Mund & Zähne

Gummy Smile

Ein sogenanntes Gummy Smile ist meist harmlos, kann Betroffene aber ästhetisch stark belasten. Was hinter dem Zahnfleisch­lächeln steckt und welche Möglichkeiten es zur Behandlung gibt, erklärt Zahnarzt Dr. Omar.

Von Michaela Neubauer

Dr. Omar,
Zahnarzt
www.azzawizahnaesthetik.at

Was ist ein Gummy Smile und wie entsteht es?

Ein sogenanntes Gummy Smile, im Deutschen oft Zahnfleischlächeln genannt, beschreibt ein optisches Merkmal, bei dem beim Lächeln im Verhältnis zu den Zähnen ungewöhnlich viel Zahnfleisch sichtbar wird. Dadurch wirkt das Zusammenspiel von Lippen, Zähnen und Zahnfleisch oft verschoben und die Zähne erscheinen kleiner, als sie tatsächlich sind. Meiner Erfahrung nach ist das in den meisten Fällen reine Veranlagung.

Die Ursachen können sehr unterschiedlich sein. Häufig sind die Zähne selbst beteiligt, wenn sie nicht vollständig aus dem Zahnfleisch heraus­gewachsen sind und dadurch Teile der Zahnkrone verdeckt bleiben. Eine weitere häufige Ursache ist eine sehr aktive oder kurze Oberlippe, die beim Lächeln stärker nach oben gezogen wird. Auch die Knochenstruktur spielt eine Rolle: Ist der Oberkiefer genetisch bedingt länger oder stärker ausgeprägt, wird automatisch mehr Zahnfleisch sichtbar.

Welche Arten des Gummy Smile gibt es?

Grundsätzlich unterscheiden wir nach dem Bereich, in dem das Zahnfleisch sichtbar wird, und nach der Ursache. Beim vorderen Zahnfleischlächeln sieht man vor allem im Bereich der Schneide- und Eckzähne mehr Zahnfleisch. Beim seitlichen Zahnfleischlächeln betrifft es eher die Bereiche weiter hinten bei den Backenzähnen.

Kommen beide Formen zusammen, spricht man von einem gemischten oder vollständigen Zahnfleischlächeln. Zusätzlich unterscheiden wir zwischen zahnbedingten, lippenbedingten und kieferbedingten Formen – und genau diese Ursache entscheidet später über die Therapie.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache. Wenn die Zähne zu stark vom Zahnfleisch bedeckt sind, kann überschüssiges Gewebe in einem kleinen Eingriff entfernt werden. Dadurch werden die natürlichen Zahnkronen freigelegt und die Zähne wirken sofort länger. Liegt die Ursache an einer überaktiven Oberlippe, kommen oft muskelentspannende Injektionen zum Einsatz, die die Hebebewegung der Lippe reduzieren. Als dauerhafte Alternative kann die Lippe chirurgisch etwas tiefer fixiert werden. Sind Zahnfehlstellungen verantwortlich, kann eine Zahnspange helfen, die Zähne neu auszurichten. Bei stark ausgeprägten Fällen mit verändertem Oberkieferwachstum bleibt oft nur eine kieferchirurgische Lösung, um die Knochenstruktur zu verändern.

Wie bereitet man sich auf die Behandlung vor und was ist danach wichtig?

Die Vorbereitung und Nachsorge hängen stark von der gewählten Behandlungsmethode ab. Grundsätzlich erfolgt vor jeder Behandlung eine genaue Untersuchung bei Zahnärztin, Zahnarzt oder Kieferorthopädin, -orthopäden, häufig ergänzt durch Fotos, Röntgenbilder oder Abdrücke, um die Ursache – also Lippen, Zähne, Zahnfleisch oder Kiefer – eindeutig zu bestimmen. Eventuelle Entzündungen im Mundraum sollten vorab behandelt werden, bei Zahnfleischkorrekturen wird häufig zusätzlich eine professionelle Zahnreinigung empfohlen. Nach Zahnfleischkorrekturen empfehlen wir weiche Nahrung, vorsichtige Mundpflege und das Vermeiden heißer Speisen. Nach muskelentspannenden Injektionen sollte man für etwa 24 Stunden auf Sport, Sauna und starke Belastung verzichten. Bei größeren Eingriffen dauert die Heilung entsprechend länger.

Ist der Eingriff mit Risiken verbunden?

Prinzipiell stellt jede Behandlung einen Eingriff in den Körper dar und jede Methode bringt eigene Risiken mit sich. Nach Zahnfleischkorrekturen kann es zu Schwellungen, Schmerzen oder Nachblutungen kommen. Wird zu viel Gewebe entfernt, können empfindliche Zahnhälse freigelegt werden. Bei muskelentspannenden Injektionen besteht das Risiko einer asymmetrischen Wirkung oder vorübergehender Einschränkungen beim Sprechen oder Essen. Zudem besteht bei jeder Form von chirurgischem Eingriff im Mundraum immer das allgemeine Risiko von Wundinfektionen durch Bakterien, von unschöner Narbenbildung oder dass das Ergebnis nicht den optischen Erwartungen entspricht.

Wie nachhaltig sind die Ergebnisse?

Das hängt stark von der Methode ab. Muskelentspannende Injektionen halten meist nur vier bis sechs Monate und müssen wiederholt werden. Deutlich nachhaltiger sind Zahnfleischkorrekturen, weil entfernte Gewebe­anteile meist nicht wesentlich nachwachsen. Auch Lippenoperationen halten oft viele Jahre. Absolut dauerhaft und damit am nachhaltigsten sind die Ergebnisse einer echten Kieferoperation oder einer abgeschlossenen Zahnspangenbehandlung, da hierbei die knöcherne Basis des Gesichts oder die Stellung der Zähne im Kiefer physisch und unumkehrbar verändert wurden, sodass sich das Skelett nach der Heilung nicht mehr von allein in den alten Zustand zurückverschiebt. 


Fotos: zvg, istockphoto: fokusgood

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