Mund & Zähne

Zahn-Mythen auf dem Prüfstand

Rund um das Thema Zahngesundheit ranken sich zahlreiche Mythen. Was stimmt wirklich – und was kann den Zähnen sogar schaden? Zahnärztin Dr. Kristina Worseg klärt auf.

Dr. Kristina Worseg

Sollte man nach dem Essen sofort die Zähne putzen?

Nein. Das ist ungefähr so sinnvoll, wie erst nach dem Sonnenbad die Sonnencreme aufzutragen. Nach dem Essen – vor allem nach säurehaltigen Speisen – ist der Zahnschmelz kurzfristig aufgeweicht. Das Fluorid in der Zahnpasta wirkt wie ein Schutzschild, aber es braucht Zeit, um diesen Schutz aufzubauen. Wer sofort putzt, läuft Gefahr, den angegriffenen Zahnschmelz regelrecht abzuschmirgeln. Deshalb ist es sinnvoll, etwa 20 bis 30 Minuten zu warten, bevor zur Zahnbürste gegriffen wird.

Sind zuckerfreie Getränke automatisch harmlos für die Zähne?

Nicht unbedingt. Es gilt: Je chemischer ein Getränk ist, desto schlechter ist es meist für die Zähne. Entscheidend ist nicht nur der Zuckergehalt, sondern vor allem der Säuregehalt eines Getränks. Während Zucker erst durch die Kariesbakterien im Mund in Säure umgewandelt wird, enthalten viele Getränke – insbesondere Limonaden – bereits zugesetzte Säuren, die den Zahnschmelz direkt angreifen. Auch Früchtetees oder Weißwein können zu sauer für die Zähne sein. Wie überall gilt: Alles mit Maß und Ziel. Wenn Sie gerne Limonaden trinken, dann mit Genuss und in kurzer Zeit, denn besonders schädlich für die Zähne ist, wenn die Säure mehrfach über den Tag verteilt einwirkt.

Ist Mundwasser ein Muss für gesunde Zähne?

Eine Mundspülung ist immer als „Add on“ zu sehen, nicht als Ersatz. Anders als in der Werbung dargestellt, kann eine Mundspülung keine Bakterien von den Zähnen lösen, sondern immer nur Wirkstoffe in den Mund bringen. Sie ersetzen also nicht die mechanische Reinigung durch Bürste und Zahnseide. Wichtig ist zudem die Zusammensetzung: Alkoholfreie Produkte sind zu bevorzugen, und auch stark antibakterielle Lösungen sollten nicht dauerhaft verwendet werden, um das natürliche Gleichgewicht des Mund­mikrobioms nicht zu stören.

Kommt hartnäckiger Zahnbelag immer von schlechter Pflege?

Nicht zwingend – aber häufig. Zahnbelag entsteht durch Bakterien, die sich auf den Zähnen ansiedeln. Wird dieser nicht vollständig entfernt, kann er sich mit Mineralien aus dem Speichel verbinden und zu Zahnstein verhärten. Besonders betroffen sind schwer zugängliche Stellen. Ist Zahnstein einmal entstanden, lässt er sich zu Hause nicht mehr wegputzen und muss professionell beseitigt werden.

Sind elektrische Zahnbürsten wirklich besser als Handzahnbürsten?

Hier fällt die Antwort klar aus: ja. Mit dem Auto komme ich auch schneller und besser ans Ziel als mit der Pferdekutsche. Die elektrische Zahnbürste nimmt uns komplizierte Mikrobewegungen einfach ab. Mit ihr muss ich den Bürstenkopf nur noch an den Zahn halten, nicht rütteln und ausstreichen. Dadurch werden typische Fehler bei der Putztechnik reduziert. Das kann zu einem insgesamt besseren Putzergebnis führen.

Erkennt man Zähneknirschen sofort?

Nicht unbedingt. Viele Menschen knirschen im Schlaf und merken selbst nie etwas, andere wachen mit Verspannungen und Kopfschmerzen auf. Wichtig ist, dass Knirschen immer Schäden an der Zahnsubstanz machen kann, daher wird eine Knirscherschiene empfohlen. Wenn es zu Begleiterscheinungen wie Migräne, Nackenschmerzen oder Ähnlichem kommt, können diese mittels Physiotherapie und manchmal sogar Botox behandelt werden.

Reinigen harte Borsten besser als weiche?

Theoretisch reinigen sie besser, sie machen aber auch mehr kaputt. Sie können zwar Beläge effizient entfernen, bergen jedoch ein höheres Risiko für Schäden am Zahnschmelz und am Zahnfleisch. Für die tägliche Pflege gilt daher: so gründlich wie nötig, aber so schonend wie möglich. Weiche bis mittlere Borsten sind daher die bessere Wahl.

Ist Karies ansteckend?

Karies entsteht durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Zucker, Zeit, Zahnstruktur – und Bakterien. Letztere, wir gehen davon aus, dass es Streptokokkus mutans ist, werden natürlich von Mensch zu Mensch übertragen und dadurch gehört Karies zu den ansteckenden Krankheiten. Ob sie tatsächlich entsteht, hängt jedoch stark von den individuellen Lebensgewohnheiten und der Mundhygiene ab.


Fotos: zvg, istockphoto/ Aleksei Naumov

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