Infektionen & Immunsystem

Durchbruch bei Covid-Forschung

Forschende der Universitätskliniken Hamburg-Eppendorf (UKE) und Basel haben bei Covid-19 einen bislang wenig verstandenen Regelkreis des Immunsystems genauer untersucht. Dabei geht es um zwei Moleküle: das Protein FGL-1 und den sogenannten Immun-Checkpoint LAG-3.

Die Ergebnisse könnten helfen zu verstehen, warum das Immunsystem bei schweren Covid-19-Verläufen aus dem Gleichgewicht gerät – und möglicherweise auch bei anderen Erkrankungen mit überschießenden Entzündungsreaktionen eine Rolle spielen.

Ein Protein aus der Leber

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht Fibrinogen-ähnliches Protein 1 (FGL-1). Es wird vor allem in der Leber gebildet und kann die Aktivität von Immunzellen beeinflussen. Dabei bindet es an LAG-3, einen sogenannten Immun-Checkpoint auf T-Zellen. Diese Checkpoints helfen dabei, die Aktivität des Immunsystems zu regulieren. Bei Covid-19 kann eine fehlgeleitete und zu starke Immunreaktion zu schweren Krankheitsverläufen beitragen. Gleichzeitig ist bekannt, dass LAG-3 auf bestimmten T-Zellen bei schwer erkrankten Covid-19-Patienten vermehrt vorkommt. Auch Entzündungen und Schäden der Leber können bei Covid-19 auftreten.

65 Patienten untersucht

Für ihre Studie untersuchten die Forschenden Blutproben von 65 Menschen mit Covid-19 und 33 gesunden Personen. Dabei zeigte sich: Bei den Covid-19-Patienten waren die FGL-1-Werte im Blut erhöht. Höhere FGL-1-Konzentrationen gingen außerdem mit höheren Entzündungswerten und einem schwereren Krankheitsverlauf einher. Auch LAG-3 war auf T-Zellen verstärkt vorhanden. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass der FGL-1/LAG-3-Regelkreis an der Regulation der Immunantwort bei Covid-19 beteiligt sein könnte. Wie genau die beiden Moleküle zusammenspielen und welche Bedeutung dieser Mechanismus für den Krankheitsverlauf hat, muss allerdings noch weiter untersucht werden.

Ähnlicher Mechanismus

Besonders interessant ist, dass der entdeckte Zusammenhang nicht nur für Covid-19 relevant sein könnte. Die Forschenden vermuten, dass der FGL-1/LAG-3-Signalweg auch bei anderen Erkrankungen eine Rolle spielen könnte, bei denen das Immunsystem überschießend reagiert. Dazu könnten unter anderem weitere schwere Infektionen und Erkrankungen mit fehlgeleiteten Entzündungsreaktionen gehören. Damit eröffnet die Studie möglicherweise neue Ansatzpunkte für immunmodulierende Therapien. Auch für die Erforschung von Leberentzündungen könnte der Mechanismus interessant sein, da FGL-1 in der Leber gebildet wird.


Fotos: APA/AFP

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