Sommerliche Wohlfühlorte sind auch ideale Brutstätten für Pilze. Wie man sich schützt und Pilzinfektionen wirksam behandelt.
Von Jacqueline Kacetl
„Nagelpilz macht anfangs meist keine Beschwerden, fällt aber durch eine weißliche oder gelbliche Verfärbung der Nagelplatte auf.“
Kaum beginnen die Temperaturen zu steigen, haben Pilzinfektionen Hochsaison. Wo viele Menschen barfuß unterwegs sind, verstecken sich oft unerwünschte Mitbringsel: Fuß- und Nagelpilze lieben feuchtwarme Orte wie Schwimmbäder, Saunalandschaften, Spa-Bereiche oder öffentliche Duschen. Die Übertragung erfolgt über infektiöse Hautschuppen, die Betroffene unbemerkt verlieren.
Diese winzigen Hautteilchen können Pilzsporen enthalten und gelangen so auf feuchte Böden, Teppiche und Badematten oder bleiben in Schuhen zurück. Die Ansteckung erfolgt besonders leicht, wenn die Haut nach dem Schwimmen oder Saunieren aufgeweicht ist. „Eine gesunde Hautbarriere bietet einen guten Schutz gegen eine Infektion“, sagt Dr. Christine Messeritsch-Fanta, Hautärztin in Mödling. „Kleine Hautverletzungen, aber auch Feuchtigkeit und Wärme im Bereich der Zehenzwischenräume, etwa bei starkem Schwitzen, können diese Barriere stören. Zudem können ein geschwächtes Immunsystem, Diabetes mellitus oder Durchblutungsstörungen dazu beitragen, dass der Pilz in die oberste Hautschicht eindringen und sich ausbreiten kann.“
Was gegen Fußpilz hilft
Juckreiz zwischen den Zehen ist meist das erste Anzeichen, mit dem sich Fußpilz bemerkbar macht. Dazu kann ein Brennen kommen, das durch die Entzündung der obersten Hautschichten entsteht. „Die Haut ist meist leicht gerötet und schuppt. In den Zehenzwischenräumen wirkt sie oft weißlich und aufgeweicht“, erklärt Messeritsch-Fanta. Die frühen Symptome lassen sich meist gut selbst behandeln.
Zu diesen Maßnahmen gehört etwa, die Füße täglich zu waschen und besonders zwischen den Zehen gründlich abzutrocknen. Idealerweise wird das Handtuch täglich gewechselt, da die Pilzsporen darauf haften bleiben können. Handtücher sollten außerdem nicht gemeinsam benutzt werden. Frische Socken jeden Tag und gut ausgelüftete Schuhe helfen zusätzlich, Pilzen vorzubeugen. Um die Pilzsporen abzutöten, werden alle Textilien, mit denen die Füße in Berührung kommen, bei mindestens 60 Grad gewaschen.
Zusätzlich können pilzhemmende Schuhsprays helfen, die Belastung mit Pilzsporen im Schuh zu reduzieren. Wichtig ist auch, in Schwimmbädern, Saunen, Umkleidekabinen oder Hotelzimmern nicht barfuß zu gehen. Zu Hause verhindert das Tragen von Bade- oder Hausschuhen die Ansteckung von Familienmitgliedern.
Geduld bei der Therapie
Zur weiteren Behandlung sind Antipilzmittel wie Cremes, Sprays oder Gele rezeptfrei erhältlich. Cremes werden in der Regel ein- bis zweimal täglich aufgetragen. Nach zirka zwei bis vier Wochen konsequenter Anwendung sollten die Symptome abklingen. Tritt nach ein bis zwei Wochen keine Besserung ein, ist ein Besuch bei einem Hautarzt, einer Hautärztin ratsam. Das gilt besonders für Diabetiker und Diabetikerinnen, um Komplikationen wie bakterielle Zusatzinfektionen zu vermeiden. Der Erreger kann sich von der Haut am Fuß zudem auf den Nagel ausbreiten, insbesondere wenn die Infektion länger besteht oder nicht behandelt wird. „Nagelpilz macht anfangs meist keine Beschwerden, fällt aber durch eine weißliche oder gelbliche Verfärbung der Nagelplatte auf. Im späteren Verlauf wird der Nagel dann dicker und brüchiger“, so die Hautärztin.
Sind sowohl Haut als auch Nägel betroffen, sollte ein Arztbesuch erfolgen. Nagelpilz ist in der Regel hartnäckiger und lässt sich oft nicht ausreichend mit rezeptfreien Mitteln behandeln. „Die Behandlung ist deutlich langwieriger, da sich der Erreger tief in der Nagelplatte befindet und Wirkstoffe nur schwer eindringen können. Außerdem wachsen Nägel nur sehr langsam nach. Die Therapie erfordert daher viel Geduld und sollte konsequent über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden.“
Intimflora aus dem Gleichgewicht
Bei heißen Temperaturen haben auch Hefepilze leichtes Spiel – ein warmes, feuchtes Milieu begünstigt ihr Wachstum. Die Folge kann eine Scheidenpilzinfektion sein, die sich typischerweise durch Juckreiz und Brennen im Intimbereich bemerkbar macht. „Die Haut ist oft gerötet und geschwollen, dazu kommt ein weißer, krümeliger Ausfluss“, erklärt Messeritsch-Fanta. Wer nach dem Schwimmen lange im Bikini oder Badeanzug bleibt, schafft ein ideales Klima für Hefepilze. Auch enge Kleidung aus luftundurchlässigen Materialien und
eine übertriebene Intimhygiene können das natürliche Gleichgewicht der Intimflora stören und das Infektionsrisiko erhöhen. Hinzu kommen hormonelle Einflüsse: „Vor allem kurz vor der Menstruation, nach einer Geburt oder in den Wechseljahren kann sich die Vaginalschleimhaut verändern. Diese leichte Verschiebung schwächt die schützende Bakterienflora – die Hefepilze finden bessere Bedingungen vor, um sich zu vermehren.“ Zur Vorbeugung rät die Expertin: „Milde, parfumfreie, für den Intimbereich geeignete Waschlösungen, atmungsaktive Unterwäsche und das rasche Wechseln feuchter Badekleidung sind die beste Basis.“ Kommt es zu Beschwerden, stehen lokale Therapien mit Zäpfchen oder Cremes zur Verfügung. Wichtig sei jedoch: „Vor der Therapie sollte immer eine ärztliche Abklärung erfolgen, um andere Ursachen sicher auszuschließen.“
Interview: Hygienemaßnahmen gegen Pilzinfektionen
Hautärztin Dr. Christine Messeritsch-Fanta über Ursachen, Behandlung und Vorbeugung von Pilzinfektionen.
Warum treten Fuß- und Nagelpilz oft gemeinsam auf?
Häufig werden sowohl Fuß- als auch Nagelpilz durch sogenannte Dermatophyten verursacht – das sind Fadenpilze, die Haut, Nägel und Haare befallen können. Deshalb treten beide Infektionen oft gleichzeitig auf. Dabei kann sich ein Fußpilz auf die Zehennägel ausbreiten, ebenso kann ein infizierter Nagel die umliegende Haut anstecken. In selteneren Fällen können die Erreger auch von den Füßen auf die Hände übertragen werden, etwa im Rahmen von Maniküre oder Pediküre. Deshalb ist eine sorgfältige Hygiene wichtig: Nagelscheren und Feilen sollten gründlich desinfiziert oder Einmalfeilen verwendet werden.
Warum ist die Behandlung von Nagelpilz komplizierter als von Fußpilz?
Bei ausgeprägten Infektionen reichen medizinische Lacke häufig nicht aus. Zusätzlich kann eine Behandlung mit Tabletten notwendig werden, die in der Regel über mehrere Monate eingenommen werden. Unbehandelt kann der Pilz die Struktur des Nagels zunehmend schädigen: Der Nagel wird verdickt, brüchig und kann sich schließlich vom Nagelbett ablösen. Dieser Verlauf lässt sich in der Regel durch eine frühe und konsequente Behandlung
verhindern.
Wie schützt man sich vor Hautpilzerkrankungen?
Hautpilze fühlen sich vor allem in warmen, feuchten Umgebungen wohl. Besonders anfällig sind Hautfalten wie Zehenzwischenräume, Achseln, die Leistenregion oder der Bereich unter der Brust – überall dort, wo Haut auf Haut liegt. Vorbeugend empfiehlt sich, diese Regionen möglichst trocken zu halten. Atmungsaktive, locker sitzende Kleidung sowie luftdurchlässige Schuhe können das Pilzwachstum zusätzlich erschweren. Nach dem Baden oder Duschen sollten die betroffenen Hautareale sorgfältig abgetrocknet werden. Hilfreich sind einfache Hygienemaßnahmen im Alltag: Badeschuhe in öffentlichen Bereichen und eigene Handtücher können das Risiko einer Ansteckung deutlich reduzieren und dazu beitragen, pilzfrei durch den Sommer zu kommen.
Fotos: zvg, istockphoto/Aleksei Naumov