Wund im Mund?

April 2013 | Medizin & Trends

Das hilft gegen Bläschen, Knötchen & Co
 
Die Mundhöhle ist nicht nur der Ort, an dem Speisen und Getränke ihren verführerischen Geschmack entfalten. Sie ist auch Brutstätte von gesundheitlichen Problemen aller Art und kann sogar wertvolle Hinweise auf eine Reihe von Krankheiten geben.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Mund auf und „AAA…“: Wohl jeder von uns wurde schon einmal dazu aufgefordert, ist doch der Blick in den Mund ein fixer Bestandteil ärztlicher Routineuntersuchungen. Und das mit gutem Grund: Abgesehen von der Kontrolle der Zähne, die gesund bzw. saniert sein sollten, damit auch der Mensch gesund bleibt, ist die Begutachtung der Mundschleimhaut besonders wichtig. Diese kleidet nicht nur die gesamte Mundhöhle aus, sondern bedeckt auch Zahnfleisch, Zunge sowie Lippen – und hat wichtige Funktionen. Die bestehen im Wesentlichen darin, den Geschmack und die Temperatur der Speisen wahrzunehmen und uns so gegebenenfalls vor zu heißen, zu kalten oder verdorbenen Lebensmitteln zu warnen.   
„Ihre Aufgaben kann die Mundschleimhaut nur im gesunden Zustand erfüllen“, erläutert Prim. Univ. Prof. Dr. Klemens Rappersberger, Vorstand der Abteilung für Dermatologie und Venerologie an der Krankenanstalt Rudolfstiftung in Wien, wo es eine eigene Mundschleimhautambulanz gibt. „Eine gesunde Mundschleimhaut ist hellrosa, gut durchblutet und gut mit Speichel befeuchtet“, verdeutlicht der Spezialist.

Sensibelchen mit vielen Feinden

So wichtig die Schleimhaut im Mund ist, so sensibel ist sie: Mechanische Reize etwa beim Putzen mit zu harten Zahnbürsten können ihr ebenso zusetzen wie Verletzungen durch beschädigte oder schiefe Zähne oder der Druck durch schlecht sitzende Zahnprothesen. Schaden nimmt sie auch durch Gifte wie Alkohol und Nikotin sowie durch harte, scharfe, saure, sehr heiße und sehr kalte Speisen. Chemische Substanzen in Medikamenten, z. B. in der Pille, in Antidepressiva und in Mitteln, die im Zuge einer Chemotherapie genommen werden, bewirken, dass die Mundschleimhaut austrocknet und noch empfindlicher auf diverse Attacken reagiert. Das kann auch aufgrund von Hormonschwankungen in der Pubertät, in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren passieren. Schließlich zählen noch Stress und verschiedene körperliche Erkrankungen, die den Organismus und das Immunsystem schwächen, zu den Feinden der Mundschleimhaut. „Das erklärt, warum Mundschleimhauterkrankungen ein Hinweis auf andere Erkrankungen sein können, die noch gar nicht erkannt wurden“, so Rappersberger.

Jeder Dritte betroffen

Egal ob der Reiz nun von innen z. B.   in Form einer anderen Erkrankung kommt, die die Abwehrkraft niederzwingt, oder von außen beispielsweise in Form einer harten Zahnbürste, die beim Putzen das Zahnfleisch verletzt: Ist die Mundschleimhaut einmal geschädigt, haben Bakterien und Viren, Pilze und Allergene, also Substanzen, auf die wir allergisch reagieren, leichtes Spiel und sorgen für Probleme. Aber auch Hautkrankheiten wie Lichen, die zur Knötchenbildung auf der gesamten Körperhaut führt, können die Mundschleimhaut in Mitleidenschaft ziehen. „Selten handelt es sich bei Veränderungen der Mundschleimhaut um Vorstadien von Tumoren, sogenannten Präkanzerosen“, ergänzt Rappersberger die Liste der möglichen Ursachen für Hautveränderungen im Mund. Insgesamt kommen Erkrankungen der Mundschleimhaut relativ häufig vor: Nach Schätzungen von Experten ist jeder Dritte irgendwann einmal in seinem Leben nicht gesund, sondern wund im Mund.

Bläschen, Knötchen, Rötungen

„Genauso vielfältig wie die Ursachen sind auch die Erscheinungsbilder von Krankheiten der Mundschleimhaut“, so der Experte. Dazu gehören Rötungen der Schleimhaut, die brennen, jucken, wehtun, auch eitern können. Des Weiteren zählen Blutungen, Schwellungen, die Bildung von Bläschen und sogenannten Aphten, wie die kleinen gelblichen Geschwüre genannt werden, zu den möglichen Problemen im Mund. Schnell wachsende Knötchen entstehen oft aufgrund der Hautkrankheit Lichen, um Tumor-Vorstadien könnte es sich bei langsam wachsenden Knötchen handeln. Stellen mit weißem Belag gehen meist auf eine Pilzinfektion zurück. Dunkelgrüner oder gar schwarzer Zungenbelag deutet auf ein Überhandnehmen von Bakterien aufgrund mangelnder Mundhygiene hin. Auch Nekroseherde können sich auf der Mundschleimhaut bilden, schwarze Verfärbungen, die nach Entzündungen in Folge des Absterbens von Zellen entstehen. Und als wäre das alles nicht schon genug des Übels, haben Menschen mit Mundschleimhauterkrankungen oft auch unangenehmen Mundgeruch und eine Art Taubheitsgefühl, das mit sich bringt, dass sie Speisen nicht mehr schmecken und nur noch schlecht kauen und schlucken können.

Spülung und Schonung

So anfällig die Mundschleimhaut ist, so gut lassen sich Probleme behandeln: „Da die Mundschleimhaut gut durchblutet ist und sich die Mundschleimhautzellen schnell regenerieren, heilen die Erkrankungen in diesem Bereich recht rasch“, beruhigt Experte Rappersberger. Je schneller Betroffene ärztliche Hilfe suchen und die richtigen Mittel gegen das Leiden bekommen, desto einfacher ist es, die Bläschen, Knötchen & Co mitsamt den übrigen Beschwerden loszuwerden. Meist werden die Erkrankungen mit Mundspülungen und Gurgellösungen und durch das Auftragen von Mitteln behandelt, die je nach Ursache entzündungshemmend, antibakteriell, antiviral oder antimykotisch, also gegen Pilzinfektionen, wirken und die Schmerzen lindern.
„Wer beim Essen und Trinken und bei der Mundhygiene gewisse Dinge beachtet, kann den Heilerfolg noch beschleunigen“, sagt Rappersberger. So ist es der baldigen Wiederkehr der Mundgesundheit dienlich, Speisen und Getränke am besten lauwarm zu sich zu nehmen, mild gewürzten Breien, Pürees und Suppen den Vorzug zu geben, bei Entzündungen Salbeitee zu trinken sowie auf Alkohol und Nikotin zu verzichten. Für das Zähneputzen empfehlen sich milde Zahnpasten und sehr weiche Kunststoffzahnbürsten, in schweren Fällen Wattestäbchen.

Von Diabetes bis Lebererkrankungen

Diese Maßnahmen reichen freilich nicht aus, wenn bei der Untersuchung festgestellt wurde, dass die Wunden im Mund auf andere Erkrankungen zurückgehen. Die Liste der gesundheitlichen Probleme, die sich auf der Mundschleimhaut zeigen können, ist lang: Sie reicht von Diabetes über HIV, Tuberkulose, Syphilis, Gonorrhö, Hormonstörungen, Blutkrankheiten, Magenschleimhautentzündungen bis hin zu Leberfunktionsstörungen. Bei Kindern treten außerdem oft Probleme mit der Mundschleimhaut auf, wenn sie gerade an Röteln, Scharlach, Masern, den Windpocken oder Pfeiffer’schem Drüsenfieber leiden. Rappersberger: „Gegen all diese Krankheiten muss natürlich im Fall der Fälle vorgegangen werden, sonst wird die Mundschleimhauterkrankung trotz aller sonstigen Bemühungen nur schlecht abheilen beziehungsweise immer wiederkehren.“    

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Multitalent im Mund

Die Mundschleimhaut kleidet die gesamte Mundhöhle aus und bedeckt den Mundboden, die Wangen, den Gaumen, die Zunge, die Lippen und das Zahnfleisch. Sie besteht aus drei verschiedenen Schleimhauttypen: Am Zahnfleisch und Gaumen ist sie stark verhornt, an Mundboden, Zungenunterseite, Wangen und Lippen eher dünn, am Zungenrücken schließlich mit Geschmacksknospen übersät. Außerdem enthält die Mundschleimhaut kleine Speicheldrüsen und Sinnesrezeptoren für das Schmerz-, Tast- und Temperaturempfinden.

Stand 04/2013

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