Gute Reise trotz Krankheit

Juni 2010 | Medizin & Trends

Mit Bluthochdruck, Diabetes, Rheuma & Co in den Urlaub
 
Viele Menschen reisen niemals allein. Ihre Krankheit kommt mit und verlangt, dass man ihr vor und während der Reise Aufmerksamkeit schenkt. Was Menschen mit chronischen Leiden beachten sollten, damit es im Urlaub keine bösen Überraschungen gibt, welche Reiseziele sich am besten für sie eignen und wohin und wann sie lieber nicht reisen sollten.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Urlaubsbegleiter 1
Bluthochdruck

* Was beachten?
„Wer an Bluthochdruck leidet, sollte unbedingt beim Start in den Urlaub Stresssituationen vermeiden“, sagt der Wiener Internist sowie Flug- und Reisemediziner Dr. Joachim Huber. Aufregungen, die dann entstehen, wenn man z. B. zeitlich knapp vor dem Abflug am Flughafen ankommt und das Versäumen des Flugzeugs droht, treiben den Blutdruck in die Höhe. Huber: „Sicherheitshalber sollten die Betroffenen öfter den Blutdruck messen, und wenn nötig blutdrucksenkende Medikamente einnehmen.“ Lieber einmal zu oft als zu selten messen und dann ruhig „entsprechend mit den Medikamenten jonglieren“, das gelte auch für den Aufenthalt am Urlaubsort.

* Beste Reiseziele
„Ideale Reiseziele für Menschen mit Bluthochdruck sind Bergregionen in Seehöhen von 1000 bis 1500 Metern“, sagt Huber. Der Grund: Dort sinkt der Blutdruck automatisch etwas ab, die Medikamente können geringer dosiert werden. Auch wirken sich Spaziergänge und leichte Wanderungen positiv auf die Gesundheit von Bluthochdruckpatienten aus. Ebenfalls ideal: Ein Urlaub am Meer, bei dem extreme Hitze gemieden werden kann und wo ebenfalls die Möglichkeit besteht, sich ohne Überanstrengung sportlich zu betätigen.

* Lieber nicht…
… reisen sollten Bluthochdruckpatienten in Regionen, die aufgrund einer extrem hohen Lage (ab 4000 Metern) oder des dort herrschenden Klimas Belastungen für den Körper mit sich bringen könnten. Huber: „Reisen in sehr heiße, sehr trockene oder schwüle Länder können den Blutdruck in die Höhe treiben.“ Lieber nicht reisen sollte auch, wer gerade erst eine Umstellung auf andere Medikamente hinter sich hat: „Da wartet man besser ab, bis man gut damit zurechtkommt.“

Urlaubsbegleiter 2
Diabetes

* Was beachten?
Huber: „Für Diabetiker ist es besonders wichtig, sich rechtzeitig vor dem Urlaub, also am besten einige Wochen vorher, die richtigen Urlaubspapiere zu besorgen, die dann während der Reise immer mit sich geführt werden sollten.“ Gemeint sind der internationale Diabetikerausweis und ein Attest vom behandelnden Arzt, das u. a. bei Flugreisen nötig ist, um die notwendigen Utensilien vom Blutzuckermessgerät über Einwegspritzen, Nadeln und Teststreifen bis hin zum Insulin im Handgepäck im Flugzeug bei sich behalten zu können. Attest und Ausweis dienen aber auch dazu, im Fall von plötzlich auftretenden Problemen wie einer Unterzuckerung mit Bewusstlosigkeit sofort als Diabetiker erkannt und entsprechend behandelt zu werden. Ebenfalls von Vorteil: Rechtzeitig vor Antritt der Reise bei der Fluglinie bzw. beim Reiseveranstalter und eventuell auch im Hotel Diabetikermenüs vorbestellen. Huber: „Während des Urlaubs gilt zusätzlich die Devise: Lieber einmal zu oft den Blutzuckerwert messen als einmal zu wenig und entsprechend Medikamente einnehmen.“ Das sollte man insbesondere in jenen Urlaubsregionen beachten, in denen man sich anders ernährt als daheim, also z. B. hauptsächlich Gemüse und Salate isst, wenn man ansonsten eher Fleisch- oder Nudelgerichte bevorzugt.

* Beste Reiseziele
„Diabetiker, die gut mit ihrer Krankheit umzugehen wissen und medikamentös gut versorgt, also optimal eingestellt sind, können überallhin reisen“, sagt Huber.

* Lieber nicht…
… reisen sollten Diabetiker, wenn sie gerade neu auf Medikamente eingestellt wurden. Huber: „Da sollte man erst eine Zeit lang die Wirkung beobachten, damit man im Ernstfall entsprechend reagieren kann.“

Urlaubsbegleiter 3
Herz- und Kreislaufprobleme

* Was beachten?
„Egal, ob sie mit dem Flugzeug, mit der Bahn, dem Bus oder dem Auto verreisen: Menschen mit Herz- und Kreislaufproblemen sollten bei der Anreise Stresssituationen meiden, die den Blutdruck in die Höhe treiben“, sagt Huber. Sicherheitshalber empfehle sich auch das Reisen mit leichtem Gepäck: „Wer schwere Koffer und Taschen zu schleppen hat, kann sich überanstrengen, was ebenfalls zu einer Erhöhung des Blutdrucks führen kann.“ Menschen mit niedrigem Blutdruck und einem schwachen Kreislauf sollten dagegen besonders darauf achten, dass der Blutdruck durch langes Sitzen während der An- und Heimreise nicht absackt. Huber: „Sie sollten alle zwei Stunden einmal aufstehen, sich so gut es geht bewegen und öfter einmal blutdrucksteigernde Getränke wie grünen Tee oder Kaffee zu sich nehmen.“ Die Blutdruckwerte besonders beachten und entsprechend mit Medikamenten reagieren sollte auch, wer einen schnellen Wechsel von kalten in warme Gegenden plant: Der kann einen Blutdruckabfall auslösen, während der ebenfalls problematische schnelle Wechsel von warmen in kalte Regionen den Blutdruck unter Umständen in ungesunde Höhen treibt.

* Beste Reiseziele
„Für Bluthochdruck- sowie auch für Niederdruckpatienten eignen sich Gegenden ohne Extreme am besten“, sagt Huber. Ideal: Berggegenden in mittleren Seehöhen von 1000 bis 1500 Metern oder Meeresregionen, wo es nicht sehr heiß ist.

* Lieber nicht…
… reisen sollten Menschen mit Bluthochdruck und Blutniederdruck in heiße und/oder schwüle Gegenden, da der Aufenthalt dort das Herz- und Kreislaufsystem belastet. Aus demselben Grund nicht zu empfehlen: Die schnelle Überwindung von Höhenunterschieden von mehr als 1000 bis 1500 Metern.

Urlaubsbegleiter 4
Rheuma

* Was beachten?
„Patientinnen und Patienten mit Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis sollten sich vor dem Reiseantritt ausführlich von ihrem behandelnden Arzt oder von einem Reisemediziner beraten lassen“, sagt Huber. „Die einzelnen Erkrankungen sind für sich genommen sehr verschieden und betreffen die Patienten darüber hinaus noch auf individuell sehr unterschiedliche Art und Weise. Huber: „Auf jeden Fall sollte jeder Rheumatiker klären, wie es um den aktuellen Gesundheitszustand bestellt ist und ob zum Beispiel ein fieberhafter Schub zu erwarten ist.“ Schließlich macht ein rheumatischer Schub mit Fieber während der Urlaubszeit den Genuss des Urlaubs und damit auch die Erholung zunichte.

* Beste Reiseziele
Huber: „Empfehlenswerte Reiseziele für Rheumatiker sind Gegenden in mittleren Seehöhen und mit moderatem Klima, wo man etwa gut leichte Wanderungen unternehmen kann.“ Erfahrungen zeigen, dass sich Rheumatiker darüber hinaus in Regionen besonders wohl fühlen, wo die Luft besonders trocken und kalt ist. „Da erleben viele von ihnen oft sogar eine deutliche Verbesserung ihres Gesundheitszustands.“

* Lieber nicht…
… reisen sollten Rheumatiker in Regionen mit heißem und schwülem Klima, da der Aufenthalt dort auf die meisten Betroffenen ungünstige gesundheitliche Auswirkungen hat und die Entstehung von Schmerzen oder den Ausbruch von Schüben begünstigen kann.
 
Urlaubsbegleiter 5
Venenprobleme

* Was beachten?
„Raucher, Schwangere oder Übergewichtige sowie Menschen mit leichten Venenproblemen sollten bei Reisen und im Urlaub vor allem auf eines achten: ausreichend Bewegung“, sagt Dr. Johannes Schuh, Internist und medizinischer Leiter des Bereichs Gefäßerkrankungen im Gesundheitsresort Königsberg in Bad Schönau. Egal, ob man die Reise im Flugzeug, mit der Bahn oder im Bus bzw. Auto antritt, so Schuh weiter: „Man sollte verhindern, dass das Blut in den Beinen zum Stehen kommt.“ Die Tipps des Experten: Immer wieder einmal die Füße heben, kreisen und die Muskelpumpe in den Unterschenkeln betätigen. Zusätzlich öfter aufstehen und herumgehen. Schuh: „Mit diesen einfachen Maßnahmen lassen sich Venenschmerzen und auch eine Reisethrombose vermeiden.“ Wer bereits einmal eine Thrombose, also einen Verschluss der Venen durch ein Blutgerinnsel hatte, dem empfiehlt der Experte, Kompressionsstrümpfe zu tragen. „Durch sie wird der Blutfluss beschleunigt, das Blut kann nicht so leicht Klumpen bilden.“
Wer bereits blutverdünnende Medikamente nimmt, sollte darauf achten, dass sich diese in ihrer Wirkung verändern können, wenn die Ernährung während des Urlaubs umgestellt wird. Schuh: „Darüber sollte man vor dem Reiseantritt mit seinem behandelnden Arzt sprechen.“

* Beste Reiseziele
Schuh: „Empfehlenswerte Reiseziele für Menschen mit Venenproblemen sind Regionen in mittleren Seehöhen oder auch am Meer, wo es nicht so heiß ist und man gut Wandern und Spazierengehen kann, denn Bewegung tut den Venen gut.“

* Lieber nicht…
… reisen sollten Menschen mit Venenproblemen in Gegenden, wo sie großer Hitze ausgeliefert sind, denn Hitze verlangsamt den Blutfluss, wodurch es eher zur Klumpenbildung kommen kann.

Infotipp:
Speziell geschulte Reisemedizinerinnen und Reisemediziner bieten kranken und behinderten Menschen ein Reiseservice an.
Nähere Informationen unter www.doc-on-board.com (Sicher reisen).

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