Komm gut heim!

Juni 2011 | Medizin & Trends

So schützen Sie sich vor den häufigsten Reisekrankheiten
 
Halsweh, Schnupfen, Husten und der berüchtigte Reisedurchfall fesseln jedes Jahr viele Österreicherinnen und Österreicher im Urlaub ans Hotelbett. Aber auch andere Leiden treten just in – oder kurz nach der schönsten Zeit des Jahres gehäuft auf. So mehren sich z. B. die Fälle von Hepatitis B infolge von Schönheitsoperationen im Ausland. MEDIZIN populär über den besten Schutz vor den fünf häufigsten Reisekrankheiten.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Halsweh, Schnupfen, Husten & Fieber

Erst brennt der Hals und die Nase rinnt, dann hustet man: So beginnt eine Erkältung, „und eine Erkältung fangen sich besonders viele Reisende ein“, sagt Univ. Prof. Dr. Herwig Kollaritsch vom Zentrum für Reisemedizin in Wien. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe: „Wenn man sich während der Fahrt oder dem Flug unter vielen Menschen aufhält, ist die Wahrscheinlichkeit größer als sonst, in Kontakt mit Erregern zu kommen, die eine Erkältung verursachen“, erklärt Kollaritsch. Abgesehen von einer Erkältung kann man sich auch eine Grippe holen, die mit hohem Fieber verbunden ist. Ob Grippe oder Erkältung: Beides bedeutet, fünf bis sieben Tage leiden zu müssen. Schützen kann man sich lediglich durch Abwenden, wenn einen jemand anhustet oder anniest, und durch häufiges Händewaschen.
„Wenn es einen erwischt hat, kann man die Symptome lindern, indem man sich schont, gegebenenfalls fiebersenkende Mittel nimmt oder Hustensaft, Nasenspray und Halswehtabletten“, sagt Kollaritsch. Wenn der Schnupfen so stark ist, dass man nicht durch die Nase atmen kann, sollte man nicht fliegen. „Ist die Nase verstopft, besteht die Gefahr, dass man den niederen Luftdruck im Flugzeug nicht ausgleichen kann“, warnt der Experte. Das ist nicht nur schmerzhaft, sondern kann schlimmstenfalls zu einem Riss des Trommelfells führen.

Durchfall & Verstopfung

Dreimal oder noch öfter pro Tag Durchfall, begleitet von Übelkeit, Bauchschmerzen und Fieber: So beschreibt Kollaritsch die Symptome der Reisediarrhoe, ein häufiges Leiden im Urlaub. „Reisediarrhoe wird durch Bakterien wie Coli-Bakterien oder Salmonellen übertragen, aber auch durch Noroviren, die sich in bestimmten Lebensmitteln oder im Trinkwasser befinden“, sagt Kollaritsch. Schützen kann man sich vor der Erkrankung, indem man Eiswürfel und Leitungswasser meidet. Zudem sollte man von Lebensmitteln die Finger lassen, die roh verarbeitete Hühnereier enthalten oder mit Leitungswasser gewaschen wurden.
Hat es einen bereits erwischt, leidet man drei bis sechs Tage. Kollaritsch: „Man kann die Symptome lindern, indem man Mittel nimmt, die die Darmtätigkeit lähmen und das Fieber senken.“ Gefährlich werden kann die Reisediarrhoe für alte Menschen und vor allem für Kinder. Denn die Kleinen verlieren mit dem Durchfall viel Flüssigkeit, es besteht rascher als bei Erwachsenen die Gefahr der Austrocknung – und mit ihr steigt das Risiko, einen Kreislaufkollaps zu erleiden.
Durch langes Sitzen während der Anreise, eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr und eine ungewohnte Kost kommt es bei vielen Reisenden zu einem anderen Verdauungsproblem: Verstopfung. „Von einer wirklichen Verstopfung spricht man, wenn der Stuhlgang mindestens drei Tage lang ausbleibt“, sagt Kollaritsch. Ist das der Fall, sollte man ballaststoffreiche Kost essen wie Müsliriegel oder Vollkornbrot und als letzten Ausweg Abführmittel nehmen. Kollaritsch: „Zwar beeinträchtigt so eine Verstopfung das Wohlbefinden, die Gesundheit gefährdet sie aber nicht.“

Sonnenbrand & Sonnenallergie

Wer vor dem Urlaub noch nicht länger in der Sonne war oder wer in Gegenden mit intensiver Sonneneinstrahlung fährt und noch dazu eine helle Haut hat, ist besonders gefährdet, einen Sonnenbrand oder eine Sonnenallergie zu bekommen. Und Sonnenschäden können das Urlaubsvergnügen nachhaltig beeinträchtigen. „Die Beschwerden, die man bei einem starken Sonnenbrand hat, sind dieselben wie bei einer Verbrennung und können in schmerzhaften Rötungen bis hin zur Bildung von Brandblasen bestehen“, sagt Kollaritsch.
Bis ein starker Sonnenbrand abgeklungen ist, ist oft auch der Urlaub vorbei: Das kann nämlich länger als eine Woche dauern. Oft tritt im Zuge des Sonnenbrands die sogenannte Mallorca-Akne auf, eine allergische Hautreaktion, bei der kleine Bläschen entstehen. Diese schmerzen nicht nur, sondern jucken auch und bleiben ebenfalls mindestens eine Woche lang bestehen.
Kollaritsch: „Schützen kann man sich vor Sonnenbrand und -allergie durch das Auftragen von Sonnenschutzmitteln. Außerdem sollte man zumindest am Urlaubsanfang nicht zu lange in der Sonne bleiben und die Haut nach dem Sonnenbaden mit entsprechenden Produkten pflegen.“
Hat es einen bereits erwischt, dann, so der Experte, „kann man die Beschwerden lindern, indem man entzündungshemmende Salben auf die geschädigten Hautstellen aufträgt, gegebenenfalls Medikamente gegen das Jucken nimmt und die Sonne meidet“.

Insektenstiche

Sie tun weh, die Haut um sie herum schwillt an und rötet sich, starker Juckreiz entsteht: Die Stiche von Mücken, zu denen auch die Gelsen zählen, Wespen, Bienen & Co. Vor Insektenstichen kann man sich schützen, indem man sogenannte Repellents, Insektenschutzmittel, auf die Haut aufträgt, Kleidung trägt, die die Haut bedeckt, einen Gelsenschutzstecker mit in den Urlaub nimmt und im Hotelzimmer verwendet oder ein Moskitonetz über dem Bett aufhängt. Kollaritsch: „Ist man bereits von Mücken, einer Biene oder Wespe gestochen worden, helfen entzündungshemmende Cremen und Gele, die auch den Juckreiz lindern.“ Insektenstiche können aber auch die Gesundheit und sogar das Leben gefährden – wenn ein Insektenstich-Allergiker betroffen ist.    

Hepatitis A & B

Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall und Fieber: Das können Symptome einer Infektion mit Hepatitis A sein. Sie treten erst dann auf, wenn die Erinnerungen an den Urlaub bereits zu verblassen beginnen: frühestens drei Wochen nach der Ansteckung, oft erst nach einem Monat. Kollaritsch: „Übertragen wird die Krankheit durch ein Virus, das sich in Nahrungsmitteln und im Trinkwasser befindet. Schützen kann man sich vor der Erkrankung, indem man möglicherweise befallenes Wasser und Nahrungsmittel meidet, und noch besser durch eine Hepatitis-A-Impfung“, sagt Kollaritsch. Diese besteht aus zwei Teilimpfungen und bringt lebenslangen Schutz. Ist man bereits erkrankt, muss man damit rechnen, dass die Symptome mehrere Wochen lang anhalten. Kollaritsch: „Man kann aber die Beschwerden mit Medikamenten lindern.“ Die Krankheit heilt ohne bleibende Schäden von selber aus.
Übelkeit, Muskel- und Gelenksschmerzen sowie Fieber: Das sind die Symptome, die bei Hepatitis B auftreten – und zwar ebenfalls erst längere Zeit nach dem Urlaub bzw. einen bis sechs Monate nach der Infektion. „Die Infektion erfolgt am häufigsten durch Geschlechtsverkehr“, sagt Kollaritsch. Das Hepatitis-B-Virus wird aber auch über andere Körperflüssigkeiten als Sperma oder Vaginalschleim übertragen: durch Urin, Speichel und Blut. Die Übertragung durch Blutkontakt erfolgt häufig, wenn man sich im Urlaub piercen oder tätowieren lässt. Kollaritsch: „Es mehren sich auch Fälle, bei denen bei Schönheitsoperationen im Ausland das Virus übertragen wurde.“
Schutz vor Hepatitis B bieten das Meiden der Übertragungswege und die Hepatitis-B-Impfung. „Diese besteht aus drei Teilimpfungen und schützt für mehrere Jahre“, sagt Kollaritsch. Ist man bereits erkrankt, muss man damit rechnen, dass die genannten Beschwerden mehrere Wochen lang andauern. Kollaritsch: „Hepatitis B kann aber auch zu Leberentzündungen führen, die chronisch und lebensbedrohlich werden können.“

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Wo Herr und Frau Österreicher urlauben

Ein beliebtes Reiseziel von Herrn und Frau Österreicher ist Österreich: Immerhin 35 Prozent aller Reisen gingen im Jahr 2010 laut Statistik Austria in die Steiermark, nach Kärnten, Salzburg und Tirol. Bei Auslandsreisen liegen in Europa Italien und Kroatien auf den vorderen Plätzen, gefolgt von Deutschland und Spanien. Knapp jeder Zehnte unternimmt Fernreisen auf andere Kontinente.

Webtipp:

Informationen über Reiseerkrankungen, Impfungen und andere Maßnahmen der Vorbeugung finden sich im Internet auf www.reisemed.at

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