Gesunde Zähne sind nicht nur für Menschen wichtig. Auch Hunde und Katzen können unter Zahnstein, Entzündungen, abgebrochenen Zähnen oder schmerzhaften Erkrankungen im Maul leiden.
„Die beste Zahnpflege
ist jene, die vom Tier akzeptiert wird.“
Wir sehen in der Praxis sehr häufig Zahnstein in verschiedener Ausprägung, häufig einhergehend mit Erkrankungen des Zahnhalteapparats“, berichtet Mag. med. vet. Magdalena Hirtl, MSc, Tierärztin in der Kleintierpraxis Pöchlarn. Hier spielt einerseits die genetische Veranlagung des Tieres eine Rolle – kleine Hunderassen zum Beispiel sind oft überrepräsentiert, betont Hirtl.
Andererseits sei jedoch auch die Zahnpflege durch die Besitzer entscheidend. Daneben begegnen der Tierärztin regelmäßig abgeriebene Zähne – etwa bei sogenannten „Käfigbeißern“ oder bei Hunden, die leidenschaftlich auf Holz kauen. Auch abgebrochene Zähne gehören zu den häufigen Zufallsfunden. Vor allem Fang- und Reißzähne brechen bei Hunden häufig durch das Kauen auf zu harten Gegenständen wie Steinen oder durch unglückliche Zusammenstöße beim Spielen und Hetzen. Bei Katzen sind meist die Fangzähne betroffen, etwa nach Stürzen oder anderen Krafteinwirkungen. Zusätzlich gibt es verschiedene Erkrankungen, die Zahnsubstanz und Zahnfleisch schädigen können – etwa durch Autoimmunprozesse oder Virusinfektionen.
Zähneputzen von klein auf
Die wirksamste Maßnahme gegen Zahnprobleme klingt simpel: Zähneputzen. „Ganz ideal ist es, die Zähne täglich zu reinigen“, betont die Tierärztin. Je früher man damit beginnt, desto besser. „Junge Tiere gewöhnen sich mit Lob, positiver Bestärkung und spielerischem Training oft erstaunlich gut daran. Es gibt sogar Hunde, die ihr tägliches Zähneputzen aktiv einfordern.“ Wer erst bei älteren Tieren damit beginnt, hat es meist deutlich schwerer. Deshalb empfiehlt Hirtl, bereits im Welpen- oder Kittenalter mit der Zahnpflege zu starten.
Bitte keine Zahnpasta für Menschen
Das Angebot an Zahnpflegeprodukten für Tiere ist mittlerweile groß. Von Stoff- oder Silikonfingerlingen bis hin zu elektrischen Zahnbürsten gibt es zahlreiche Möglichkeiten. „Jedes Tier ist anders“, sagt Hirtl. „Die beste Zahnpflege ist jene, die vom Tier akzeptiert wird.“ Manche Tiere bevorzugen einen weichen Fingerling, andere eine klassische Zahnbürste. Wichtig sei vor allem die richtige Zahnpasta. „Produkte für Menschen sollten nicht verwendet werden.“ Der Grund: Viele enthalten Xylit, das insbesondere für Hunde hochgiftig ist. Tierzahnpasten sind speziell auf die Bedürfnisse von Hund und Katze abgestimmt und oft in Geschmacksrichtungen wie Geflügel oder Minze erhältlich.
Ultraschall ja – aber nicht zu Hause
Auch Ultraschall- oder Schallzahnbürsten können die Zahnpflege unterstützen. „Aus zahnmedizinischer Sicht wären insbesondere echte Ultraschallzahnbürsten eine sehr interessante Option“, erklärt Hirtl. Allerdings verfügen Hunde und Katzen über ein deutlich empfindlicheres Gehör als Menschen. Nicht jedes Tier toleriert daher die entstehenden Geräusche. Eine klare Warnung spricht die Tierärztin jedoch bei frei verkäuflichen Ultraschall-Zahnsteinentfernern aus, die häufig in sozialen Medien beworben werden. „Davon rate ich vehement ab“, sagt sie. Professionelle Geräte in Tierarztpraxen verfügen über eine permanente Wasserkühlung, die den Zahnschmelz vor Überhitzung schützt. Fehlt diese Kühlung, können massive Schäden entstehen. Zudem erfordere die Behandlung viel Erfahrung und ein absolut stillhaltendes Tier. „Deshalb werden Zahnsteinentfernungen beim Tier in der Regel unter Narkose durchgeführt.“
Kausnacks als Unterstützung
Studien zeigen klar, dass tägliches Zähneputzen die effektivste Maßnahme bleibt. Doch spezielles Trockenfutter, größere Kroketten oder Zahnpflege-Snacks können helfen, Zahnbelag zu reduzieren. Allerdings sollte man die Kalorien nicht unterschätzen. „Kausnacks müssen in die tägliche Futterration eingerechnet werden, sonst droht Übergewicht“, sagt Hirtl. Eines der wichtigsten Anzeichen für Zahnprobleme sei Mundgeruch. Hinzu kommen gerötetes Zahnfleisch, starker Zahnbelag, lockere Zähne oder eitrige Veränderungen. Besonders tückisch: Viele Tiere fressen trotz massiver Zahnprobleme weiterhin scheinbar normal. Das bedeute jedoch keineswegs, dass keine Schmerzen vorhanden sind. Unbehandelte Zahnprobleme bleiben nicht auf das Maul beschränkt. Die im Zahnbelag enthaltenen Bakterien können über die Blutbahn in den gesamten Körper gelangen. „Sie können Entzündungen in Lymphknoten, Organen oder sogar am Herz verursachen“, warnt Hirtl. Deshalb empfiehlt die moderne Tierzahnmedizin eine jährliche Kontrolle und – je nach Befund – professionelle Zahnreinigung.
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