Tierisch gesund

Alarm im Darm

Durchfall bei Hunden ist zwar meist harmlos, kann manchmal aber auch auf eine ernste Erkrankung hinweisen. Tierärztin Dr. Iris Fröhlich erklärt, worauf Halterinnen und Halter achten sollten.

Dr. Iris Fröhlich
„Hält der Durchfall  länger als 24 bis 48 Stunden an, sollte der Hund tierärztlich untersucht werden.“ 

Einmal nicht aufgepasst – und schon hat der Hund unterwegs etwas Verdorbenes gefressen. Tatsächlich sind Fütterungsfehler die häufigste Ursache für akuten Durchfall. Auch eine zu rasche Futterumstellung oder ungewohnte Leckerbissen können den empfindlichen Hundedarm aus dem Gleichgewicht bringen. „Durchfall gehört zu den häufigsten Gründen, weshalb Hunde in meiner Praxis vorgestellt werden.

Die gute Nachricht ist: In vielen Fällen steckt nichts Schwerwiegendes dahinter und die Beschwerden lassen sich gut behandeln“, sagt Dr. Iris Fröhlich, Tierärztin in Wien. Daneben spielen Infektionserreger eine wichtige Rolle. Besonders häufig werden Giardien diagnostiziert – vor allem bei Welpen und Hunden aus Mehrhundehaushalten. Auch Bakterien wie Campylobacter oder Clostridium perfringens können Durchfall verursachen.

Darüber hinaus kommen Stress, Medikamente – insbesondere Antibiotika – oder chronische Darmerkrankungen, Futtermittelunverträglichkeiten und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse als Auslöser infrage.

Wann wird Durchfall gefährlich?

Ein einmalig weicher Kotabsatz ist bei einem ansonsten fitten Hund meist noch kein Grund zur Sorge. Halten die Beschwerden jedoch länger als ein bis zwei Tage an oder verschlechtert sich der Allgemeinzustand, sollte der Hund tierärztlich untersucht werden. „Lieber einmal zu früh als einmal zu spät vorbeikommen. Oft können wir schon mit einer frühen Behandlung verhindern, dass sich eine zunächst harmlose Magen-Darm-Erkrankung verschlimmert“, betont Fröhlich. Besonders aufmerksam sollten Besitzerinnen und Besitzer von Welpen, älteren Hunden oder chronisch kranken Tieren sein, da diese durch den Flüssigkeitsverlust schneller austrocknen.

Spätestens bei Blut im Kot, schwarzem oder teerartigem Kot, wiederholtem Erbrechen, Fieber, starker Mattigkeit oder deutlichen Anzeichen einer Austrocknung ist rasches Handeln gefragt. Auch starke Bauchschmerzen, ein geblähter Bauch oder der Verdacht, dass der Hund einen Fremdkörper oder Gift aufgenommen hat, sind Notfälle. Am Beginn jeder Abklärung steht ein ausführliches Gespräch. Bei länger anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden können Kot- und Blutuntersuchungen sowie Ultraschall oder Röntgen notwendig sein. In Einzelfällen kommen auch Endoskopien oder Gewebeproben zum Einsatz.

Vorsicht mit der Hausapotheke

Die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache. Häufig reichen eine leicht verdauliche Schonkost, ausreichend Flüssigkeit und Präparate zur Unterstützung der Darmflora. Liegen Parasiten oder bakterielle Infektionen vor, werden diese gezielt behandelt. Hat der Hund bereits viel Flüssigkeit verloren oder zeigt Kreislaufprobleme, können Infusionen notwendig werden. „Viele Tierhalter sind überrascht, wenn wir nicht sofort ein Antibiotikum verschreiben.

Tatsächlich sind diese bei den meisten akuten Durchfallerkrankungen gar nicht notwendig und können die natürliche Darmflora sogar zusätzlich belasten“, so Fröhlich. Von Medikamenten aus der Hausapotheke rät sie ausdrücklich ab: Schmerzmittel oder Durchfallpräparate für Menschen können für Hunde gefährlich sein.

Darmgesundheit beginnt im Alltag

Vorbeugen lässt sich durch eine hochwertige Ernährung, langsame Futterumstellungen und eine gute Parasitenvorsorge. Ebenso wichtig sind ausreichend Bewegung, ein stressarmer Alltag und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. „Ein großer Teil des Immunsystems ist eng mit einer gesunden Darmflora verbunden.

Deshalb wirkt sich eine stabile Darmgesundheit oft positiv auf das gesamte Wohlbefinden des Hundes aus“, erklärt die Tierärztin. Ihr wichtigster Rat lautet daher: „Beobachten Sie Ihren Hund aufmerksam. Zeigt dieser Warnsignale oder halten die Beschwerden an, sollte frühzeitig eine Tierärztin oder ein Tierarzt aufgesucht werden. So können wir die Ursache rasch erkennen und in den meisten Fällen erfolgreich behandeln.“


Fotos: zvg, Istockphoto/ Schnapps2012

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