Laserbehandlung beim Zahnarzt

Juni 2008 | Medizin & Trends

Dem Laser auf den Zahn gefühlt
 
Immer mehr Zahnärzte setzen auf den Laser bei der Vorbeugung und Behandlung verschiedener Zahnerkrankungen. Und Patienten, die schon beim bloßen Anblick eines Bohrers in Schweiß ausbrechen, können in bestimmten Fällen von der sanften Alternative profitieren. MEDIZIN populär über die Vor- und Nachteile der Methode.
 
Von Mag. Alexandra Wimmer

„Laser ist nicht gleich Laser“, betont DDr. Franziska Beer, Fachärztin für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie Fachärztin für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Wien. „Sehr häufig ist damit eine Softlasertherapie gemeint, die nur begrenzt wirksam ist.“ Softlaser wirken schmerzdämpfend, entzündungshemmend und fördern den Heilungsprozess, sie eignen sich aber nicht für chirurgische Eingriffe oder als Ersatz für den oft gefürchteten Bohrer. Im Gegensatz zu den Softlasern kommen Hard-Lasergeräte vielfältig zum Einsatz – auch an Stelle von Skalpell oder Bohrer.

Keimfrei und schmerzarm
Einer der wichtigsten Vorzüge des Hard-Lasers ist laut Expertin Beer seine stark keimtötende Wirkung. Durch den Laserstrahl wird in Folge die Gefahr von Entzündungen verringert und die Wundheilung verbessert. Weil der Laserstrahl kleine Blutgefäße versiegelt, werden Blutungen rasch gestillt – es kann steril und besonders genau behandelt werden.
Der Laser arbeitet zudem geräuscharm und berührungslos und überträgt im Gegensatz zu einem Bohrer keine Vibrationen auf den Zahn – die gefürchteten Schmerzen, oftmals bedingt durch die Vibrationen, fallen weg. Meist bleibt den Patienten dadurch auch die Betäubungsspritze erspart. Zahnmediziner verwenden die vielseitigen High-Tech-Laser immer öfter – zur Vorbeugung sowie zur Behandlung verschiedener Zahnerkrankungen.

Zahnfleischschwund stoppen
Die Volkskrankheit Parodontitis, der Zahnfleischschwund, kann laut Beer mittels Laserlicht selbst im fortgeschrittenen Stadium gestoppt werden: „Mit Hilfe des Lasers werden die Bakterien, Mitverursacher der Parodontitis, abgetötet.“ Dabei gilt: Je früher in den Krankheitsverlauf eingegriffen wird, umso größer die Heilungschancen. Vor der Behandlung müssen unbedingt die Zahntaschen gereinigt werden. „Die Reinigung kann konventionell mit Ultraschall und Handgeräten erfolgen, es gibt mittlerweile auch dafür ein spezielles Lasergerät“, erklärt die Zahnärztin. Nach der Tiefenreinigung werden mittels direkter Laserbestrahlung die Krankheitserreger abgetötet. Nach etwa drei Behandlungen sei das Zahnfleisch entzündungsfrei, es fühle sich fester und straffer an. Mit der Zahnfleischsanierung gewinne auch der angegriffene Zahnknochen wieder an Substanz. Und die Kosten der Parodontitistherapie? „Es handelt sich dabei um eine Privatleistung, die von Arzt zu Arzt unterschiedlich viel kostet“, berichtet Beer. „Meist sind es zwischen 50 und 100 Euro pro Zahn.“

Kariesfreies Kauwerkzeug
Bei Kindern bewährt sich laut Zahnärztin Beer der fein gebündelte Lichtstrahl zur Kariesvorbeugung durch eine Fissurenversiegelung. Fissuren sind feine Furchen und Grübchen in den Backenzähnen, welche die Entstehung von Karies fördern. Bei der Versiegelung, die optimalerweise beim Durchbruch der Backenzähne erfolgt, werden die Fissuren mittels Laserenergie keimfrei gemacht und mit Licht härtendem Material hermetisch abgeschlossen. Hat sich bereits Karies angesiedelt, wissen nicht nur die kleinen Patienten eine schonende Kariesentfernung zu schätzen. „Weil der Laser keine Vibrationen verursacht, ist die Behandlung annähernd schmerzlos“, erläutert Beer. Die Lasermethode empfiehlt Beer auch werdenden Müttern. Gerade in der Schwangerschaft treten hormonbedingt oft Veränderungen oder Probleme an den Zähnen auf. „Besonders dann ist eine schmerzfreie Behandlung gefragt, weil Schmerzen die Wehentätigkeit fördern“, so die Zahnmedizinerin.

Bohren mit Licht
Auch in der Zahn- und Kieferchirurgie kommt der energiereiche Laserstrahl zum Einsatz: Das „Bohren mit Licht“ ermögliche etwa Schleimhautoperationen ohne Injektion, ohne Skalpell und ohne Blutung. „Mit dem Laser kann man überschießendes Zahnfleisch oder einen Blutschwamm, der sonst mit dem Messer weggeschnitten werden muss, entfernen“, erklärt Franziska Beer. Fest angewachsene Lippenbändchen, die manchmal einer Zahnregulierung im Weg sind, können schmerzfrei und unblutig getrennt werden. „Wenn ein Elternteil auch noch mithilft und die Lippe hält, muss ich als Ärztin das Kind nicht einmal berühren – das ist für die kleinen Patienten wesentlich stressfreier“, so die Ärztin. „Man erspart sich außerdem das Nähen. Das Ganze ist in 15 Sekunden vorbei.“ Mit dem richtigen Lasergerät könne auch der Kiefer bearbeitet werden – das Behandlungsspektrum reiche vom Abtragen des Knochens bis zur Freilegung von Implantaten. Weil der Laserstrahl Blutgefäße verschließt und somit Blutungen entgegenwirkt, können die Chirurgen besonders übersichtlich arbeiten.

Den Schmerz an der Wurzel packen
Der Laserstrahl wird auch bei Wurzelbehandlungen verwendet, etwa im Fall einer Zahnwurzeleiterung. Der haardünne Laserstrahl dringt durch den gereinigten Wurzelkanal bis zur Eiterung vor, die Keime an der Wurzelspitze werden abgetötet. Mitunter ist die Zahnwurzel bereits nach drei Behandlungen keimfrei. Chronische, massive Infektionen erfordern gelegentlich mehrere Sitzungen, so DDr. Beer. Bei frei liegenden, übersensiblen Zahnhälsen, die besonders bei Kälte ziehende Schmerzen verursachen, verschmilzt der Laserstrahl die offen liegenden feinen Kanälchen – der Schmerz wird nicht mehr weitergeleitet.

Blendend weisse Zähne
Das Aufhellen der Zähne, das Bleaching, ist – nicht zuletzt durch das blendend-weiße Strahlen von Filmstars und Models – eine zunehmend gefragte Methode. Laut Zahnmedizinerin Beer erfolgt das Bleichen mit dem Laser blitzartig, die Zahnoberfläche bleibe intakt. Rund 250 bis 500 Euro pro Kiefer kostet das Laser-Bleaching, das österreichweit nur von rund 50 Zahn­ärzten durchgeführt wird. Da die Anschaffung der Lasergeräte sehr kostspielig ist, wird die Hard-Lasertherapie generell nur in wenigen Zahnarztpraxen angeboten. Die Kosten sind von den Patienten privat zu tragen und variieren stark: Je nach Krankheitsart und -grad, eingesetztem Lasergerät und Behandlungsweise betragen sie 15 bis 1100 Euro pro Behandlung.

Laser versus Bohrer?
Hat ein Arzt in einen Hard-Laser investiert, kann er damit längst nicht jedes Zahnproblem bearbeiten. „Es gibt keinen Laser, mit dem man jede Behandlung durchführen kann, für die unterschiedlichen Einsatzgebiete braucht es unterschiedliche Wellenlängen“, erläutert Beer, die in ihrer Praxis mit vier verschiedenen Hard-Lasertypen arbeitet. Und in einigen Fällen bleibt der Bohrer das erste bzw. einzige Mittel der Wahl. „Zahnkronen müssen mit dem Bohrer präpariert werden, weil das mit dem Laser nicht so exakt möglich ist“, so die Zahnärztin. Amalgam- oder Goldfüllungen können grundsätzlich nicht mit dem Laser entfernt werden: Durch die Hitze des Laserstrahls würden sich dabei giftige Dämpfe entwickeln.

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Was heißt „Laser’’

Das Wort „Laser“ steht für „Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation“, zu Deutsch: Lichtverstärkung durch stimulierte Strahlungsemission. Je nach Lasertyp wird ein gebündelter energiereicher Lichtstrahl von unterschiedlicher Wellenlänge erzeugt, der in der Zahnheilkunde vielseitig genutzt wird. Möglichen negativen Auswirkungen des Laserstrahls wird vorgebeugt: Die Gefahr von Hitzeschäden am Zahn wird durch eine zusätzliche Kühlung ausgeschlossen, zum Schutz der Augen tragen Arzt und Patient eine Schutzbrille.

WEBTIPP:
Allgemeine Informationen inklusive Arztsuche: www.zahnlaser.at
     

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