Tierisch gesund

Wenn Tiere Krebs bekommen

Krebs zählt auch bei unseren Haustieren zu den häufigsten schweren Erkrankungen. Dank moderner Diagnostik und Therapie sind die Chancen auf ein gutes, längeres Leben heute deutlich besser als noch vor wenigen Jahren.

Wenn wir von Krebs sprechen, meinen wir maligne, also bös­artige Tumoren“, erklärt Dr. Michael Willmann, Fachtierarzt für Kleintieronkologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Bei Hunden treten diese vergleichsweise häufig auf. Besonders betroffen sind unkastrierte Hündinnen, bei denen Milchdrüsentumoren eine zentrale Rolle spielen – mit starkem hormonellem Einfluss. Weitere häufige Krebsarten beim Hund sind Lymphome, Mastzelltumoren der Haut, Knochenkrebs sowie Melanome im Maulbereich. Auffällig ist, dass bestimmte Rassen stärker gefährdet sind: „Knochenkrebs sehen wir besonders häufig bei großen Hunderassen“, sagt Willmann. Kurznasige, sogenannte brachio­zephale Rassen neigen eher zu Gehirntumoren, während Retriever und Rottweiler häufiger an Lymphdrüsenkrebs erkranken. Maulhöhlenmelanome wiederum treten vermehrt bei Schnauzern oder Terriern auf. Bei Katzen zeigt sich ein etwas anderes Bild. Hier dominieren Lymphome im Magen-Darm-Trakt, Fibro­sarkome sowie Hauttumoren. Auch Mammakarzinome treten bei unkastrierten Katzen auf – rasse­spezifische Unterschiede sind jedoch weniger ausgeprägt als beim Hund.

Warnsignale früh erkennen

Das Tückische: Es gibt keine eindeutigen Krebs-Symptome. Dennoch gibt es Hinweise, die Tierhalter ernst nehmen sollten. „Knoten unter der Haut, schlecht heilende Wunden oder vergrößerte Lymphknoten sind typische Alarmsignale“, so Willmann.Auch Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Probleme beim Fressen oder Trinken sowie anhaltende Lahmheit, erschwerter Harn- oder Kotabsatz, Husten oder Atemprobleme können auf eine ernsthafte Erkrankung hindeuten. 

Wichtig ist, Veränderungen frühzeitig abklären zu lassen – selbst wenn sie zunächst harmlos erscheinen. Die Bedeutung von Vorsorge wächst auch in der Tiermedizin. Regelmäßige tierärztliche Untersuchungen – etwa im Rahmen von Impfungen – ermöglichen eine kontinuierliche Kontrolle bereits in jungen Jahren. Mit zunehmendem Alter sind zusätzliche Checks empfohlen. Denn wird Krebs früh erkannt, kann er in vielen Fällen noch geheilt werden. 

Therapie mit weniger Nebenwirkungen

Die Behandlungsmöglichkeiten in der Tieronkologie haben sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. „Heute stehen uns ähnliche Methoden wie in der Humanmedizin zur Verfügung“, erklärt Willmann. Dazu zählen Operationen, Strahlentherapie und Chemotherapie, oft kombiniert in einem individuell abgestimmten Therapiekonzept. Neben klassischer Chemotherapie kommen zunehmend zielgerichtete Medikamente zum Einsatz, die spezifisch Tumorzellen angreifen. Dennoch gibt es wichtige Unterschiede zur Behandlung beim Menschen. Ein zentraler Unterschied liegt in der Dosierung. „Tiere erhalten deutlich niedrigere Chemotherapie-Dosen, beispielsweise ein Drittel der Humandosis“, so Willmann. Der Grund: Tiere sind im Alltag ständig Umweltkeimen ausgesetzt – etwa durch Schnuppern oder Fellpflege – und benötigen daher auch während der Chemotherapie immer eine stabile Immunabwehr. 

Durch die reduzierte Dosierung wird keine Infektionsgefahr provoziert, gleichzeitig sind dadurch auch Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Haarausfall kaum wahrnehmbar. Auch weil Tiere nicht unter der psychischen Belastung leiden, die menschliche Krebspatientinnen und -patienten häufig erleben. „Unser Ziel ist es nicht, um jeden Preis zu heilen, sondern eine lebensverlängernde Maßnahme mit uneingeschränkter Lebensqualität anzubieten“, betont der Experte. 

Blick in die Zukunft

Die Fortschritte in der Tieronkologie sind eng mit der Humanmedizin verknüpft. Seit der Entschlüsselung des Hunde- und Katzen­genoms weiß man, dass viele Krebsarten bei Mensch und Tier genetisch ähnlich sind. Das eröffnet neue Möglichkeiten für Forschung und Therapie. „Wir profitieren enorm von dieser Zusammenarbeit“, sagt Willmann. Neue Medikamente und Behandlungsansätze könnten künftig sowohl Menschen als auch Tieren zugutekommen. Die Entwicklung schreitet rasch voran – und gibt berechtigte Hoffnung, dass Krebs auch bei Haustieren immer besser behandelbar wird.


Fotos: zvg, Istockphoto/ Aleksei Morozov

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