Die Assistenten der Zahnbürste

Januar 2011 | Medizin & Trends

Wie wichtig sind Zungenreiniger, Zwischenraumbürsten & Co?
 
Zahnbürste und -pasta sind zwar die Chefs, wenn es um gesunde Mundhygiene geht. Doch ihnen steht inzwischen ein ganzes Heer an Assistenten zur Seite. Was Zungenreiniger, Zwischenraumbürsten & Co für die Zahngesundheit leisten.
 
Von Mag. Ursula Müller

Weiße Zähne und ein strahlendes Lächeln wirken anziehend, sympathisch und verführerisch. Ein gesundes Gebiss strahlt Vitalität aus, erhöht die Lebensqualität und fördert die Gesundheit. Die eigenen Zähne bis ans Lebensende zu behalten – wer wünscht sich das nicht? „Dieser Wunsch ist erfüllbar“, weiß DDr. Sabine Wiesinger, Zahnärztin und Mundhygiene-Expertin in Wien. „Wir sind heute in der Lage, unsere natürlichen Zähne ein Leben lang gesund zu erhalten. Dafür müssen wir allerdings mehr tun als nur Zähneputzen.“ Denn selbst bei richtigem und regelmäßigem Einsatz (siehe ganz unten „Chefsachen“) schaffen die Chefs der Mundhygiene nicht alles im Alleingang: „Die Zahnzwischenräume bleiben von der Zahnbürste unberührt. Sie müssen aber unbedingt gepflegt werden, da es sonst zu Karies und Zahnfleischentzündungen kommt“, erläutert Wiesinger – und macht die Bahn frei für die Assistenten der Zahnbürste:

Zahnzwischenraumbürstchen

Die Speisereste und der Zahnbelag, die sich in den Zahnzwischenräumen befinden, lassen sich mit sehr feinen, biegsamen Bürstchen wegputzen. Dazu wird ein Bürstchen vorsichtig in den Zwischenraum eingeführt, sanft hin und her bewegt und dann abgespült. Diese Interdentalbürstchen gibt es in verschiedenen Größen. „Jedes Gebiss ist individuell. Deshalb sollten Sie sich bei Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt genau informieren, wie groß die Bürstchen in Ihrem Fall sein und wie Sie damit umgehen sollen“, sagt die Vorsorgemedizinerin. „Denn wenn das Bürstchen zu groß ist, kann das Zahnfleisch verletzt werden.“

Zahnseide

Assistent Zahnseide ist vor allem bei eng stehenden Zähnen gefragt. Der Einsatz verlangt Anfängern etwas Geduld ab: Die (gewachste oder ungewachste) Zahnseide wird über die beiden Zeigefinger gewickelt, mit dem gespannten Teil werden die Zwischenräume gereinigt, und zwar Zahn für Zahn. Nach jedem Zahn wird die Zahnseide von einem Zeigefinger zum anderen gezogen, sodass für jeden Zwischenraum ein sauberes Stück Zahnseide zur Verfügung steht. „In vielen Fällen ist es sinnvoll, sowohl Zahnseide als auch Zwischenraumbürstchen zu verwenden“, weiß die Zahnärztin aus Erfahrung und fügt hinzu: „Die Zahnzwischenräume reinigt man am besten vor dem Zähneputzen, denn dann können die gelockerten Beläge gut entfernt werden.“

Zungenreiniger

Auf der Zungenoberfläche befinden sich viele Bakterien und Viren. „Deshalb soll die Zunge täglich mit einem Zungenschaber gereinigt werden“, erläutert Wiesinger. Die Beläge der Zunge müssen sehr vorsichtig entfernt werden. Der Zungenschaber wird sanft vom Zungengrund zur Zungenspitze geführt und dann unter fließendem Wasser abgespült. Eine saubere Zunge schützt die Zähne, beugt einem üblen Mundgeruch vor und verfeinert den Geschmackssinn. Die Vorsorgemedizinerin nennt noch einen weiteren Vorteil: „Wer in der Früh, gleich nach dem Aufstehen, den Zungenschaber verwendet, schützt sich gerade in der kalten Jahreszeit vor Infektionskrankheiten.“

Mundduschen

Mit dem Wasserstrahlgerät werden frische Ablagerungen von der letzten Mahlzeit entfernt, doch Zahnbelag kann von der Munddusche nicht beseitigt werden. Die Zahnärztin rät zum vorsichtigen Umgang: „Wenn der Druck des Wasserstrahls zu hoch ist, können die Bakterien tief in die Zahntasche befördert werden, wo sie sonst gar nicht hingekommen wären.“ Bei einem geschwächten Immunsystem und bei Mundschleimhautverletzungen sollte die Munddusche überhaupt nicht verwendet werden.

Mundspülungen

Medizinische Mundspüllösungen werden z. B. bei einer akuten Zahnfleischentzündung oder nach einem chirurgischen Eingriff ärztlich verordnet. Mundwässer und Mundsprays hingegen sollen einen „frischen Atem“ erzeugen. „Wer regelmäßig und sorgfältig Zähne putzt, braucht kein Mundwasser“, so die Zahnärztin. Es empfiehlt sich allerdings, den Mund nach jeder Mahlzeit und vor allem nach dem Genuss zuckerhältiger Lebensmittel und Getränke kräftig mit klarem Wasser auszuspülen. So werden Speisereste, Zucker und Säuren teilweise entfernt und es entsteht weniger Zahnbelag.

Fluoridgels

Fluoride werden mit der Nahrung und mit dem Trinkwasser aufgenommen. Sie machen die Zähne widerstandsfähiger und sind in der Regel in der Zahnpasta enthalten. Fluoridgels werden häufig Menschen, die eine festsitzende Regulierung tragen oder an Zahnhalskaries leiden, und auch Kindern verschrieben. „Doch sollte zuerst genau ärztlich abgeklärt werden, ob Fluorid benötigt wird, denn es kann auch zu viel Fluorid aufgenommen werden.“, erläutert Dr. Wiesinger. „Dadurch entstehen weiße Flecken auf den Zähnen. Eine Überdosierung kann auch dazu führen, dass die Zahnsubstanz weich und der Knochen abgebaut wird.“

Die professionelle Mundhygiene

Mit einem Heer an Assistenten an der Seite schaffen Zahnbürste und -paste zwar viel, aber immer noch nicht alles: 20 bis 30 Prozent des Gebisses können auch bei sorgfältigster Zahnpflege zu Hause nicht gereinigt werden. Erst durch eine professionelle Mundhygiene werden die Zähne und der Halteapparat vollständig versorgt. Die professionelle Zahnreinigung zählt zu den wirksamsten Vorbeugemaßnahmen für Zähne und Zahnfleisch und sollte ein bis zwei Mal im Jahr in einer Zahnarztpraxis durchgeführt werden. Dabei werden Gebiss und Zahnfleisch gründlich untersucht, dann werden alle Beläge entfernt, die Zähne poliert und eventuell auch fluoridiert. Außerdem werden Tipps für die häusliche Mundhygiene gegeben und – falls nötig – spezielle Maßnahmen zur Verbesserung der Zahngesundheit gesetzt. Die Kosten sind vom Zeitaufwand abhängig, können 90 bis 150 Euro und mehr betragen und werden von den gesetzlichen Krankenkassen gar nicht, von den privaten Krankenversicherungen teilweise übernommen.

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Chefsachen:
Die Zahnbürste richtig einsetzen!

Speisereste und zuckerhältige Getränke hinterlassen Spuren in der Mundhöhle und am Gebiss. Der Zahnbelag verursacht Karies sowie die entzündliche Zahnbetterkrankung Parodontitis und muss entfernt werden. Herr und Frau Österreicher nehmen es jedoch nicht allzu genau mit der Mundhygiene, viele putzen sich die Zähne nur einmal pro Tag. Doch nicht nur das: „Es gibt noch immer die Familienzahnbürste“, weiß die Zahnärztin DDr. Sabine Wiesinger. „Jede Person muss aber eine eigene, möglichst weiche Zahnbürste verwenden. In der Regel genügt es, die Zähne in der Früh und am Abend zwei bis drei Minuten lang zu putzen, und zwar eine halbe Stunde nach dem Essen oder Trinken.“
Defizite in der Mundhygiene durch möglichst kräftigen Einsatz der Zahnbürste wettzumachen, ist nicht des Rätsels Lösung: „Viele gehen mit der Zahnbürste so um, als würden sie mit einer Bodenbürste hantieren“, stellt Wiesinger fest. „Sie drücken viel zu fest an. Dadurch werden Zahnfleisch und Zahnschmelz verletzt, es können Zahnfleischbluten, Sensibilitätsstörungen und Karies entstehen.“ Die Vorsorgemedizinerin empfiehlt in diesem Fall eine elektrische Zahnbürste mit Anpressdruckkontrolle. „Wenn der Druck zu stark wird, wird die Bürste langsamer oder stoppt überhaupt; außerdem signalisiert ein rotes Licht, dass zu fest geputzt wird. So können Putzschäden vermieden werden.“

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