Insektenstiche: Was schützt?

August 2010 | Medizin & Trends

Gestochen, gebissen? Wann und warum die Insekten und Spinnentiere zuschlagen – und wie man sich vor ihnen schützt.
 
von Mag. Sabine Stehrer

Warum stechen/beißen die Tiere?

Wenn Insekten und Spinnentiere uns mit ihren Stichen bzw. Bissen plagen, verfolgen sie damit drei Ziele, weiß Univ. Prof. Mag. Dr. Franz Reinthaler, Leiter des Parasitologie-Labors am Hygiene-Institut der Medizinischen Universität Graz. „Ameisen, Bienen, Hornissen, Spinnen und Wespen stechen und beißen, um sich gegen einen Feind zu verteidigen.“ Während die genannten Tiere dabei wiederholt zuschlagen können, müssen Bienen die Abwehr des Gegners mit dem Leben büßen, weil sie ihren Stachel verlieren: Der hat einen Widerhaken und bleibt in der Haut des Feindes stecken, was wiederum zur Folge hat, dass mehr Gift in den Körper von Gestochenen gelangt.
Um sich zu ernähren, stechen und beißen Bremsen, Stechmücken, zu denen die Gelsen zählen, und Zecken, aber auch Flöhe, Milben, Läuse und Wanzen. Reinthaler über das dritte Ziel der tierischen Attacken: „Die Blutmahlzeit ist für die Weibchen der genannten Tiere auch notwendig, um sich fortpflanzen zu können.“

Wie finden uns die Insekten?

„Stechmücken, also auch Gelsen, nehmen den Körpergeruch, die Körperwärme und den Atem des Menschen wahr und finden so zu ihrem Wirt“, sagt Reinthaler. Überhaupt ist es der Körpergeruch, der Insekten anlockt, und nicht, wie manche glauben, das Blut.

Was geschieht beim Stich/Biss?

Reinthaler: „Durch den Stich oder Biss werden von den Insekten und Spinnentieren abgesehen vom Gift Substanzen in die Haut des Menschen eingebracht, die die Durchblutung fördern, Eiweiß auflösen und die Blutgerinnung hemmen.“ Werden wir von einer Biene gestochen, bleibt außerdem der Stachel in der Haut, wodurch mehr Gift freigesetzt wird. Werden wir von Zecken gebissen, bleiben Bestandteile der Bisswerkzeuge oder die gesamte Zecke in der Haut. „Egal, um welche Teile oder Substanzen es sich handelt, das Immunsystem erkennt sie als Feind und leitet Abwehrmaßnahmen ein“, so Reinthaler weiter. Die Abwehr verläuft unterschiedlich, meist kommt es zu Schwellungen, Rötungen, einer Übererwärmung und zum Juckreiz – Symptome, die bis zu einer Woche anhalten können. Zu lebensbedrohlichen Situationen durch Stiche kann es kommen, wenn ein Bienen- oder Wespenstich-Allergiker gestochen wird.

Wie behandelt man Stiche/Bisse?

„Generell sollte man den Stich oder Biss kühlen, um die Schwellung, die Rötung und den Juckreiz zu lindern“, sagt Reinthaler. „Die genannten Symptome lassen sich außerdem mit Gelen lindern, die Antihistaminika enthalten.“ Dem Juckreiz sollte man nicht durch Kratzen nachgeben, weil damit das Gift großflächiger verteilt wird und sich die Beschwerden verschlimmern. Wird man von einer Biene gestochen, sollte man den Stachel mit einer Pinzette entfernen, auch Zecken sollte man mit der Pinzette gerade herausziehen. Entzündungshemmend wirkt das Bedecken der Wunde mit einer aufgeschnittenen, rohen Zwiebel. Reinthaler: „Sind die Beschwerden ausgeprägt, cremt man die Stichwunde am besten mit einer kortisonhältigen Lotion ein. So verschwinden die Symptome binnen ein bis zwei Tagen.“ Bei Stichen von Bienen oder Wespen in den Rachenraum sollte man die Stichstelle kühlen, indem man z. B. ein Eis isst, und einen Arzt aufsuchen.

Sonderfall Allergiker

„Bei Insektenstichallergikern reagiert das Immunsystem stärker auf den Stich als bei Nichtallergikern“, sagt Reinthaler. Die Überreaktionen reichen von ausgeprägten Hautreaktionen über Schwindelgefühle, Kopf- und Magenschmerzen bis hin zu einem Blutdruckabfall, Atemnot und Herzrhythmusstörungen. Schlimmstenfalls kann es zu einem Herz- und Atemstillstand kommen, dem anaphylaktischen Schock, der lebensbedrohlich ist. Reinthaler: „Wird ein Allergiker gestochen, müssen Maßnahmen ergriffen werden, die die allergische Reaktion blockieren.“ Dazu zählen die Einnahme von Histaminblockern und Kortison-Tabletten. Klingen die Beschwerden so nicht ab, muss man sofort zum Arzt oder in ein Krankenhaus, wo die allergische Reaktion durch Injektionen mit Adrenalin gestoppt werden kann.

Was schützt am besten?

„Am besten schützt man sich vor Insekten und Spinnentieren mechanisch, das heißt, durch Kleidung, Fliegengitter vor den Fenstern und durch Moskitonetze über dem Bett“, sagt Reinthaler. Vor den Attacken von Stechmücken schützen außerdem mückenabwehrende Mittel, die Repellents, und mückenabtötende Substanzen: Insektizide, wie z. B. Extrakte aus den Blüten der Crysanthemen oder synthetische Insektizide, die beispielsweise über einen Gelsenstecker in der Raumluft verteilt werden. „Beide Substanzarten, Insektizide und Repellents, sollten aber nicht auf gereizter Haut oder Wunden verwendet werden und auch nicht zum Schutz von Kleinkindern“, so Reinthaler weiter. Die Mittel können bei kleinen Kindern zu Vergiftungserscheinungen führen und bei verwundeter oder gereizter Haut die Beschwerden verschlimmern.
Vor den Stichen von Bienen und anderen Insekten, die sich mit Stichen verteidigen, schützen die Mittel nicht. Reinthaler: „Um ihren Stichen vorzubeugen, sollte man in ihrer Gegenwart keine heftigen Bewegungen machen, nicht nach ihnen schlagen und nicht versuchen, sie einzufangen.“ Überdies gut: Darauf achten, dass keines der Gifttiere in ein Glas gelangt, und beim Essen im Freien darauf schauen, dass die Nahrungsmittel insektenfrei bleiben – um nicht versehentlich ein Tier zu schlucken und gestochen zu werden.

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