Warum Speichel ein wahres Wundermittel für unsere Zähne und die gesamte Mundgesundheit ist, erklärt Dr.-medic stom. (RO) Diana Svoboda MSc, MSc, ärztliche Leiterin der diPura Zahnklinik Essen.
Die Speichelproduktion kann man selbst positiv beeinflussen, indem man zum Beispiel zuckerfreie Kaugummis kaut.
Warum ist Speichel so wichtig für die Mundgesundheit?
Speichel erfüllt eine ganze Reihe von Funktionen, die wir im Alltag kaum wahrnehmen, die aber lebensnotwendig sind. Er neutralisiert Säuren, die durch Bakterien oder Nahrungsmittel entstehen, und trägt zur Remineralisierung des Zahnschmelzes bei. Zudem enthält er Abwehrstoffe wie Antikörper, Enzyme oder Lactoferrin, die Krankheitserreger unschädlich machen und die Wundheilung im Mund beschleunigen. Auch beim Kauen und Schlucken spielt Speichel eine Schlüsselrolle, und er ermöglicht uns, Geschmäcker überhaupt wahrzunehmen. Mit rund einem bis eineinhalb Litern Speichel, die der Körper täglich produziert, legen wir den Grundstein für eine gesunde Mundflora und damit auch für unsere allgemeine Gesundheit.
Was sagt unser Speichel über uns aus?
Wissenschaftlich betrachtet ist Speichel hochinteressant. Er besteht zu 99 Prozent aus Wasser, enthält aber ein komplexes Gemisch aus Elektrolyten, Enzymen, Hormonen, Antikörpern und Proteinen. Diese Zusammensetzung erklärt seine vielfältigen Eigenschaften: vom Schutz der Zähne über die Unterstützung der Verdauung bis hin zur Immunabwehr. Wie eine Studie der National Institutes of Health in den USA zeigt, kann Speichel auch als diagnostisches Hilfsmittel dienen. Anhand bestimmter Biomarker lassen sich Risiken für Karies, Parodontitis oder sogar systemische Erkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen frühzeitig erkennen.
Auch Stresshormone wie Cortisol können im Speichel nachgewiesen werden. Und nicht zuletzt haben uns die letzten Jahre gezeigt, wie wertvoll Speicheltests beim Nachweis von Viren sein können.
Viele Menschen klagen über Mundtrockenheit. Welche Folgen hat das?
Oftmals bemerken viele erst bei Mundtrockenheit, wie wichtig ein ausreichender Speichelfluss tatsächlich ist. Patientinnen und Patienten, die zum Beispiel nach einer Krebsbehandlung oder aufgrund chronischer Erkrankungen zu wenig Speichel produzieren, leiden erheblich: Sprechen, Schlucken oder sogar Schlafen wird mühsam, die Schleimhäute werden empfindlich, und das Risiko für Karies oder Zahnfleischerkrankungen steigt massiv. Hinzu kommt, dass die Zahnpflege oft vernachlässigt wird, weil Zähneputzen dann schmerzhaft sein kann.
Kann man die Speichelproduktion beeinflussen?
Ja, durchaus! Indem man ausreichend viel und regelmäßig trinkt, zwischendurch zuckerfreie Kaugummis kaut und auf eine ausgewogene Ernährung achtet, kann der Speichelfluss angeregt werden. Auch auf Alkohol und Nikotin sollte man verzichten, da diese die Speichelproduktion hemmen. Wer dauerhaft unter Mundtrockenheit leidet, sollte unbedingt eine Zahnärztin oder einen Zahnarzt aufsuchen, damit wir gezielt helfen können. Bestandteile des Speichels bilden einen natürlichen Biofilm auf den Zähnen.
Dieser schützt einerseits den Zahnschmelz, dient andererseits aber auch als Grundlage für bakteriellen Zahnbelag, also Plaque. Wird dieser Belag nicht regelmäßig durch gründliches Putzen und professionelle Prophylaxe entfernt, können Karies und Parodontitis entstehen. Deshalb ist es wichtig, den Speichelfluss durch gesunde Gewohnheiten zu fördern, aber gleichzeitig auf eine konsequente Mundhygiene zu achten. Nur so bleibt das empfindliche Gleichgewicht erhalten. Mein Rat: Unterschätzen Sie nicht die Bedeutung des Speichels. Denn ohne ihn wäre ein gesundes, strahlendes Lächeln kaum möglich.
fotoS: Pulkowski/Unversitätsmedizin Mainz, istockphoto/ inyul