Trockene Augen ab 50

März 2009 | Medizin & Trends

Was tun gegen das Brennen und Jucken?
 
Es brennt und juckt, fühlt sich an, als wäre Sand in den Augen, und manchmal fließen auch Tränen: Das sind die typischen Symptome des „trockenen Auges“, einer Benetzungsstörung, die ab dem 50. Lebensjahr besonders häufig auftritt. Lesen Sie, warum das so ist, und was man dagegen tun kann.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Noch vor zehn, 20 Jahren war das Problem nahezu unbekannt, doch heute ist das „trockene Auge“, auch „Sicca-Syndrom“ genannt, eine der häufigsten Erkrankungen der Augen. Weltweit sind fünf bis 35 Prozent der Bevölkerung davon betroffen, und in Österreich klagt jeder dritte bis fünfte Patient, der einen Augenarzt aufsucht, über die typischen Symptome. Die Augen brennen und jucken, man hat ein Gefühl, als ob Sand in die Augen geraten wäre, ist lichtempfindlich, die Augen werden rot. Manche Betroffene wiederum klagen darüber, dass bei ihnen allzu leicht Tränen fließen. Mit Rührseligkeit hat das Problem aber nichts zu tun, vielmehr handelt es sich um eine klassische Überreaktion der Tränendrüsen auf die Austrocknung der Augenoberfläche.

Tränenflüssigkeit ändert sich

„Immer mehr Menschen werden immer älter, und das trockene Auge ist eben auch eine Alterserscheinung“, erklärt Univ. Doz. Dr. Jutta Horwath-Winter, Leiterin des Spezialbereichs für Benetzungsstörungen der Augenambulanz der Medizinischen Universität Graz, warum das Problem immer häufiger wird. Wegen der altersbedingten Veränderungen der Körperfunktionen und bei Frauen wegen der Hormonumstellung in den Wechseljahren wird oft schon ab dem 50. Lebensjahr auch die Produktion der Tränenflüssigkeit reduziert. Oder die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit verändert sich, wodurch der Tränenfilm das Auge nicht mehr ausreichend vor Trockenheit und den damit verbundenen Reizungen schützen kann. Was ebenfalls zur zunehmenden Verbreitung des Leidens führt: Immer mehr Menschen arbeiten am Computer-Bildschirm und/oder verbringen ihre Freizeit vor dem PC. Horwath-Winter: „Das belastet die Augen.“ Man blinzelt zu wenig und benetzt die Augen daher schlecht.

Unterschiedliche Ursachen

Computer-Arbeit, Wechseljahre und die Veränderungen, die das Älterwerden mit sich bringt, sind die häufigsten Ursachen für das Sicca-Syndrom. Aber auch Umwelteinflüsse stecken dahinter, wie eine starke UV-Bestrahlung, eine hohe Ozon-, Staub- und Feinstaubbelastung, Zigarettenrauch, Zugluft, trockene Luft sowie der Pollenflug, der auch Augen von Nicht­Allergikern zu schaffen macht. Weiters erhöhen verschiedene Medikamente wie Betablocker oder Antihistaminika und das Tragen von Kontaktlinsen das Risiko, an trockenem Auge zu erkranken. Das Syndrom kann aber auch mit anderen Erkrankungen einhergehen, wie mit Hauterkrankungen, die zu Veränderungen der Fettdrüsen am Lidrand führen. Zusätzlich können Diabetes, rheumatische Erkrankungen oder Schilddrüsenerkrankungen das trockene Auge auslösen.

Betroffenen rät Expertin Horwath-Winter dazu, die Symptome nicht einfach hinzunehmen, sondern nach einer augenärztlichen Untersuchung etwas gegen das trockene Auge zu unternehmen. Denn bleibt das Syndrom unbehandelt, kann sich das Leiden verschlimmern. Außerdem sind die ausgetrocknete Bindehaut und die Hornhaut anfällig für Entzündungen. Und weil ein instabiler Tränenfilm zu verschwommenem Sehen führt, kann das trockene Auge auch eine Verschlechterung der Sehfähigkeit nach sich ziehen.  

Flüssigkeit fürs Auge

Was man dagegen tun kann? Horwath-Winter: „Grundsätzlich sollte die Therapie auf die Ursache abgestimmt sein, daher ist sie von Fall zu Fall verschieden.“ Aber zumindest eine Gemeinsamkeit gebe es: Den trockenen Augen müsse jedenfalls Flüssigkeit zugeführt werden, und zwar in Form von Augentropfen, die die Stabilität des Tränenfilms verbessern. „Besonders empfehlenswert sind Tropfen ohne Konservierungsstoffe und mit Hyaluronsäure“, sagt die Expertin und erläutert: „Hyaluronsäure ist eine körpereigene Substanz, die bereits in vielen Studien eine positive Wirkung beim trockenen Auge gezeigt hat.“ Ebenfalls gute Erfolge bringt die so genannte Augeniontophorese, bei der Jod-Sole ins Auge eingeschleust wird. Bei manchen Patienten ist eine Akupunktur-Serie hilfreich, und nach den Erfahrungen von Horwath-Winter auch eine Lidrandmassage, die die Betroffenen selbst durchführen können. Eine andere Möglichkeit: Man verschließt die Tränenabflusswege mit Silikonstöpseln – so bleibt mehr Flüssigkeit im Auge.
Auch wenn es viele Möglichkeiten der Behandlungen gibt: Ist man einmal vom trockenen Auge betroffen, müsse man damit rechnen, dass man das Syndrom nie ganz los wird, sagt Horwath-Winter: „Durch die Therapien können nur die Symptome gelindert werden, geheilt werden kann das Sicca-Syndrom derzeit leider noch nicht.“

Wie bleiben die Augen gesund?

Über 40-Jährige sollten jedes Jahr vorsorglich zur Untersuchung zum Augenarzt gehen. So können die typischen Alterserkrankungen des Auges wie grauer und grüner Star oder die Netzhautablösung und das trockene Auge früh erkannt und besser behandelt oder ausgeheilt werden. Darüber hinaus sollte man die Augen im Alter so gut es geht vor Belastungen schützen: vor Umwelteinflüssen (UV-Licht, Staub, Pollen, Zugluft), indem man eine Sonnenbrille trägt. Und beim langen Lesen oder Arbeiten am Computer-Bildschirm, indem man den Augen immer wieder eine Ruhepause gönnt und den Blick zur Abwechslung in die Ferne schweifen lässt.

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