Tierisch gesund

Herzenssache Haustier

Von ersten Warnzeichen bis zu modernen Therapien: Was Tierhalterinnen und Tierhalter über Herzerkrankungen bei Hund und Katze wissen sollten.

Dr. med. vet. Ursula Kolm
„Das Leben des Tieres muss sich nicht komplett ändern, aber es braucht Anpassungen.“

Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen nicht nur bei Menschen, sondern auch bei unseren Haustieren zu den häufigsten internistischen Diagnosen. „In der Literatur geht man davon aus, dass etwa zehn Prozent aller Hunde im Laufe ihres Lebens an einer Herzerkrankung leiden“, erklärt Dr. med. vet. Ursula Kolm, Kleintierkardiologin an der VetmedUni Wien und privat. Bei Katzen liegt dieser Anteil sogar deutlich höher: „Hier sprechen wir statistisch von bis zu 30 Prozent.“ Bestimmte Rassen sind besonders betroffen. Bei kleinen Hunden wie Cavalier King Charles Spaniel, Dackel oder Chihuahua tritt häufig eine chronisch degenerative Klappenerkrankung auf. Große Hunderassen wie Dobermann, Boxer oder Deutsche Dogge leiden hingegen öfter an einer Herzmuskelerkrankung, der dilatativen Kardiomyopathie. Bei Katzen dominiert eine andere Problematik: „Der Herzmuskel ist meist krankhaft verdickt – wir sprechen dann von einer hypertrophen Kardiomyopathie“, so Kolm. Besonders gefährdet sind Maine Coon, Ragdoll und British Shorthair.

Ab wann wird das Herz zum Problem?

Beim Hund wird eine Klappenerkrankung meist ab dem fünften Lebensjahr klinisch auffällig, Rüden sind häufiger betroffen. Bei Katzen zeigt sich eine genetisch bedingte Herzerkrankung oft schon zwischen dem ersten und fünften Lebensjahr. Alters­bedingte oder sekundäre Herzprobleme
treten hingegen meist später auf. Die Symptome unterscheiden sich deutlich zwischen Hund und Katze. „Beim Hund fällt oft zuerst eine verminderte Belastbarkeit oder eine ungewöhnliche Hitzeempfindlichkeit auf“, erklärt Kolm. Auch Husten – vor allem nachts oder morgens – kann ein Warnsignal sein.

Katzen hingegen sind wahre Meister im Verbergen ihrer Beschwerden. „Viele Katzen werden leider erst sehr spät vorgestellt“, sagt die Kardiologin. Unerklärlicher Gewichtsverlust oder subtile Verhaltensänderungen sollten deshalb ernst genommen werden. Ihr Rat: „Auch klinisch unauffällige Katzen sollten zumindest einmal kardiologisch untersucht werden.“

Diagnose und Alltag mit Herzpatienten

Die Diagnose basiert auf einer gründlichen klinischen Untersuchung, ergänzt durch EKG, Herzultraschall, Röntgen und Laboruntersuchungen. Bei Katzen ist auch die Blutdruckmessung essenziell. Für den Alltag gilt: „Das Leben des Tieres muss sich nicht komplett ändern, aber es braucht Anpassungen“, so Kolm. Generell gilt es, Stress zu reduzieren und starke Hitze zu vermeiden. „Hunde, die es gewohnt waren, mit den Besitzern auf Urlaub zu fliegen, sollten besser bei einem Hundesitter zuhause bleiben, da die großen Höhenunterschiede zu einer Belastung werden können. Das gilt auch für Gondelfahrten“, rät die Expertin. Auch längere Autofahrten im Sommer sollten nur mit Klimaanlage unternommen werden. Mit Hunden, die Entwässerungstabletten bekommen, ist vor dem Schlafengehen noch eine kurze Runde zu drehen, damit nachts kein Missgeschick passiert.

Hilfe im Notfall

Eine deutliche Blauverfärbung der Schleimhäute, für Hundehalter meist gut an der Zunge erkennbar, weist auf eine fortgeschrittene Herzerkrankung hin. In diesem Stadium kann es bei Hunden auch zu plötzlichen Kollapsen mit kurzzeitigem Bewusstseinsverlust (Synkopen) kommen. Solche Ereignisse sind für Besitzer hoch belastend. Eine kurze Videoaufnahme kann laut Ursula Kolm helfen, kardiale Ursachen von anderen Auslösern zu unterscheiden. Ein absoluter Notfall ist die Herzbeuteltamponade, die eine sofortige Punktion erfordert.

Bei Katzen gilt die Aortenthrombose als besonders dramatische Komplikation einer hypertrophen Kardiomyopathie: Blutgerinnsel blockieren die Gefäße der Hinterbeine und führen zu plötzlicher Lähmung. Frühzeichen wie häufiges Beknabbern der Pfoten werden oft unterschätzt, obwohl hier eine frühzeitige Thromboseprophylaxe noch helfen könnte.

Therapie, Prognose und Vorsorge

Dank moderner Medikamente lassen sich viele Herzerkrankungen heute gut kontrollieren. In manchen Fällen sind sogar operative Eingriffe möglich. Die Prognose hängt jedoch stark vom Stadium der Erkrankung und möglichen Begleiterkrankungen ab. Vorbeugend rät Kolm zu regelmäßiger Bewegung, hochwertiger Ernährung und konsequenter Gewichtskontrolle. Besonders wichtig: „Ich empfehle bei Katzen – vor allem bei Rassekatzen – ein Herzscreening inklusive Ultraschall, idealerweise vor geplanten Narkosen.“ Denn auch bei unseren tierischen Begleitern gilt: Je früher das Herz Aufmerksamkeit bekommt, desto besser sind die Chancen auf ein langes, gutes Leben.


Fotos: zvg, Istockphoto/ egor poprotskii

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