Weg mit dem Grauen Star!

Dezember 2012 | Medizin & Trends

Operationen werden immer schonender
 
Der Graue Star ist das weltweit mit Abstand am weitesten verbreitete Augenleiden. Zwar ist die Operation nach wie vor die einzige Therapiemöglichkeit, doch der Eingriff wird dank neuer Techniken immer schonender und sicherer.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Auch wenn das viele vermuten: Mit dem Blick des gleichnamigen Vogels hat die Augenerkrankung Grauer Star nichts gemein. Das Leiden hat seinen Namen vielmehr von der Farbe Grau, da Erkrankte die Welt im fortgeschrittenen Stadium nur noch grau in grau sehen, und vom mittelhochdeutschen Wort „star“ für „starr“, weil der Blick zunehmend starr wird bzw. ins Leere geht. „Bis der Graue Star schon so weit fortgeschritten ist, dass man die Welt um sich herum kaum noch erkennen kann, sollte man keinesfalls warten“, sagt Dr. Alois Dexl von der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg. Der Experte weiß: Aus Angst vor der Operation erdulden viele Betroffene die schleichend immer größer werdenden Beeinträchtigungen und nehmen in Kauf, dass sie sich damit nicht nur selbst das Leben schwer machen, sondern oft auch den Menschen in ih­rem Umfeld. Doch bleibt der Graue Star unbehandelt, kommt es irgendwann zur Erblindung.
Dexl rät daher, schon mögliche erste Anzeichen für einen Grauen Star ernst zu nehmen: „Dazu zählt, sich zum Beispiel beim Autofahren stärker von den Scheinwerfern entgegenkommender Autos geblendet zu fühlen als früher, generell immer lichtempfindlicher zu werden und immer schlechter in die Ferne zu sehen.“ Für alle, die diese Symptome an sich bemerken, gilt: Auf zum Augenarzt! Dem Experten reicht ein Blick durch die Spaltlampe in die Augen, um Grauen Star zu erkennen bzw. um zu sehen, ob die Linsen getrübt sind. Meistens, so Dexl, tritt der Graue Star beidseitig in unterschiedlichen Ausprägungen auf.

Neuer Laser behandelt präziser

Gegen die Erkrankung helfen entgegen der landläufigen Meinung weder Brillen, noch Tabletten oder Tropfen. „Die einzig mögliche Therapie ist die Operation“, weiß Dexl. Die gute Nachricht: „Der Eingriff ist durch den Einsatz eines neuen Lasers, des Femtosekundenlasers, jüngst wieder um einen Schritt leichter beziehungsweise risikoärmer geworden“, erklärt Dexl. Der Grund: Da der neue Laser sehr kurze Lichtimpulse aussendet und auch automatisch arbeitet, kann damit noch präziser als mit älteren Lasergeräten oder mit dem Ultraschall gearbeitet werden. Die einzelnen Schritte sind aber gleich geblieben. Der Eingriff beginnt mit einem Schnitt in die Hornhaut, der zwei bis 2,5 Millimeter groß ist. Im zweiten Schritt werden die Linsenkapsel geöffnet und die getrübte Linse zerkleinert. Im dritten und letzten Schritt der Operation wird eine Linse aus Kunststoff eingesetzt, die faltbar ist und daher gut durch den kleinen Schnitt eingeführt werden kann; in der Linsenkapsel faltet sie sich automatisch auseinander. Da sich der Schnitt gleich nach dem Eingriff von selbst schließt, braucht nicht genäht zu werden. „Wenn gewünscht und nötig“, so Dexl, „können heute auch Speziallinsen mit Mehrfachfunktion eingesetzt werden, die zum Beispiel Fehlsichtigkeiten ausgleichen.“

Klare Sicht gleich nach der OP

Nach 20 bis 30 Minuten ist meist alles vorbei. Da bekommen die Patienten nur noch einen Verband, der das operierte Auge schützt, und können gleich nachhause gehen – sofern sie nicht in Narkose versetzt worden sind, was in Ausnahmefällen nötig ist. Dem Großteil der Patienten reichen Beruhigungsmittel und Augentropfen, die schmerzstillend wirken. Am Tag nach dem Eingriff wird das Auge noch im Spital oder vom eigenen Augenarzt kontrolliert, dann ist alles erledigt. „Sobald der Verband abgenommen wird, bemerken die Patienten, wie gut sie nun wieder sehen, sind unendlich glücklich und dankbar und verstehen nicht mehr, wieso sie die Operation so lang hinausgezögert haben“, erzählt Dexl aus seiner Erfahrung.

Nur harmlose Nebenwirkungen

Zwar können wie nach jedem chirurgischen Eingriff auch nach der Operation des Grauen Stars Komplikationen auftreten. „Das ist aber sehr selten der Fall, dazu kommt es nur bei einem von 100 Patienten“, sagt Dexl. Die Folgeerscheinungen seien zudem meistens harmlos und beschränken sich vor allem auf Entzündungen und Augendruckerhöhungen, die mit Augentropfen gut behandelbar sind.
Wesentlich häufiger ist eine andere unerwünschte Nebenwirkung, die auch erst einige Jahre nach dem Eingriff auftreten kann: Die Bildung des sogenannten Nachstars. Dazu kommt es bei etwa 20 Prozent der Operierten. Dexl: „Beim Nachstar trübt sich die Kapsel, in der sich die künstliche Linse befindet.“ So wie die Linsentrübung kann aber auch die Trübung der Linsenkapsel leicht beseitigt werden. „Dabei wird der getrübte Teil der Linsenkapsel geöffnet, was die ungetrübte Sicht zurückbringt“, so Dexl. Den Nachstar zu verhindern – das ist das Ziel der Zukunft in der Behandlung des Grauen Stars. Wann es erreicht wird, lässt sich nicht vorhersagen.

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Wie funktioniert die Augen-OP?
Experte Dr. Alois Dexl beantwortet die häufigsten Fragen

Muss ich die Operation am Auge bei vollem Bewusstsein miterleben oder kann ich eine Narkose bekommen?
Ein Beruhigungsmittel und betäubende Augentropfen reichen meistens aus, um schmerzfrei zu bleiben. Unter Narkose wird der Eingriff nur dann gemacht, wenn der Patient dies unbedingt wünscht, z. B. weil er sehr große Angst vor der Operation hat, oder wenn andere Erkrankungen bestehen, die eine Narkose erfordern, wie etwa Demenz oder Morbus Parkinson.  

Kann ich nach der OP gleich wieder sehen?
Theoretisch ja, praktisch aber deswegen nicht, weil das operierte Auge mit einem Verband geschützt wird. Der Verband wird am Tag nach der Operation entfernt. Dann kann man wieder so wie vor der Erkrankung sehen, und wenn die Linse auch Fehlsichtigkeiten ausgleicht, sogar noch besser.

Werde ich nach dem Eingriff Schmerzen haben?
Nein, es ist höchstens an den ersten Tagen nach dem Eingriff ein leichtes Brennen oder Kratzen zu spüren.

Wie groß ist die Gefahr, dass nach der OP Entzündungen oder andere Nebenwirkungen auftreten?
Bei etwa einem Prozent der Operierten kommt es zu einer Entzündung oder zu einem Anstieg des Augendrucks, was mit Augentropfen zu heilen ist. Bei 20 Prozent tritt ein bis drei Jahre danach der sogenannte Nachstar auf, der in einem weiteren kleinen Eingriff behandelbar ist.

Muss ich das Auge nach der Abnahme des Verbands besonders schützen?
Die meisten Operierten empfinden das Tragen einer Sonnenbrille als angenehm. Auch sollte man in den ersten Tagen nach der OP nicht in die Sauna oder ins Dampfband gehen und nicht stark schwitzen, da dadurch Bakterien in den Wundbereich geraten und eine Entzündung auslösen könnten. Sonst ist keine besondere Schonung des Auges nötig.

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Eine Linse gegen viele Probleme

Früher hat man die getrübte Linse von Menschen, die an Grauem Star erkrankt waren, durch eine Standard-Linse ersetzt. „Heute können die Linsen auch so gefertigt werden, dass sie andere Augenprobleme beseitigen“, so Dr. Alois Dexl von der Salzburger Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie. Vor allem bei Fehlsichtigkeiten sind keine Grenzen gesetzt: Genauso wie Brillengläser oder Kontaktlinsen können die Linsen Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung, Altersweitsichtigkeit und jede Mischform ausgleichen.

Buchtipp:

Faschinger, Schmut, Grüner Star & Grauer Star, ISBN 978-3-99052-018-5
128 Seiten, € 14,90, Verlagshaus der Ärzte 2012

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