Tierisch gesund

Tierisch gut betreut

Der Sommer naht, viele Menschen planen ihren Urlaub – und stehen dabei vor der Frage, wer sich in dieser Zeit um ihren Hund kümmert. Doch nicht nur Reisen, auch der Berufs-alltag macht eine verlässliche Betreuung oft notwendig.

Gülen Kapla
„Ein Hund braucht nicht nur Bewegung,
sondern auch mentale Auslastung und Zeit.“
www.dietiernanny.at

Ein Hund ist treuer Begleiter, Familienmitglied und oft auch emotionaler Anker. Doch im hektischen Alltag vieler Menschen geraten seine Bedürfnisse schnell in den Hintergrund. Gülen Kaplan, Gründerin von „Die Tiernanny“ in Wien, setzt hier mit einem Betreuungskonzept an, das den Hund in den Mittelpunkt stellt. „Viele Menschen unterschätzen, wie sensibel Hunde auf Veränderungen reagieren“, erklärt Kaplan. Stress, Ortswechsel oder das plötzliche Fehlen vertrauter Bezugspersonen bringen viele Tiere aus dem Gleichgewicht. Das äußert sich nicht nur durch Unruhe oder Rückzug, sondern kann auch körperliche Folgen wie Magen-Darm-Probleme oder ein geschwächtes Immunsystem haben. Klassische Betreuungslösungen wie Tierpensionen bedeuten für viele Hunde zusätzlichen Stress: neue Umgebung, fremde Gerüche, unbekannte Tiere. „Der Hund versteht diese Situation nicht. Er verliert seine Orientierung und Sicherheit“, so Kaplan. Ihr Ansatz ist daher bewusst ein anderer: Die Betreuung findet im gewohnten Zuhause statt. „Der Hund bleibt in seiner Umgebung, seine Routinen bleiben erhalten. Das sorgt für Stabilität und reduziert Stress auf ein Minimum. Die meisten Tiere wirken nach der Rückkehr ihrer Besitzer ruhig und ausgeglichen – als hätte sich ihr Alltag kaum verändert.“

Verantwortung statt Nebenbei

Für Kaplan liegt ein zentrales Problem im Alltag vieler Hundehalter im fehlenden Bewusstsein für die tatsächlichen Bedürfnisse der Tiere. „Ein Hund braucht nicht nur Bewegung, sondern auch mentale Auslastung und Zeit, seine Umwelt zu erkunden.“ Schnüffeln etwa sei essenziell, werde aber oft vernachlässigt. Hinzu kommt: Viele Hunde sind täglich stundenlang allein. „Sie halten das aus – aber das bedeutet nicht, dass es ihnen gut geht.“ Verantwortung bedeute, sich ehrlich mit den eigenen Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Wer wenig Zeit hat, müsse sich Unterstützung holen. Auch falsche Fürsorge beobachtet Gülen Kaplan häufig: „Zuwendung wird oft durch Futter ersetzt. Das führt langfristig zu gesundheitlichen Problemen.“ 

Zusammenleben in der Stadt

Gerade im urbanen Raum wie Wien treffen unterschiedliche Bedürfnisse auf engem Raum aufeinander. Für Kaplan braucht es hier mehr Bewusstsein und klare Regeln. „Es kann nicht sein, dass Hunde vor Geschäften angebunden werden – oft bei Hitze, im Stress und mitten im Trubel. Das ist nicht nur gefährlich, sondern auch verantwortungslos. Hunde geraten in Panik, werden gestohlen oder sind solchen Situationen schlicht nicht gewachsen. Hier braucht es klare Regeln und auch mehr Kontrolle.“ Gleichzeitig fordert sie bessere Rahmenbedingungen: ausreichend Hundezonen, Schattenplätze, Wasserstellen und eine funktionierende Infrastruktur.

Auch im täglichen Miteinander sieht sie Potenzial: „Nicht jeder Hund ist in der Stadt entspannt. Gerade in engen Gassen oder auf schmalen Wegen hilft es, auszuweichen oder Abstand zu schaffen.“ Ebenso bedeutsam ist Zivilcourage: Wenn ein Tier schlecht behandelt wird, sollte man nicht wegsehen, sondern aufmerksam bleiben und im richtigen Moment handeln. Tiere haben keine Stimme – deshalb liegt es an uns, Verantwortung zu übernehmen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Chip-Pflicht. „Ein Chip allein reicht nicht – entscheidend ist die Registrierung“, betont Kaplan. Sie selbst habe schon mehrfach freilaufende Hunde gesichert und zum Tierarzt gebracht, um den Chip auslesen zu lassen. In den meisten Fällen waren die Tiere jedoch nicht registriert. Das bedeutet: Kein Besitzer auffindbar, kein Zuhause zuordenbar – und der Hund muss ins Tierheim gebracht werden. „Für das Tier ist das ein enormer Stress, der oft vermeidbar wäre.“

Sicherheit und Vertrauen

Für berufstätige Hundebesitzer ist eine verlässliche Betreuung oft unverzichtbar. Kaplan übernimmt genau diese Rolle. Spaziergänge, Fütterung, Zuwendung: „Auch das Kuscheln gehört dazu, weil es vielen Hunden im Alltag fehlt.“ Währenddessen erhalten die Besitzer Fotos und Videos. „Und was ich dabei immer wieder erlebe, ist unglaublich: Die Menschen sind so dankbar und gleichzeitig erleichtert. Sie können sich auf ihre Arbeit konzentrieren, ohne ständig daran zu denken, wie es ihrem Hund geht. Ohne Sorge, ob er Stress hat, ob er aushalten muss oder ob etwas passiert ist. Diese Entlastung ist enorm – und genau das macht professionelle Betreuung so wertvoll.“


Fotos: zvg, Istockphoto/ grivina

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