Testosteron: Wie viel braucht der Mann?

November 2006 | Medizin & Trends

Es macht den Mann attraktiv, durchsetzungsfähig, konzentrationsstark und bestimmt darüber hinaus sein Verlangen nach Sex: Testosteron. Mit zunehmendem Alter produziert der männliche Körper allerdings immer weniger vom wichtigen Geschlechtshormon, was im schlimmsten Fall zu Depressionen und Impotenz führen kann. Gut, dass es künstlichen Ersatz für das Power-Hormon gibt: Richtig eingesetzt, bieten Kapseln, Gels und Injektionen Hilfe.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Am Anfang steht die Frage: Woher weiß Mann, ob sein Körper zu wenig Testosteron produziert? Mit der Frage ist man beim Salzburger Urologen und Andrologen Univ. Doz. Dr. Andreas Jungwirth gut aufgehoben. Er kennt die gängigen Symptome, die auf einen Mangel am wichtigsten männlichen Geschlechtshormon hindeuten. Wird die Testosteron-Produktion reduziert, sagt er, „dann treten ähnlich wie bei Frauen in den Wechseljahren Hitzewallungen auf, die Leistungsfähigkeit nimmt ab, die Konzentrations-, und Merkfähigkeit reduziert sich, es kommt zu Schlafstörungen, und das Verlangen nach Sex geht zurück“. Im schlimmsten Fall führt der Testosteronmangel auch zu Depressionen, Erektionsstörungen und Impotenz.

Ab 35 geht’s bergab
„Hypogonadismus“ heißt der Testosteronmangel in der Sprache der Mediziner, und er ist abgesehen von seltenen Ausnahmefällen eine Krankheit, die Männer frühestens im mittleren Alter trifft. Die Produktion des wichtigsten Geschlechtshormons für den männlichen Körper nimmt ab dem 35. Lebensjahr langsam, aber kontinuierlich ab. Hat Mann den 50er einmal hinter sich, wird es kritisch. Dann muss nach den Erfahrungen der Experten jeder Fünfte unter den klassischen Symptomen des Testosteronmangels leiden. Das Schlimme ist, sagt Dr. Jungwirth, dass die wenigsten Betroffenen ärztliche Hilfe suchen. Geht ein Mann dann doch zur Ärztin oder zum Arzt, ist er oft nicht offen genug, spricht nicht alle Beschwerden an. Dr. Jungwirth: „Der eine erzählt nur, dass er immer schlecht drauf ist und bekommt Anti-depressiva, der andere klagt ausschließlich über seine Erektionsstörungen und geht mit einem potenzstärkenden Mittel nach Hause.“ In 90 Prozent der Fälle, wie Dr. Jungwirth schätzt, wird auf diese Art und Weise zunächst falsch behandelt, und es verstreicht unnötig viel Zeit, ehe der Testosteronmangel als mögliche Wurzel des Übels erkannt wird.

Hat die Ärztin oder der Arzt einen Verdacht auf Testosteronmangel, so wird er über einen Bluttest abgetestet. Zwischen 2,5 und 9 Nanogramm Testosteron sollte ein Milliliter Blut enthalten. Liegt der Wert unter der Mindestmenge, empfiehlt sich eine Hormonersatztherapie. Diese erfolgt über Kapseln, Gels, die über die Haut wirken, oder Injektionen, die alle drei Monate vom Arzt verabreicht werden. Die Wirkung spürt Mann binnen kurzer Zeit. Sie tritt schon zehn Tage nach Beginn der Behandlung ein und hält so lange an, wie sie fortgesetzt wird.

Sport und Sex
Wer keine Hormonersatzpräparate nehmen möchte, hat laut Dr. Jungwirth an sich nur eine Alternative, um die Produktion des Power-Hormons wieder anzukurbeln oder dem Testosteronschwund vorzubeugen: regelmäßig, das heißt mindestens dreimal pro Woche, Ausdauersport betreiben, Laufen, Radfahren oder Schwimmen. Auch Sex treibt den Testosteronspiegel in die Höhe. Allerdings nur, wenn er alle zwei, drei Tage möglichst leidenschaftlich, also „sportlich“, ausgeübt wird, wie der Experte rät.

Anders als bei Frauen, die früher oder später alle von der nachlassenden Produktion des wichtigsten weiblichen Hormons Östrogen betroffen sind, ist bei Männern der normale Alterungsprozess aber nicht die einzige Ursache für den Hormonschwund. Alkoholmissbrauch, Übergewicht und diverse chronische Krankheiten wie Diabetes mellitus oder Rheuma kommen unter anderem in Frage.

Die Ursache für den sinkenden Testosteronspiegel muss genau abgeklärt werden, ehe Ersatzpräparate ins Spiel kommen. Andernfalls droht eine Überdosierung mit all den Risiken, die man aus dem Doping kennt, wie zum Beispiel Arteriosklerose oder psychische Abhängigkeit. Außerdem muss vor dem Griff zu Injektionen, Gels oder Kapseln sicher sein, dass die Prostata des Patienten in Ordnung ist, denn bei Prostatakrebs kann Testosteron den Krankheitsverlauf beschleunigen.

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Was ist Testosteron?

Testosteron ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon und wird in den Hoden gebildet. Produktion und Ausschüttung werden vom Gehirn gesteuert. Das Hormon ist zuständig für die Entwicklung und Erhaltung der primären (Hoden, Prostata, Penis) und sekundären Geschlechtsmerkmale (Behaarung, tiefe Stimme, Fettverteilung), sowie für die Samenbildung und das männliche Erscheinungsbild.

Auch Frauen brauchen Testosteron, allerdings nur ein Hundertstel der Menge, die Männer benötigen. So wie bei Männern steuert auch bei Frauen das Hormon unter anderem das Verlangen nach Sex, das Knochenwachstum im Wachstumsalter, die Vermehrung der Muskelmasse, den Cholesterinspiegel und den Eiweißaufbau.

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Testosteronmangel in jungen Jahren

Seltene Erkrankungen bringen es mit sich, dass der Testosteronspiegel bei Männern in jungen Jahren gar nicht erst ansteigt. Das ist etwa bei Hodenhochstand und Hodentumorerkrankungen der Fall, aber auch beim so genannten Klinefelter-Syndrom. Das ist eine angeborene Chromosomen-Anomalie, die ebenfalls mit Hormonersatzpräparaten behandelt werden kann.

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Alpha-Männer haben mehr

Aus verschiedenen Studien ist bekannt, dass so genannte Alpha-Männer wie hochrangige Politiker, erfolgreiche Wirtschaftsbosse oder auch Spitzensportler erhöhte Testosteron-Werte aufweisen. Univ. Doz. Dr. Andreas Jungwirth: „Es ist anzunehmen, dass nicht erst der Beruf die Werte erhöht, sondern dass der Körper der Alpha-Männer schon von vornherein mehr Testosteron produziert als jener der Durchschnittsmänner und dass die Alpha-Männer deswegen besonders leistungsfähig sind.“ Die Medizin weiß auch, dass Ehemänner niedrigere Testosteronwerte als Geschiedene oder Singles haben. Dies wiederum hat, so Dr. Jungwirth, mit der Suche nach einer neuen Partnerin zu tun: Der Körper bemüht sich sozusagen darum, mit Hilfe von Testosteron die Attraktivität zu erhöhen.
 

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