Tierisch gesund

Juckreiz auf vier Pfoten

Allergien bei Hund und Katze sind häufig – werden aber oft spät erkannt. Auf welche Symptome es zu achten gilt und wie moderne Tiermedizin helfen kann.

Dr. med. vet. Christa Horvath-Ungerböck
„Ein häufiger Fehler ist, einfach ein Protein wegzulassen. Das funktioniert so nicht.“

Allergien zählen heute zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Haustieren. Dr. med. vet. Christa Horvath-Ungerböck, Fachtierärztin für Dermatologie an der Vetmed, gibt Einblick in Ursachen, Symptome und Therapien. „Wir sehen deutlich mehr allergische Hunde als Katzen. Das heißt aber nicht, dass Katzen weniger allergisch sind – nur dass viele Katzenbesitzer seltener mit ihren Tieren zur Tierärztin oder zum Tierarzt fahren“, erklärt
Horvath-Ungerböck. Bei Hunden dominiert die canine atopische Dermatitis (CAD), eine Umweltallergie gegen Pollen, Gräser, Beifuß, Ragweed oder Hausstaubmilben. Diese kann saisonal oder ganzjährig auftreten. Daneben spielen Futtermittelunverträglichkeiten und die Flohspeichelallergie (FAD) eine wichtige Rolle.

Nächtliches Schlecken als Alarmsignal

Das wichtigste Warnsignal ist laut der Expertin eindeutig: Juckreiz. „Typisch sind das Pfotenlecken, Kratzen an Achseln, Reiben im Gesicht oder Benagen der Innenschenkel oder der Schwanzunterseite.“ Viele Besitzerinnen und Besitzer merken erst spät, dass dies kein normales Verhalten ist. „Ganz oft wissen Besitzerinnen und Besitzer nicht, dass nächtliches Pfotenlecken kein Putzen, sondern ein Ausdruck von massivem Juckreiz ist“, betont Horvath-Ungerböck. Manche Tiere zeigen statt Hautproblemen ausschließlich wiederkehrende Ohrenentzündungen, ein- oder beidseitig.

Futter oder Umwelt – wo liegt der Unterschied?

Die Symptome können sich überschneiden. Rund 35 Prozent der futtermittel­allergischen Tiere zeigen ähnliche Beschwerden wie Umweltallergiker:
Juckreiz, Otitiden, Pfotenlecken. Der Unterschied liegt oft im Verlauf.

„Futtermittelallergien machen eher ganzjährige Probleme“, so die Dermatologin. Zusätzlich treten oft Magen-Darm-Symptome auf: Durchfall, weicher Kot, vermehrter Kotabsatz, Blähungen oder Erbrechen – bei Katzen häufiger als bei Hunden. Bei Verdacht auf eine Futtermittelallergie ist eine sechs- bis achtwöchige Eliminationsdiät der Goldstandard. Danach wird schrittweise provoziert, um den Auslöser zu identifizieren. „Ein häufiger Fehler ist, einfach ein Protein wegzulassen. Das funktioniert so nicht“, warnt Horvath-Ungerböck. Wichtig sei absolute Konsequenz: keine Tischreste, keine ungeeigneten Leckerlis – auch nicht in der Hundeschule.

Bei Umweltallergien kommen Allergietests (Intrakutantest oder Serumtest) zum Einsatz, mit dem Ziel einer allergenspezifischen Immuntherapie (ASIT). 

Mehr als Symptom-bekämpfung

Die ASIT gilt als wichtigste ursächliche Therapie bei atopischer Dermatitis. „Sie wird meist einmal monatlich subkutan verabreicht und ist oft lebenslang nötig – mit erstaunlich guten Erfolgen, teilweise besser als in der Humanmedizin.“

Ergänzend spielt die Pflege eine wichtige Rolle: regelmäßiges Pfotenwaschen, spezielle Shampoos, Hautpflegeprodukte, Omega-3-Fettsäuren und Ohrenpflege.  „Die meisten Allergien sind nicht heilbar, aber sehr gut kontrollierbar. Es gibt aber immer wieder Tiere, bei denen die Allergie nach einigen Jahren wieder verschwindet“, fasst Horvath-Ungerböck zusammen. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Medikamenten, die gut gegen Juckreiz wirken, weshalb die Tiere auch kaum mehr Sekundärinfektionen bekommen, die durch Schlecken und Kratzen entstehen. Mit konsequenter Pflege, moderner Therapie und – bei Futtermittelallergien – Allergenvermeidung können betroffene Tiere nahezu beschwerdefrei leben. „Wenn Besitzerinnen und Besitzer mit­arbeiten, können wir den Alltag für Tier und Mensch enorm erleichtern“, so die Dermatologin.


Fotos: Tina King, Istockphoto/ anna Bergbauer

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