Krebserkrankungen

Besser leben mit metastasiertem Brustkrebs

Im Gespräch mit Priv.-Doz. Dr. Maximilian Marhold, PhD, Facharzt an der Universitätsklinik für Innere Medizin I, Klinische Abteilung für Onkologie der Medizinischen Universität Wien, AKH Wien.

Priv.-Doz. Dr. Maximilian Marhold

Was bedeutet die Diagnose „metastasierter Brustkrebs“ heute im Vergleich zu vor zehn oder fünfzehn Jahren?

Sie bedeutet heutzutage immer noch eine schwere und in der Regel unheilbare Erkrankung, mit der man allerdings um Jahre länger und aufgrund besserem Nebenwirkungsmanagement auch deutlich besser leben kann als vor 15 oder 20 Jahren. Der Verlauf ist stark individuell und beispielsweise bei aggressiveren Subtypen wie dem metastasierten triple-negativen Brustkrebs deutlich aggressiver als beim hormon­rezeptor-positiven Mammakarzinom. Wir sprechen heutzutage aber bei allen Subtypen von Chronifizierung, sprich Lebensverlängerung, und das ist als sehr positiv zu sehen.

Welche Fortschritte der letzten Jahre haben den größten Unterschied für Patientinnen gemacht?

Ein wichtiger Fortschritt sind Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs), die mittlerweile bei verschiedenen Subtypen des metastasierten Brustkrebses eingesetzt werden. Auch Immuntherapien mit Checkpoint-Inhibitoren ermöglichen bei bestimmten Patientinnen länger anhaltende Remissionen. Beim häufigen hormonrezeptor-positiven Brustkrebs stehen zudem immer mehr zielgerichtete Therapien zur Verfügung – darunter CDK4/6-, PIK3CA/AKT/mTOR- und PARP-Inhibitoren. Viele davon sind gut verträglich und können als Tabletten eingenommen werden.

Wie hat sich der Umgang mit Metastasen, etwa im Gehirn, durch neue Therapien verändert?

Einige neue Wirkstoffe, insbesondere Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs), gelangen offenbar besser ins Hirngewebe als klassische Chemotherapien. Dadurch können bei Hirnmetastasen höhere Ansprechraten und längere Überlebenszeiten erreicht werden.

Was würden Sie einer Patientin sagen, die frisch mit dieser Diagnose konfrontiert ist und Kinder hat, die sie großziehen möchte?

Wenn Kinder involviert sind, gehen mir als Behandler die Fälle besonders nahe. Ich versuche in diesen schwierigen Gesprächen dennoch zu betonen, dass man sich trotz unheilbarer Erkrankung heute berechtigterweise Hoffnung auf eine langjährige Prognose machen kann und dass Frauen heutzutage – eben wegen des meist langen Überlebens – meist direkt von neuen Entwicklungen aus der Forschung profitieren können. Letztlich wird die Behandlerin oder der Behandler immer versuchen, maximale Lebensdauer mit möglichst optimaler Lebensqualität zu erreichen, was natürlich ein gutes Nebenwirkungsmanagement und regelmäßige Kontrollen voraussetzt. Bei diesen muss auch ein ehrliches, offenes Gesprächsklima in der Arzt-Patientinnen-Beziehung herrschen. 

Wohin geht die Forschung – worauf dürfen Patientinnen in den kommenden Jahren hoffen?

Ein wichtiger Forschungsbereich ist die optimale Kombination und Reihenfolge der vielen neuen Therapien. Gleichzeitig werden weitere ADCs und antihormonelle Wirkstoffe entwickelt. Perspektivisch könnten auch mRNA-Impfstoffe, Zelltherapien und bispezifische Antikörper neue Möglichkeiten eröffnen.


Fotos: zvg, istock: uniquepixel

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