Wissenschaftler versuchen, eine der aggressivsten Krebserkrankungen, den Bauchspeicheldrüsenkrebs, besser zu behandeln und vielleicht irgendwann zu verhindern. Im „New England Journal of Medicine“ wurde nun eine Studie zu einem neuen Medikament veröffentlicht.
Dieses Medikament hatte kurz zuvor beim Kongress der US-amerikanischen Onkologen für große Begeisterung gesorgt. Aber auch eine andere neue Idee wurde bereits an Menschen getestet: eine Impfung gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Neues Medikament zeigt bessere Wirkung
In Österreich erkranken jedes Jahr fast 2.000 Menschen neu an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Rund 1.900 Menschen sterben jährlich daran. Die Krankheit wird meistens zu spät erkannt, weil die Beschwerden am Anfang oft nicht eindeutig sind. Auch bei der Suche nach wirksamen Behandlungen hatten Ärzte und Wissenschaftler jahrzehntelang nur wenig Erfolg. Manche Forscher gaben deshalb sogar auf. Inzwischen gibt es aber Grund zur Hoffnung. Beim Jahreskongress der amerikanischen Gesellschaft für Onkologie (ASCO) in Chicago wurde vor Kurzem eine Studie zu einem neuen, möglicherweise sehr wirksamen Medikament vorgestellt. Daraxonrasib blockiert den sogenannten KRAS-Signalweg. Bei mehr als 90 Prozent der Bauchspeicheldrüsenkrebs-Erkrankungen ist dieser Signalweg durch eine Mutation verändert. Dadurch ist ein genetischer „Schalter“ ständig eingeschaltet. Das führt dazu, dass sich die Krebszellen weiter vermehren. Bisher waren nur wenige Medikamente bekannt, die bestimmte, sehr seltene Varianten von KRAS blockieren konnten. Daraxonrasib ist dagegen möglicherweise gegen verschiedene KRAS-Genvarianten wirksam.
Impfung getestet
An der klinischen Studie nahmen 500 Patienten teil. Im Vergleich zu einer normalen Chemotherapie zeigte sich eine deutliche Verbesserung: Die durchschnittliche Gesamtüberlebenszeit stieg bei den Patienten, die das Medikament als Tablette einnahmen, von 6,7 Monaten auf 13,2 Monate. Das entspricht ungefähr einer Verdoppelung.
Auch die Zeit, bis sich die Krankheit weiterentwickelte, verlängerte sich: von durchschnittlich 3,5 Monaten auf 6,7 Monate. Die Forschung zu Möglichkeiten, Krebs mit KRAS-Mutationen zu behandeln oder zu verhindern, läuft weiter auf Hochtouren. Die Impfung wurde bei zwölf Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs getestet. Bei allen war der Tumor bereits in einem frühen Stadium entdeckt und mit dem Ziel einer Heilung operativ entfernt worden. Danach erhielten die Patienten eine Immuntherapie und die Impfung. Nach einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von etwa drei Jahren waren vier der zwölf Patienten weiterhin ohne Rückfall. Bei zehn von zwölf Patienten konnte außerdem eine Reaktion des Immunsystems auf den Impfstoff festgestellt werden.
Risiko erkennen
Der Impfstoff wurde außerdem bei 20 Menschen untersucht, die ein besonders hohes Risiko hatten, an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken. In dieser Phase-I-Studie erhielten die Teilnehmer insgesamt vier Impfungen. Bei 18 Personen mit Vorstufen der Krankheit zeigte sich eine spezielle Immunreaktion gegen KRAS. Innerhalb eines Jahres erkrankte keiner der Teilnehmer an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Bei fünf Teilnehmern bildeten sich außerdem potenziell gefährliche Zysten in der Bauchspeicheldrüse wieder zurück. Damit diese Strategie in Zukunft eingesetzt werden kann, müssen Ärzte allerdings Menschen erkennen können, die ein besonders hohes Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs haben.
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