Infektionen & Immunsystem

Schützt mich die FSME-Impfung noch?

Prim. Univ.-Prof. Dr. Petra Apfalter, Leiterin des Instituts für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin am Ordensklinikum Linz, beantwortet die aktuelle Leserfrage.

Von Natascha Gazzari

Prim. Univ.-Prof. Dr. Petra Apfalter

MEDIZIN POPULÄR-Leserin Daniela P. (45) fragt: Ich habe in der Kindheit und Jugend regelmäßig FSME-Impfungen bekommen, dann wurde ich mit den Auffrischungsimpfungen nachlässig. Reicht es, wenn ich mir jetzt wieder eine Auffrischung hole oder muss ich die Grundimmunisierung wiederholen?

Die Grundimmunisierung umfasst drei FSME-Impfungen, wobei die zweite Impfung vier Wochen nach der ersten Impfung und die dritte Impfung neun bis zwölf Monate nach der zweiten Impfung erfolgt. Die erste Auffrischungsimpfung sollte drei Jahre nach der dritten Impfung durchgeführt werden. Weitere Auffrischungsimpfungen sind alle fünf Jahre empfohlen, bei Personen über 60 Jahren alle drei Jahre. Sind im Laufe des Lebens zwei FSME-Impfungen innerhalb von zwölf Monaten erfolgt, so reicht in der Regel eine Auffrischungsimpfung, um den Impfschutz zu gewährleisten. Eine Wiederholung der Grundimmunisierung ist dann nicht erforderlich.

Wie sinnvoll ist eine Titerbestimmung?

Laut Impfplan Österreich ist eine Titerbestimmung bei FSME weder notwendig noch empfohlen. Da der Titer keine sichere Auskunft über die Dauer des Impfschutzes gibt, rate ich von einer Titerbestimmung ab. Wer seinen Impfpass verloren hat und auf Nummer sicher gehen möchte, kann bei Bedarf einen sogenannten „Neutralisationstest“ machen lassen, bei dem neutralisierende Antikörper im Blut bestimmt werden. Dieser Test wird allerdings nur von wenigen Speziallabors durchgeführt.

Warum ist die FSME-Impfung wichtig?

Das FSME-Virus, der Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis, ist weit verbreitet. In Österreich ist kein Bundesland FSME-frei. Die Übertragung von FSME-Viren erfolgt innerhalb kurzer Zeit nach dem Zeckenstich. Die Symptome einer FSME-Infektion beginnen oft wie ein grippaler Infekt, der nach ein paar Tagen wieder abklingt. Bei einem Teil der Erkrankten kommt es nach etwa einer Woche ohne Beschwerden zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis), häufig mit zusätzlicher Gehirnentzündung (Meningoenzephalitis). Diese können mit starken Kopfschmerzen, Schwindel, Lichtscheu sowie Konzentrations-, Sprech- und Gehstörungen einhergehen. Die Symptome eines schweren Verlaufs können über Monate andauern. Ein Drittel der Personen, die eine schwere FSME-Infektion durchmachen, haben langdauernde Folgeschäden. Die FSME-Impfung bietet einen sehr
wirkungsvollen Schutz und kann die Krankheit in den meisten Fällen verhindern.

Wann ist der beste Zeitpunkt zum Impfen?

Die Wintermonate Jänner und Februar wären die optimale Zeit, um mit der Grundimmunisierung zu beginnen oder sich die Auffrischungsimpfung zu holen. Aufgrund der milderen Winter hat sich der Beginn der Zeckensaison in den letzten Jahren auf März bzw. April vorverlagert. Der anhaltende Frost in diesem Winter könnte im Frühjahr für eine geringere Zeckenpopulation sorgen.


Zecken richtig entfernen

Nach einem Aufenthalt in der Natur sollte man sich selbst, Kinder und Haustiere gründlich auf Zecken absuchen. Zum Entfernen die Zecke am besten mit einer Pinzette nahe der Haut greifen und gerade herausziehen. Anschließend die Stelle desinfizieren. Grundsätzlich gilt: Je früher die Zecke entfernt wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Krankheitserreger überträgt. Die Übertragung von FSME-Viren erfolgt innerhalb kurzer Zeit nach dem Stich, die Erreger der Borreliose werden hingegen erst nach rund zwölf bis 24 Stunden über den Speichel der Zecke in die Wunde abgegeben. Wer das Risiko eines Zeckenstichs reduzieren möchte, sollte beim Aufenthalt im Freien schützende Kleidung – zum Beispiel Hemden mit langen, enganliegenden Ärmeln und lange Hosen, über die man die Socken ziehen kann – tragen. Zusätzlichen Schutz bieten Zeckenschutzmittel, etwa in Sprayform.


Fotos: ordensklinikum linz, istockphoto/woocat

Share

Logo medizinpopulär