die zur Blütezeit geernteten und getrockneten Triebspitzen mitsamt den Blüten.
Viele Wirkstoffe in einer Pflanze
Das Johanniskraut enthält eine Vielzahl an medizinisch wirksamen Inhaltsstoffen. Hypericin wirkt antibakteriell und antiviral und ist unter anderem für die rote Färbung des Öls verantwortlich. Hyperforin hat entzündungshemmende, antimikrobielle und stimmungsaufhellende Eigenschaften, wodurch es bei entzündlichen Prozessen wie etwa Ohrenschmerzen unterstützend wirken kann.
Flavonoide wie Quercetin und Rutin wirken stark antioxidativ und gefäßstabilisierend, fördern die Durchblutung und unterstützen die Regeneration von gereiztem Gewebe. Tannine wirken zusammenziehend, was das Gewebe beruhigt und die Ausbreitung von Keimen hemmt. Zusätzlich sind ätherische Öle enthalten, die reizlindernd und leicht beruhigend wirken.
Hilfe bei Unruhe und Verstimmungen
Pflanzliche Arzneimittel mit Johanniskraut werden häufig bei leichten Depressionen, Angststörungen, Schlafproblemen oder innerer Unruhe eingesetzt. Sie gelten als gut verträglich und können eine vergleichbare Wirkung wie standardisierte Antidepressiva entfalten. Wichtig ist jedoch Geduld: Johanniskraut wirkt nicht sofort, sondern muss über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Bis sich die Wirkung entfaltet, dauert es meist rund zwei Wochen.
Vorsicht vor Wechselwirkungen
Besondere Vorsicht ist bei der gleichzeitigen Einnahme anderer Medikamente geboten. Johanniskraut regt bestimmte Enzyme der Gruppe „Cytochrom P450“ an, die zahlreiche Arzneimittel schneller abbauen. Dadurch kann die Wirkung anderer Präparate abgeschwächt oder verstärkt werden – etwa bei der Antibabypille oder bestimmten Antidepressiva. Deshalb sollte eine orale Einnahme immer vorab mit einer Ärztin oder einem Arzt abgeklärt werden.
Rotöl aus eigener Herstellung
Selbstgemachtes Johanniskraut-Öl, auch Rotöl genannt, eignet sich zur Wundheilung, Narbenpflege oder zur Pflege sonnengereizter Haut. Dafür werden die oberen blühenden Triebspitzen mit hochwertigem Pflanzenöl bedeckt und für drei bis vier Wochen in die Sonne gestellt. Während dieser Zeit färbt sich das Öl rötlich. Danach werden die Pflanzenteile abgeseiht. Wichtig zu wissen: Johanniskraut macht die Haut lichtempfindlicher, deshalb sollte nach der Anwendung direkte Sonne vermieden werden.
MEDIZIN POPULÄR-Leserin Sonja D. fragt: Seit meiner Jugend begleitet mich eine „Bacne“ – bis heute mit 57 Jahren. Ich leide sehr darunter, dass ich auf Rücken, Schultern und auch Brust noch immer mit Pusteln, Pickeln und unreiner Haut leben muss. Haben Sie einen Rat für mich?
„Bei großflächiger Akne können zehn Tropfen Teebaumöl ins Badewasser gegeben werden.“
Die Entstehung von Pickeln, Mitessern und Hautunreinheiten wird von mehreren Faktoren beeinflusst: Hormonschwankungen, Hauttyp und Stress spielen dabei eine wichtige Rolle. Besonders das männliche Geschlechtshormon Testosteron kann die Talgproduktion steigern. Auch Stress wirkt sich auf den Hormonhaushalt aus und begünstigt vor allem bei Frauen das Auftreten von Hautunreinheiten.
Die Entstehung von Akne verläuft in mehreren Schritten: Zunächst werden vermehrt Hornzellen gebildet, die den Ausgang der Talgdrüse verstopfen. Der Talg kann nicht mehr abfließen und es kommt zu Mitessern. Der typische schwarze Punkt entsteht durch eingelagertes Melanin und Oxidationsprozesse an der Luft. Im verstopften Drüsengang sammeln sich Talg, Haarmaterial und Bakterien wie Propion- und Staphylokokken. Diese fördern Entzündungen und führen zu den bekannten roten Pusteln.
Es gibt verschiedene Heilpflanzen, die hier unterstützen können. Besonders bekannt ist Teebaumöl. Dieses wirkt stark antiseptisch, dringt gut zu den Entzündungsherden vor und greift die Bakterien an. Bei großflächiger Akne können zehn Tropfen reines Teebaumöl ins Badewasser gegeben werden. Bei einzelnen Pusteln tragen Sie das reine Öl vorsichtig mit einem Wattestäbchen auf. Vor der Anwendung sollte jedoch die Verträglichkeit am Handgelenk getestet werden. Auch grüner Tee gilt als bewährtes Hausmittel. Seine Inhaltsstoffe wirken antibakteriell, entzündungshemmend und können hormonelle Prozesse positiv beeinflussen.
Mit Tee getränkte Wattepads lassen sich direkt auf die Haut auflegen. Es wird auch diskutiert, dass der Verzicht auf Milchprodukte, fette Speisen oder Schokolade das Hautbild verbessern kann. Setzen Sie also auf eine ausgewogene Kost mit Vollkornprodukten, viel Gemüse und Obst.
Fotos: Barbara Nidetzky, istockphoto: Esin Deniz