Mund & Zähne

Teure Zähne

Die Österreicherinnen und Österreicher kümmern sich um ihre Zähne – doch wenn eine Behandlung ansteht, wird sie für viele zur finanziellen Herausforderung. Eine aktuelle Studie zeigt: Vier von zehn haben bereits aus Kostengründen auf eine Zahnbehandlung verzichtet.

Von Michaela Neubauer

Dr. Birgit Vetter-Scheidl
„Karies ist eine Infektionskrankheit und Zahnfleischentzündungen bleiben nicht auf den Mund beschränkt – beides ist in der Bevölkerung zu wenig präsent.“ 

Zweimal täglich putzen, regelmäßig kontrollieren lassen und Probleme möglichst vermeiden, bevor sie entstehen: Am Bewusstsein für Zahngesundheit scheint es in Österreich nicht zu mangeln. 85 Prozent der Bevölkerung geben an, gewissenhaft auf ihre Zahnpflege zu achten, 73 Prozent gehen mindestens einmal jährlich zur Kontrolle.

Gleichzeitig hat sich ein beträchtlicher Teil schon einmal gegen eine notwendige oder gewünschte Behandlung entschieden, weil sie zu teuer war. 40 Prozent haben eine Zahnbehandlung aus Kostengründen bereits ganz ausgelassen, 38 Prozent zumindest verschoben. Das zeigt das aktuelle Gesundheitsbarometer 2026, für das Marketagent im Auftrag der Allianz Österreich 1.600 Menschen repräsentativ befragt hat.

Rechnung macht Angst

Bemerkenswert ist, was Menschen vom Zahnarztbesuch abhält. Nicht die viel zitierte Angst vor dem Bohrer steht an erster Stelle, sondern der Blick aufs Konto: 47 Prozent nennen die Kosten als Hindernis für eine Behandlung, aber nur 19 Prozent die Angst vor dem Eingriff. Frauen geben finanzielle Gründe mit 53 Prozent noch häufiger an als Männer mit 41 Prozent. Besonders teuer werden Zahnersatz, Zahnkorrekturen und ästhetische Eingriffe wahrgenommen.

Gleichzeitig herrscht Unsicherheit darüber, welche Kosten überhaupt entstehen: Nur 36 Prozent fühlen sich über Behandlungskosten gut informiert. Ebenso wenige wissen nach eigener Einschätzung ausreichend darüber Bescheid, welche Leistungen die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt. Dabei wird die zahnmedizinische Versorgung grundsätzlich positiv gesehen. 71 Prozent beurteilen ihre Qualität als sehr oder eher gut, die fachliche Kompetenz der Zahnärztinnen und Zahnärzte erhält mit 81 Prozent besonders hohe Zustimmung.

Beim Kosten-Leistungs-Verhältnis fällt das Urteil deutlich schlechter aus: Nur 28 Prozent bewerten es positiv. „Beim Kosten-Leistungs-Verhältnis muss man beachten, wie der Leistungskatalog historisch gewachsen ist: Er ist bis heute stark auf Reparatur ausgelegt“, erklärt Dr. Birgit Vetter-Scheidl von der Österreichischen Zahnärztekammer. Der Wandel hin zu mehr Prävention finde zwar statt, allerdings langsam. Als Beispiel nennt sie die Gratis-Zahnspange für unter 18-Jährige mit erheblichen Fehlstellungen: Hier werde früh angesetzt, statt später zu reparieren.

Vorsorge statt Reparatur

Dass sich das Verständnis von Zahn­gesundheit verändert, zeigt besonders der Blick auf die Generationen. Sechs von zehn Befragten sind insgesamt mit ihren Zähnen zufrieden, bei der Zahnfarbe ist es nur rund die Hälfte. Vor allem die Gen Z zeigt Interesse an Bleaching, Kieferregulierungen und professioneller Mundhygiene. Ältere Menschen nennen dagegen häufiger Implantate oder Prothesen als Maßnahmen, die ihre Zufriedenheit verbessern würden.

Wissenslücken trotz guter Pflege

Doch gewissenhaftes Zähneputzen bedeutet nicht automatisch, gut über Zahngesundheit informiert zu sein. Zwei Drittel der Befragten wissen laut Studie nicht, dass Karies eine Infektionskrankheit ist. Mehr als die Hälfte kennt mögliche Risiken von Zahnfleisch­erkrankungen während einer Schwangerschaft für Mutter und Kind nicht. Und 49 Prozent ist der in der Befragung abgefragte Zusammenhang zwischen Kariesbakterien und Allgemeinerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes nicht bekannt.

„Karies ist eine Infektionskrankheit und Zahnfleischentzündungen bleiben nicht auf den Mund beschränkt – beides ist in der Bevölkerung zu wenig präsent“, sagt Vetter-Scheidl. Besonders auffällig ist für sie, dass gerade die jüngere Generation bei manchen Wissensfragen schlechter abschneidet. „Aufklärung muss dort ansetzen, wo Gewohnheiten entstehen: in der Familie, in der Schule und bei uns in der Ordination.“

Prävention stärken

Die Ergebnisse zeigen ein widersprüchliches Bild: Gesunde Zähne haben einen hohen Stellenwert, gleichzeitig führen finanzielle Hürden dazu, dass Behandlungen verschoben oder ausgelassen werden. Auch bei Kosten, Kassenleistungen und dem Zusammenhang zwischen Mund- und Allgemeingesundheit bestehen Wissenslücken.

Die Herausforderung für die kommenden Jahre liegt deshalb nicht allein darin, Menschen zum Zähneputzen zu motivieren. Vielmehr geht es darum, Prävention weiter zu stärken, verständlich über Zahngesundheit und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren – und dafür zu sorgen, dass aus dem Wissen um gesunde Zähne auch tatsächlich entsprechende Versorgung werden kann.


Fotos: zvg, istock: ADragan

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