Heilpflanzen & Phytotherapie

Die Kraft der Wiesenkönigin

„Mädesüß“ vereint Tradition, Duft und natürliche Schmerzlinderung auf bemerkenswerte Weise. Dr. Christine Reiler erklärt, welches Potenzial in der zunächst unscheinbar wirkenden Wiesenpflanze steckt.

Mädesüß, auch Filipendula ulmaria, wächst bevorzugt auf feuchten Wiesen und an Bachufern in Europa und Asien. Seine zarten, cremeweißen Blüten verströmen einen unverwechselbaren Duft, der die Pflanze leicht erkennbar macht. Schon seit Jahrhunderten wird sie in der Naturheilkunde geschätzt – bereits die Kelten zählten sie zu den wichtigsten Heilpflanzen ihrer Druiden. Nicht umsonst trägt sie den poetischen Beinamen „Wiesenkönigin“. Der Ursprung des Namens „Mädesüß“ ist hingegen nicht eindeutig geklärt: Eine Theorie führt ihn auf „Met“, den Honigwein, zurück, der früher mit den Blüten aromatisiert wurde. Eine andere leitet ihn vom altdeutschen „Mahd“ ab – also vom gemähten Heu, dem die Pflanze einen süßlichen Duft verleiht.

Wirkung mit wissenschaftlicher Basis

Auch heute noch finden Blüten und Kraut des Mädesüß vielseitige Verwendung. Sie dienen als Arzneidroge, werden aber ebenso in der Küche genutzt – etwa zum Aromatisieren von Gelees, Sirupen oder Getränken. Junge Triebe und Wurzeln gelten zudem als Wildgemüse. Früher wurden blühende Sträuße sogar in Häusern aufgehängt, um die Raumluft zu verbessern. Pharmakologische Untersuchungen bestätigen, was die Volksmedizin längst wusste: Mädesüß wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend. Verantwortlich dafür sind vor allem Salicylate – pflanzliche Wirkstoffe, die ähnlich wie Aspirin
fiebersenkend und schmerzstillend wirken. Sie können etwa bei Kopfschmerzen, Migräne oder Erkältungen helfen. Zusätzlich sind Flavonoide enthalten, die antioxidativ wirken und Entzündungen im Körper reduzieren können. Gerbstoffe sorgen für eine adstringierende Wirkung, die Magen-Darm-Beschwerden mildern können, während ätherische Öle die Durchblutung fördern und entspannend wirken. Ergänzt wird das Wirkungsspektrum durch antimikrobielle Phenolcarbonsäuren. Zudem regt Mädesüß die Harnausscheidung an und unterstützt so die natürliche Entgiftung des Körpers.

Tee und Schwitzkur

Besonders beliebt ist Mädesüß als Tee. Dafür wird ein Teelöffel des getrockneten Krauts mit heißem Wasser übergossen und etwa zehn Minuten ziehen gelassen. Empfohlen werden bis zu drei Tassen täglich – möglichst heiß und ungesüßt. Für eine klassische Schwitzkur bei beginnenden Erkältungen lässt sich Mädesüß mit Linden- oder Holunderblüten, Pfefferminze und etwas Bitterorangenschale kombinieren. Vorsicht ist jedoch bei Menschen mit Venenschwäche, Nierenproblemen oder Kreislaufbeschwerden geboten.

Übrigens: Wer nicht selbst sammeln möchte, findet Mädesüß auch getrocknet in Apotheken oder Drogerien. Die Blütezeit fällt in Europa in die Monate Juni und Juli – genau dann zeigt sich die „Wiesenkönigin“ in ihrer vollen Pracht.


MEDIZIN POPULÄR-Leserin Karin L. fragt: Bei mir wurde das Restless-Legs-Syndrom diagnostiziert. Haben Sie einen Rat?

Dr. Christine Reiler
„Gegen Unruhe können Baldrian, Hopfen, Melisse, Lavendel oder Passionsblume helfen.“

Das sogenannte Restless-Legs-Syndrom (RLS) ist eine neurologische Erkrankung, bei der Betroffene einen starken Bewegungsdrang in den Beinen verspüren – oft begleitet von Kribbeln, Ziehen oder Unruhe. Diese Beschwerden treten vor allem in Ruhephasen und abends auf. Medizinisch werden unter anderem Störungen im Dopaminhaushalt, Eisenmangel oder eine Nierenerkrankungen als mögliche Ursachen diskutiert. Die Behandlung richtet sich je nach der Ausprägung und Ursache. Liegt etwa ein Eisenmangel vor, steht zunächst dessen Ausgleich im Vordergrund. Bei Störungen im Dopaminstoffwechsel kommen hingegen Medikamente zum Einsatz, die gezielt in diese Prozesse eingreifen oder die Nervenaktivität regulieren – jedoch immer unter ärztlicher Kontrolle. Dopamin spielt im Gehirn eine zentrale Rolle für Emotionen, Motivation und Bewegungsabläufe.

Ergänzend dazu gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die Betroffene selbst im Alltag umsetzen können. Regelmäßige Bewegung  – etwa Spaziergänge oder leichtes Training – kann die Symptome lindern. Auch Dehnübungen oder Massagen der Beine vor dem Schlafengehen werden oft als wohltuend empfunden. Ebenso können warme Bäder oder kühlende Wickel Linderung verschaffen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Schlafhygiene: Feste Schlafenszeiten, eine ruhige Umgebung sowie der Verzicht auf Koffein und Alkohol am Abend können Beschwerden deutlich reduzieren. Entspannungstechniken wie Yoga oder Atemübungen helfen zusätzlich, innere Unruhe abzubauen.

Bei Eisenmangel empfiehlt sich eine angepasste Ernährung mit Brennnessel, Vogelmiere, Roter Rübe sowie Hülsenfrüchten wie Linsen und Kichererbsen. Gegen Unruhe können pflanzliche Mittel wie Baldrian, Hopfen, Melisse, Lavendel oder Passionsblume – etwa als Tee – hilfreich sein.

Treten die Symptome häufiger auf oder werden sie als stark belastend empfunden, sollte in jedem Fall ärztlicher Rat eingeholt werden, um eine individuell passende Therapie zu finden.


Fotos: Barbara Nidetzky,  istockphoto: Marina Lohrbach

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