Parasiten gehören zu den häufigsten Gesundheitsrisiken im Alltag von Haustieren – und sind aufgrund von internationalem Tierschutz, Urlaubsreisen und klimatischen Veränderungen immer weiter im Steigen.
„Parasiten außerhalb des Darms sind meist belastender und therapeutisch anspruchsvoller.“
Würmer sind streng genommen ein Spezialfall von Parasiten“, erklärt Priv.-Doz. Dr. med. vet. Michael Leschnik, Experte für Neurologie und Infektionskrankheiten. Bei Hunden und Katzen denkt man dabei vor allem an Spul- oder Bandwürmer im Darm. Typische Symptome sind Durchfall, Erbrechen oder Gewichtsverlust, manchmal sind Würmer sogar im Kot sichtbar. Viele dieser Darmparasiten lassen sich mit gängigen Entwurmungspräparaten gut behandeln. Der Begriff „Parasiten“ umfasst jedoch mehr: Auch Einzeller wie Giardien gehören dazu. Sie leben ebenfalls im Darm und können Durchfall auslösen, die Haustiere bleiben aber oft symptomlos. „Häufig sind diese Erreger vorhanden, ohne dass das Tier
klinische Anzeichen zeigt“, so Leschnik.
Befall von Herz, Lunge und Blut
Ernster wird es, wenn Parasiten Organe oder Blut befallen. Herzwürmer siedeln sich im Herz-Kreislauf-System an und führen zu Husten, Kurzatmigkeit und Leistungsabfall. Blut- und Gewebeparasiten wie Leishmanien oder Ehrlichien können Fieber, Hautprobleme, Blutarmut und Gewichtsverlust verursachen. „Parasiten außerhalb des Darms sind meist belastender und therapeutisch anspruchsvoller“, betont Leschnik.
Wie kommt es zur Ansteckung?
Die Infektionswege hängen von der Lebensweise des Haustieres ab. Freigängerkatzen stecken sich häufig über Beutetiere an, Hunde über Kotkontakt, Schnüffeln oder rohes Fleisch. Auch eine Übertragung von der Mutter auf Welpen ist möglich. Eine wichtige Rolle spielen sogenannte Vektoren – also Zecken, Flöhe und Stechmücken. Sie übertragen bestimmte Erreger direkt ins Blut des Tieres. Viele Hunde und Katzen stammen heute aus dem internationalen Tierschutz in Süd- und Osteuropa. „Importierte Haustiere sollten bei Ankunft untersucht und mindestens sechs Monate später erneut getestet werden“, empfiehlt Leschnik. Der Grund: Manche Tiere infizieren sich kurz vor der Ausreise und sind anfangs noch negativ. Zu den häufigsten sogenannten Importerkrankungen zählen Leishmaniose, Ehrlichiose, Babesiose sowie die Herzwurmerkrankung. Auch Hunde, die ihre Familie in den Urlaub begleiten, können sich in südlichen Ländern infizieren. Eine rechtzeitige tierärztliche Beratung vor Reiseantritt ist daher sinnvoll.
Risiko für Menschen
Einige Parasiten von Hund und Katze sind Zoonosen, also potenziell auf den Menschen übertragbar. Das Risiko entsteht meist indirekt – etwa über Mücken, Zecken oder verunreinigte Umweltbereiche. Der Klimawandel begünstigt die Ausbreitung von Zecken- und Mückenarten, wodurch sich auch parasitäre Erkrankungen zunehmend nach Mitteleuropa verlagern. Erste autochthone Fälle einzelner Erkrankungen zeigen, dass diese Entwicklung bereits begonnen hat. Gerade in Haushalten mit Kindern oder immungeschwächten Personen ist daher auf konsequente Kotbeseitigung und allgemeine Hygienemaßnahmen zu achten.
Diagnose und Therapie
Zur Diagnostik stehen Kotuntersuchungen, Bluttests und spezielle Schnelltests zur Verfügung. Allerdings gilt: Eine negative Kotprobe schließt einen Parasitenbefall nicht mit Sicherheit aus, da nicht alle Erreger kontinuierlich ausgeschieden werden. Therapeutisch kommen je nach Erreger unterschiedliche Medikamente zum Einsatz – von klassischen Entwurmungspräparaten bis hin zu komplexen Langzeittherapien bei systemischen Infektionen. Während viele Darmparasiten vollständig eliminiert werden können, ist bei einigen Erkrankungen – etwa der Leishmaniose – häufig eine langfristige Kontrolle statt vollständiger Heilung das Ziel.
Frühere Standardempfehlungen – einmal jährlich Impfung und Entwurmung – gelten heute als überholt. „Entwurmungsintervalle müssen individuell angepasst werden“, erklärt Leschnik. Faktoren wie Freigang, Jagdverhalten oder Auslandsaufenthalte bestimmen das Risiko. Für viele Hunde sind vier Entwurmungen pro Jahr sinnvoll, in Hochrisikofällen auch häufiger. Impfungen, regelmäßige Gesundheitschecks und eine individuelle Beratung durch die Haustierärztin oder den Haustierarzt bilden die Grundlage für ein wirksames Präventionskonzept.
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