Stille Tumore: gefährlicher Unterleibskrebs

Oktober 2015 | Medizin & Trends

Unterleibskrebs: Damit sind unterschiedliche Krebsarten der weiblichen Genitalorgane gemeint, an denen jedes Jahr mehr als 2000 Österreicherinnen erkranken. Welche Anzeichen für Unterleibskrebs es gibt, wodurch er verursacht werden kann – und was ihn so gefährlich macht.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Mehr als 2000 Frauen wird hierzulande jedes Jahr die Diagnose Unterleibskrebs gestellt. „Damit ist Unterleibskrebs, der Krebs der weiblichen Genitalorgane, nach Brustkrebs die zweithäufigste Krebserkrankung der Österreicherinnen“, informiert Prim. Univ. Doz. Dr. Lukas Hefler, Leiter der Abteilung für Gynäkologie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz, über die weite Verbreitung des Leidens, die vielen nicht bewusst ist. Seit Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser bekanntgab, ebenfalls an Unterleibskrebs erkrankt zu sein, stieg aber zumindest die Aufmerksamkeit dafür. Und das ist auch gut so, meint Hefler, denn eines haben die unterschiedlichen Krankheiten mit dem Sammelbegriff Unterleibskrebs gemeinsam: „Wenn sie in einem frühen Stadium erkannt und behandelt werden, sind die Heilungschancen sehr gut und liegen bei 90 Prozent“, so Hefler.

Hohes Risiko für Metastasen

Das Schlimme an Eierstock-, Gebärmutterkörper-, Gebärmutterhals-, Schamlippen- und Scheidenkrebs ist aber laut dem Experten, dass Betroffene meist nichts davon bemerken: „Oft verursachen die bösartigen Gewebeneubildungen im weiblichen Unterleib gar keine Beschwerden oder nur unspezifische, die für harmlos gehalten werden.“ Daher bleiben die Tumore vielfach lang unentdeckt und wachsen still vor sich hin, wodurch das Risiko steigt, dass der Krebs auf umliegende Organe übergeht. „Wenn einmal die Organe im Bauchraum von Metastasen befallen sind, wird die Therapie immer schwieriger, und die Chance auf Heilung sinkt drastisch von 90 auf weniger als 25 Prozent“, weiß Hefler, versichert aber: „Bei der gynäkologischen Routineuntersuchung ist die Früherkennung der meisten Unterleibskrebsarten möglich oder es sind zumindest Auffälligkeiten erkennbar, die auf eine Erkrankung hinweisen.“ Da wird klar, warum die jährliche Vorsorgeuntersuchung beim Gynäkologen so wichtig ist.

Ererbte Neigung

So unterschiedlich wie die einzelnen Krebsarten sind auch die Ursachen bzw. Risikofaktoren für das häufige Frauenleiden Unterleibskrebs. „Eher wenig weiß man darüber, wie Eierstockkrebs entsteht“, berichtet Hefler über jene Unterleibskrebsart, an der jährlich 700 Österreicherinnen, meist im Alter von 50 bis 70 Jahren, neu erkranken. Als Risikofaktor gilt jedoch eine ererbte Neigung: Sind nahverwandte Frauen, also die Mutter, deren Mutter oder Schwestern, an Eierstockkrebs oder Brustkrebs erkrankt, sollte dies als Alarmzeichen gewertet werden. Dann könnten die Gene BRCA-1 und BRCA-2 die Gefahr erhöhen, ebenfalls Brustkrebs und Eierstockkrebs zu bekommen. Erblich vorbelastete Frauen sollten nicht nur Untersuchungen zur Früherkennung in Anspruch nehmen, rät der Mediziner, sondern wie alle anderen aufmerksam sein, was mögliche Frühsymptome für Eierstockkrebs anbelangt. Hefler: „Anzeichen für Eierstockkrebs können beispielsweise Schmerzen im Unterleib und ein wachsender Bauchumfang sein, aber auch nur Verstopfung oder ein Völlegefühl.“

Übergewicht als Risikofaktor

Noch häufiger als Eierstockkrebs ist Gebärmutterkörperkrebs. „Diese Unterleibserkrankung wird jährlich bei fast 900 Österreicherinnen diagnostiziert“, so Hefler. „Die Erkrankten sind zum Großteil zwischen 60 und 70 Jahre alt.“ Doch abgesehen vom Alter gibt es noch weitere Risikofaktoren: „Das sind insbesondere Übergewicht und auch Bluthochdruck und Diabetes.“ Anders als beispielsweise Eierstockkrebs macht sich Gebärmutterkörperkrebs bereits im Frühstadium bemerkbar. Hefler: „Außertourliche Blutungen, vor allem Blutungen nach dem Wechsel, können erste Anzeichen für Gebärmutterkörperkrebs sein.“

Auslöser Virusinfektion

Lang dauert es wiederum, bis Gebärmutterhalskrebs Beschwerden verursacht. „Schmerzen oder ein fleischfarbener Ausfluss sind Anzeichen dafür“, nennt Hefler Signale eines bereits fortgeschrittenen Tumors. Dennoch wird dieses Leiden, das in Österreich jährlich bei rund 400 Frauen, auch Jüngeren ab 20 Jahren, diagnostiziert wird, fast immer früh erkannt. Denn, so Hefler: „Dies ist bei der Vorsorgeuntersuchung und vor allem durch den Krebsabstrich möglich.“ Die Verursacher der Erkrankung, die Humanen Papilloma Viren (HPV), die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, und Vorstadien des Tumors können entdeckt werden. Gebärmutterhalskrebs lässt sich aber auch vorbeugen: „Durch die HPV-Impfung kann der Gebärmutterhalskrebs heute fast hundertprozentig verhindert werden“, erklärt Lukas Hefler.

Ältere eher gefährdet

Die HPV-Impfung schützt noch vor weiteren Unterleibskrebsarten, die ebenfalls durch die Humanen Papilloma Viren übertragen werden, wie dem Schamlippenkrebs und dem Scheidenkrebs. Auch diese beiden Krebs­arten, die selten und eher bei Frauen der Generation 60plus auftreten, verhalten sich lang still und machen sich erst in fortgeschrittenen Stadien bemerkbar. Hefler: „Krankheitsanzeichen können dann ein Juckreiz, Rötungen und Schwellungen sein.“

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Die Therapie:
Operation unumgänglich

Eierstockkrebs
„Bei der Operation werden die Eierstöcke entfernt“, erklärt Prim. Univ. Doz. Dr. Lukas Hefler. „Oft haben sich aber auch schon Krebszellen an Teilen der Leber, des Darms, Zwerchfells und Bauchfells breit gemacht, weshalb auch diese beseitigt werden müssen.“ Bei Eierstockkrebs häufig erforderlich ist eine nachfolgende Chemotherapie. Hefler: „Erscheint der Tumor nicht operabel, wird er vor der Operation mit einer Chemotherapie verkleinert.“

Gebärmutterkörperkrebs

Gynäkologe Hefler: „Bei Gebärmutterkörperkrebs ist die Entfernung der Gebärmutter mit den beiden Eierstöcken der erste Therapieschritt.“ Danach wird entschieden, ob ergänzend eine Strahlentherapie und/oder eine Chemotherapie nötig ist.

Gebärmutterhalskrebs
Gebärmutterhalskrebs im Vorstadium, so wie er meist bei der jährlichen Kontrolluntersuchung beim Gynäkologen entdeckt wird, kann man durch einen einfachen Eingriff behandeln, die sogenannte Konisation, informiert Hefler und ergänzt: „Bei Frühformen des Gebärmutterhalskrebs ist aber bereits eine Entfernung der Gebärmutter notwendig.“ In fortgeschrittenen Stadien werden zusätzlich eine Strahlentherapie und eine Chemotherapie empfohlen.

Schamlippen- und Scheidenkrebs
Bei diesen beiden seltenen Arten von weiblichem Unterleibskrebs ist ebenfalls eine Operation nötig, um den Tumor zu entfernen. Vom Stadium
der Erkrankung hängt ab, ob danach noch eine Chemo- oder Strahlentherapie nötig ist.

Webtipp:

RIDE 4 WOMEN
faster than Cancer

Die von Prim. Univ. Doz. Dr. Lukas Hefler unterstützte Initiative RIDE 4 WOMEN hat sich zum Ziel gesetzt, ein Bewusstsein für Unterleibskrebs zu schaffen.  RIDE 4 WOMEN unterstützt durch Spendenaktionen und in Zusammenarbeit mit der Krebshilfe Österreich und der Europäischen Gesellschaft für Gynäkologische Krebserkrankungen zudem verschiedene Projekte von an Krebs erkrankten Frauen:
www.ride-4women.com

Stand 09/2015

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