Felltragende Tiere können mit ihren Hautschuppen und ihrem Speichel heftige Reaktionen auslösen. Doch eine Allergie ist kein Trennungsgrund: Mit der richtigen Diagnose und einem möglichst frühen Therapiebeginn kann ein weitgehend beschwerdefreies Miteinander gelingen.
Von Natascha Gazzari
„Katzenallergikern zu empfehlen, ihr Tier wegzugeben, bringt nichts außer psychische Belastungen für Mensch und Tier.“
Das beruhigende Schnurren seiner Katze ist für Julian das beste Anti-Stress-Mittel nach einem anstrengenden Arbeitstag. Doch seit einiger Zeit wird die allabendliche Kuschelstunde auf dem Sofa immer öfter durch heftige Niesattacken und gerötete, juckende Augen getrübt. Dass Julian im Frühling mit solchen Beschwerden zu kämpfen hat, ist er als Pollenallergiker gewöhnt, aber jetzt, mitten im Winter? Kann es sein, dass er plötzlich auf seinen eigenen
Stubentiger allergisch reagiert?
„Ja“, so die klare Antwort der Wiener Allergologin und HNO-Ärztin Priv.-Doz. Dr. Petra Zieglmayer. „Eine Tierhaarallergie entwickelt sich häufig als sekundäre Allergie im Verlauf eines Allergikerlebens.“ Leidet man – so wie Julian – bereits an einer Pollenallergie oder an einer Hausstaubmilbenallergie, ist das Immunsystem stärker auf Allergene programmiert und das Risiko für die Entwicklung einer Tierhaarallergie steigt. Die Symptome einer Tierhaarallergie sind jenen von anderen inhalativen Allergien sehr ähnlich und betreffen vorwiegend die Atemwege und die Augen. In selteneren Fällen kann der direkte Kontakt mit dem Tier auch Hautreaktionen sowie Müdigkeit und ein allgemeines Krankheitsgefühl verursachen.
Mehr als ein haariges Problem
Anders als der Name vermuten lässt, sind es nicht ausschließlich die Haare von Haustieren, die zu einer Allergie führen können, sondern auch Hautschuppen, Speichel, Urin oder Kot der Tiere. Konkret sind es darin enthaltene Proteine, die über die Luft verteilt werden und hartnäckig auf Möbeln, Teppichen und Kleidungsstücken haften. Treffen diese Allergene auf das Immunsystem einer sensibilisierten Person, kommt es zu den typischen allergischen Beschwerden. Hat man das Gefühl, dass es einen Zusammenhang zwischen dem engen
körperlichen Kontakt mit dem Haustier und den Symptomen gibt, sollte man der Sache auf den Grund gehen und einen Allergietest machen lassen. Um eine Allergie festzustellen, werden meist ein Hauttest (Prick-Test) und eine Blutuntersuchung auf spezifische IgE-Antikörper durchgeführt. „Bei sehr jungen Kindern wird vorwiegend auf der Haut getestet, da die Immunantwort im Blut eventuell noch nicht so ausgeprägt ist“, erklärt die Allergologin. Für den Prick-Test stehen grundsätzlich fertige Testlösungen zur Verfügung, wer jedoch wissen möchte, wie gut oder schlecht das eigene oder künftige Haustier vertragen wird, kann sich speziell darauf testen lassen. „Für diese individuelle Testung werden ausgebürstete Haare des jeweiligen Tieres in einem Lösungsmittel gelöst und anschließend auf die Haut aufgetragen“, erläutert Zieglmayer die Vorgehensweise. Die lokale Hautreaktion zeigt, ob und in welchem Ausmaß es zu einer allergischen Reaktion auf das Tier kommt. Von Allergietestungen ohne entsprechende Beschwerden rät die Medizinerin übrigens ab: „Viele Menschen sind auf die Allergene von Haustieren sensibilisiert und könnten somit ein positives Testergebnis bekommen. Entscheidend ist allerdings nicht das Testergebnis allein, sondern das Vorhandensein von Beschwerden. Gibt es Beschwerden, muss man ihnen nachgehen und testen, umgekehrt allerdings nicht.“
Therapie und training
Hat sich der Verdacht auf eine Tierhaarallergie bei der Testung bestätigt, sollten die Beschwerden entsprechend therapiert werden. Bleibt eine Tierhaarallergie unbehandelt, kann sich in weiterer Folge ein allergisches Asthma entwickeln. Um das zu verhindern und das Leben der Betroffenen zu erleichtern, kommt meist eine Kombination aus symptomatischer Therapie und Immuntherapie zum Einsatz. „Die Beschwerden lassen sich mit Antihistaminika in Tablettenform oder als Sprays und mit Kortison-Nasensprays lindern. Für eine langfristige Besserung braucht es allerdings ein Umtrainieren des Immunsystems“, so Zieglmayer. Die spezifische Immuntherapie, die meist als Spritzen, seltener in Tropfenform durchgeführt wird, zielt darauf ab, das Immunsystem schrittweise an die Allergene zu gewöhnen. Die Therapie ist hochwirksam, erfordert allerdings ein gewisses Durchhaltevermögen. Die Injektionen werden über einen Zeitraum von drei Jahren einmal pro Monat verabreicht, die Tropfen müssen drei Jahre lang täglich genommen werden. „Erste Verbesserungen stellen sich meist nach drei Monaten ein, nach einem halben Jahr sollten sich die Beschwerden soweit reduziert haben, dass man kaum noch Allergiemedikamente braucht.“
Gesundes Maß an Hygiene
Eine Allergenvermeidung ist grundsätzlich auch bei der Tierhaarallergie empfohlen, jedoch nur bedingt umsetzbar. Wurde allergischen Haustierbesitzern früher noch dringend empfohlen, sich der eigenen Gesundheit zuliebe vom felligen Mitbewohner zu trennen, wird das Thema heute differenzierter betrachtet. „Auch im öffentlichen Raum – besonders in Schulen und Kindergärten – ist die Allergenbelastung teilweise beträchtlich. Man kann sich der Belastung also nie völlig entziehen, selbst, wenn man das eigene Tier weggeben würde“, weiß die Allergologin. „Katzenallergikerinnen und -allergikern zu empfehlen, ihr Tier wegzugeben, bringt nichts außer psychische Belastungen für Mensch und Tier“, ist die Ärztin überzeugt. Durchaus sinnvoll ist es laut Petra Zieglmayer jedoch, das Haustier regelmäßig zu bürsten, um Haare und Hautschuppen zu entfernen. Auch das Abwischen und Abfrottieren des Tieres mit einem nebelfeuchten Mikrofasertuch kann dazu beitragen, die Allergenbelastung zu reduzieren. Allergikerinnen und Allergiker sollten außerdem darauf verzichten, mit dem Haustier das Bett zu teilen. Luftfiltergeräte können dabei helfen, schwebende Allergene aus der Raumluft zu filtern und allergische Symptome zu lindern.
Wussten Sie schon …?
… dass man nicht nur auf felltragende Tiere – allen voran Katze, Hund, Meerschweinchen und Kaninchen – allergisch reagieren kann, sondern auch auf Vögel oder Reptilien?
Da man mit felltragenden Tieren jedoch in der Regel einen viel engeren körperlichen Kontakt hat, geht von ihnen ein besonders hohes Allergiepotenzial aus. Beim Streicheln, Spielen oder Schmusen kommen Haut und Atemwege in direkten Kontakt mit den Allergenen.
Darüber hinaus werden die Allergene von Hund, Katze & Co bei der Fellpflege und bei Bewegungen in der Luft verwirbelt und haften besonders gut und lange an Möbelstücken, Teppichen und Kleidungsstücken.
Fotos: Caro Strasnik, istockphoto/macrovector