Zahnpflege: So putzen Sie richtig

September 2009 | Medizin & Trends

Ratschläge über Zahnpflege gibt es mindestens so viele wie Borsten an einer Zahnbürste: Besser vor als nach dem Frühstück putzen, die Zahnpaste nicht vollkommen ausspülen, besser weiche als harte Zahnbürsten verwenden und vieles andere mehr. Für MEDIZIN populär haben Experten*) die gängigsten Ratschläge rund um die Zahngesundheit auf ihre Richtigkeit überprüft.
 
Von Bettina Benesch

Ratschlag Nr. 1
Elektrische Zahnbürsten putzen gründlicher als Handzahnbürsten

Falsch.
Handzahnbürsten stehen elektrischen Zahnbürsten in nichts nach – wenn man sie richtig benützt und sich ausreichend Zeit fürs Putzen lässt. Handzahnbürsten sind umweltfreundlich, leichter zu warten, zu entsorgen und sie brauchen keinen Strom. Wer keine elektrische Zahnbürste hat, muss sich auch keine zulegen. Ausnahmen gibt es jedoch: Patienten mit schwerer Arthritis z. B., die sich die Zahnpflege durch elektrische Zahnbürsten selbst erleichtern können. Wer sich grundsätzlich für Handzahnbürsten entschieden hat, sollte zu Bürsten mit kleinem Kopf greifen, da sie jeden Zahn gut erreichen.
Wer sich für eine elektrische Zahnbürste entscheidet, hat die Qual der Wahl: die einen haben schwingende Köpfe, die anderen rotierende. Unterschiedliche elektrische Zahnbürsten haben daher auch völlig unterschiedliche Reinigungswirkungen und Auswirkungen auf die Zahnsubstanz. Die Frage, welche zur individuellen Situation passt, beantwortet der Zahnarzt. Grundsätzlich gilt für elektrische Zahnbürsten dasselbe wie bei Handzahnbürsten: Wer sie falsch einsetzt, also mit großem Druck längere Zeit an derselben Stelle putzt, kann seinen Zähnen schaden.

Ratschlag Nr. 2
Lieber Zahnbürste mit weichen Borsten verwenden als mit harten

Richtig.
Werden die Borsten zu fest an Zähne und Zahnfleisch gedrückt und sind sie zu hart, können sie Schäden an der Zahnsubstanz und am Zahnfleisch verursachen. Es ist also sinnvoll, weiche oder mittlere Zahnbürsten zu verwenden und den Anpressdruck zusätzlich zu reduzieren. Auf diese Weise werden Zahnfleisch und Zahnhälse nicht geschädigt. Personen mit empfindlichem Zahnfleisch oder freiliegenden Zahnhälsen greifen besser nur zu weichen Zahnbürsten. In jedem Fall gilt: nicht schrubben, kreisende Bewegungen ausführen, und die Zahnbürste so halten, dass nur die Borsten-Enden die Zähne berühren.

Ratschlag Nr. 3
Zahnseide reinigt besser als Munddusche

Richtig.
Ungewachste Zahnseide gehört unbedingt zur täglichen Zahnpflege. Um die richtige Anwendung der Zahnseide zu lernen, ist es sinnvoll, sich vom Zahnarzt oder einem Dentalhygieniker schulen zu lassen.
Im Gegensatz zur Zahnseide entfernt die Munddusche bakterielle Beläge nicht. Und sie hat einen weiteren Nachteil: Werden die Zähne schlecht geputzt oder liegen schwere paradontale Erkrankungen vor, kann der Wasserdruck Bakterien in die Zahnzwischenräume schieben. Die Bakterien gelangen dann mitunter über die Blutbahn zu verschiedenen Organen, was zu weitreichenden Entzündungen führen kann. Das ist vor allem der Fall, wenn der Wasserdruck sehr hoch ist. Wer auf die Munddusche nicht verzichten möchte, kann sie nach dem Essen verwenden, um Speisereste aus den Zahnzwischenräumen zu spülen. Dabei ist es wichtig, mit leichtem Wasserdruck zu arbeiten.

Ratschlag Nr. 4
Zähne am besten nach dem Essen putzen, nicht davor

Falsch.
Zähne sollten vor dem Essen geputzt werden! Um Karies zu verhindern, müssen die Beläge entfernt werden – und diese Beläge bestehen im Grunde aus nichts anderem als aus Bakterien. Diese Bakterien bauen Nahrungsmittel ab, dabei entstehen Säuren, und die sind für die Kariesentstehung verantwortlich. Sind keine Beläge vorhanden, ist das Kariesrisiko praktisch nicht vorhanden.
Mit dem Essen nehmen wir auch Säuren zu uns, z. B. in Form von Obst oder Fruchtsäften. Diese Säuren lösen Kalk aus dem Zahnschmelz, was ihn weniger widerstandsfähig macht. Aber auch basische Lebensmittel produzieren mit dem Speichel Säure. Im ersten wie im zweiten Fall bedeutet das: Durch das nachfolgende Zähneputzen kann eine Schicht Zahnschmelz entfernt werden. Diese Schicht ist zwar äußerst dünn, durch jahrlanges Putzen nach dem Essen kann jedoch ein beträchtlicher Teil des Zahnschmelzes verloren gehen.
Also gilt: Stets vor dem Essen Zähne putzen oder mit dem Putzen bis mindestens zwei Stunden nach dem Essen warten. Wer dennoch das Gefühl hat, nach dem Essen die Zähne reinigen zu müssen, kann den Mund mit reinem Leitungswasser gut ausspülen. Um zu verhindern, dass Nahrungsreste über Nacht an den Zähnen haften, gibt es eine Ausnahme: Abends sollte nach dem Essen geputzt werden.

Ratschlag Nr. 5
Ein Zahnputzdurchgang sollte mehr als zwei Minuten dauern

Falsch.
Zwei Minuten sind genug, wenn jeder Zahn an seinen fünf Flächen ordentlich mit den dazugehörenden Hilfsmitteln wie Zahnzwischenraumbürste, Zahnseide etc. gereinigt wird. Für den Putzerfolg ist also nicht so sehr die Zeit, sondern die Qualität ausschlaggebend. Um zu testen, ob die Putzzeit ausreicht, ist es hilfreich, nach der Zahnpflege eine Färbetablette aus der Apotheke zu verwenden, um eventuell zurückgebliebene Beläge sichtbar zu machen.

Ratschlag Nr. 6
Die Zahnpaste nach dem Putzen nicht vollkommen ausspülen

Falsch.
Die Zahnpaste nach dem Putzen auszuspülen, ist sinnvoll und angenehm, ihre Inhaltsstoffe werden im Mund nur zur Reinigung und nicht darüber hinaus gebraucht. Zahnpaste hat im Wesentlichen drei Inhaltsstoffe: Fluor macht die Zähne widerstandsfähig gegen Karies, Reibstoffe entfernen Verfärbungen, und Geschmacksstoffe sorgen für den frischen Geschmack der Paste.
Ein Wort zu den Reibstoffen: Sie sind verschieden grob gekörnt; Raucherzahnpasten haben meistens sehr grobe Reibstoffe, Sensitiv-Zahnpasten sehr feine. Manche Hersteller definieren die Größe der Reibstoffe auf der Packung: Als Standard dafür gilt der so genannte RDA-Wert (Radioactive Dentin Abrasion). Mittelgroße Reibstoffe haben einen Wert um die 60 RDA, je niedriger dieser Wert ist, umso kleiner sind die Reibstoffe und umso geringer ist der Reibeffekt. Mit großen Partikeln lassen sich Verfärbungen an den Zähnen zwar wegputzen, sie verursachen jedoch auch Schäden an Zähnen und Zahnfleisch, wenn man sie lange Zeit intensiv benutzt.

Ratschlag Nr. 7
Vorsicht mit Whitening-Pasten, die Zähne besonders weiss machen sollen

Richtig.
Whitening-Zahnpasten enthalten Bleichmittel. Wer täglich hochkonzentriertes Bleichmittel verwendet, bekommt zwar weiße Zähne, schädigt jedoch gleichzeitig die Zahnsubstanz. Zahnärzte empfehlen sie deshalb nur begrenzt. Wer auf Whitening-Zahnpasten nicht verzichten möchte, sollte sich auf eine Anwendung pro Woche beschränken und darauf achten, nach dem Gebrauch der Paste keine färbenden Lebensmittel zu sich zu nehmen, also keinen Rotwein, Kaffee oder Tee: Whitening-Pasten machen den Zahnschmelz porös, die Farbstoffe lagern sich ein und es kommt zu dauerhaften Verfärbungen.

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