Adipositas: Abnehmen per OP

Januar 2014 | Medizin & Trends

Fast jeder zweite Österreicher ist übergewichtig; jeder Zehnte davon bringt so viele Kilos auf die Waage, dass nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Gesundheit darunter leidet. Immer mehr stark Übergewichtige, die es mit herkömmlichen Methoden nicht schaffen abzunehmen, setzen auf die Hilfe vom Chirurgen.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Magenband, Schlauchmagen, Magenbypass, biliopankreatische Teilung, Magenschrittmacher: Das sind die aktuellen Methoden der sogenannten Adipositas– und metabolischen Chirurgie. Sie dienen dazu, den Verdauungsapparat auf unterschiedliche Art und Weise so zu verändern, dass die Operierten abnehmen und ihr Gewicht danach halten können. Welche Methode die beste ist? „Das ist immer jene, die für den jeweiligen Patienten das geringste Risiko mit sich bringt und zugleich zu der von ihm erwünschten Wirkung führt“, sagt Prim. Univ. Doz. Dr. Karl Miller vom Krankenhaus Hallein, der zu den Pionieren der Adipositas- und metabolischen Chirurgie in Österreich und auch weltweit zählt.

2000 Operationen im Jahr

Die Adipositas-Chirurgie ist im Aufwind. Immer mehr Österreicher fassen den Entschluss, per OP abzunehmen, weil sie es mit herkömmlichen Methoden, mit verschiedenen Diäten und mit Sport, nicht geschafft haben, ihr Normalgewicht zu erreichen. Rund 2000 im Jahr waren es zuletzt; bei starkem Übergewicht werden die Kosten von den Krankenkassen getragen.
Am häufigsten legen die Chirurgen hierzulande einen Magenbypass oder ein Magenband an, wobei der Magenbypass dem Magenband im Lauf der vergangenen fünf Jahre den Rang abgelaufen hat. Miller über die Gründe für die Veränderung: „Wir haben inzwischen die Erfahrung gemacht, dass der Magenbypass zu einem schnelleren und nachhaltigeren Gewichtsverlust führt als das Magenband.“ So verlieren 80 Prozent der Magenbypass-Patienten binnen einem bis eineinhalb Jahren zwei Drittel ihres Übergewichts und halten das neue Gewicht zehn Jahre und länger. 60 Prozent der Patienten mit Magenband sind ähnlich erfolgreich.
Die Patienten nehmen aber nicht nur ab, auch die typischen Probleme wie Gelenksschmerzen und Atemnot, die jede Bewegung zur Qual machten, gehören für sie der Vergangenheit an. Und bei jenen, die aufgrund des Übergewichts bereits Erkrankungen hatten wie Bluthochdruck oder Diabetes, bessern sich die Beschwerden oft nach einiger Zeit, und manchmal verschwinden sie sogar zur Gänze.

Endlich ein normales Leben

Die Eingriffe bringen aber auch Nachteile mit sich: So wie die gesamte Nahrung können auch Vitamine und andere Nährstoffe, die zur Erhaltung der Körperfunktionen bzw. der Gesundheit nötig sind, nach der Operation nur noch eingeschränkt verwertet oder aufgenommen werden. Patienten mit Magenbypass müssen sogar lebenslang Nahrungsergänzungsmittel nehmen, um sich vor Erkrankungen wie Herzbeschwerden, Blutarmut, Depressionen oder Osteoporose zu schützen. Zudem sind bestimmte Ernährungsregeln einzuhalten, denn der Verdauungstrakt wird nach den Umbauten empfindlicher. Wer z. B. zu viel Zucker zu sich nimmt oder zu fett isst, riskiert Übelkeit, Brechreiz, Durchfall und Verstopfung. „Alle diese Nachteile stellen für die große Mehrheit der Operierten aber kein Problem dar, denn im Vergleich zu den Schwierigkeiten, die sie als stark Übergewichtige hatten, sind sie harmlos“, weiß Miller. Das ist auch einer der Gründe dafür, warum  immer mehr Jüngere operiert werden, sogar adipöse Jugendliche und Kinder. Miller: „Erst die Abnahme nach dem Eingriff ermöglicht ihnen endlich ein normales Leben und einen normalen Einstieg in das Erwachsenenalter, und das ist sehr viel wert.“    

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Neue schonende Techniken

Dank der medizinischen Fortschritte wird das Abnehmen per OP immer schonender. „Wir legen sowohl den Bypass als auch das Magenband nur noch laparoskopisch, also durch drei bis vier Hautschnitte, die lediglich ein bis zwei Zentimeter lang sind“, sagt Prim. Univ. Doz. Dr. Karl Miller vom Krankenhaus Hallein, der auch Pionier bei zwei weiteren schonenden Techniken ist: Die eine, bei der ein Teil des Magens entfernt wird, wird mit dem sogenannten Spider durchgeführt, ein Spezialgerät, für dessen Handhabung man nur ein Loch im Bereich des Nabels braucht. Bei der zweiten Methode (POSE-Verfahren) werden die chirurgischen Instrumente über den Mund in den Magen eingeführt, und der Chirurg näht Falten in den Magen, um ihn so zu verkleinern.

Webtipp:

Informationen über Adipositas-Selbsthilfegruppen in ganz Österreich auf www.adipositas-shg.at

 

Stand 01/2014

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