Leben mit Migräne

Januar 2012 | Medizin & Trends

„Wie ein Hämmern auf den Kopf“
 
Schon seit dem Kleinkindalter leidet Christa Katerl an Migräne. Im Interview mit MEDIZIN populär erzählt die heute 44-Jährige Oberösterreicherin, wie sie mit der Krankheit zurechtkommt.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

MEDIZIN populär
Frau Katerl, Migränepatienten leiden oft lange Zeit, ehe die Krankheit diagnostiziert und bestmöglich therapiert wird. Wie war das bei Ihnen?

Christa Katerl
Leider ganz genauso! Die Schmerzen habe ich schon seit dem Kleinkind­alter, etwa seit meinem vierten Lebensjahr. Damals, später im Kindergarten und in der Schule bin ich dann halt immer mit Kopfschmerztabletten versorgt worden. Als Erwachsene habe ich auf der Suche nach einem Mittel, das mir besser hilft, über die Jahre bestimmt alle Sorten von Schmerzmitteln durchprobiert, die es gab! Vor einigen Jahren habe ich wieder einmal nachgefragt, ob nicht etwas Neues auf den Markt gekommen ist. Erst da ist der Verdacht aufgetaucht, dass ich Migräne haben könnte, und mir wurde zu einer ausführlichen Untersuchung bei einem Spezialisten für Kopfschmerzen geraten. Von ihm wurde dann tatsächlich Migräne diagnostiziert – und schließlich und endlich richtig therapiert.

Wie schlimm waren denn bis dahin die Schmerzen?
Sehr schlimm. Ich würde sagen, sie standen auf einer Skala von eins bis zehn fast immer so bei acht bis zehn. Angefühlt haben sie sich wie ein Hämmern auf die Stirn und den gesamten Oberkopf. Wie oft ich die Attacken hatte, weiß ich nicht mehr. Es ist wohl so, dass man die Anzahl verdrängt.

Wie haben die Schmerzen Ihr Leben beeinträchtigt?
Als ich noch jünger war, habe ich darunter gelitten, dass ich wegen der Schmerzen zum Beispiel oft nicht fortgehen oder irgendetwas anderes unternehmen konnte. Später als Berufstätige war ich aber wegen der Schmerzen nie im Krankenstand. Ich hatte das Glück, dass ich viele Jahre lang einen sehr verständnisvollen Chef gehabt habe. Er hat fürs Büro sogar eine Couch besorgt, damit ich mich kurz hinlegen kann, wenn es ganz arg wird. Das Bedürfnis habe ich dank der guten Behandlung heute gar nicht mehr.

Wie werden Sie denn heute behandelt?
Ich habe nun Mittel, die speziell gegen Migräne helfen, sogenannte Triptane. Sobald ich merke, dass eine Attacke im Anmarsch ist, nehme ich eine Tablette, die dann recht schnell hilft. So bin ich nicht mehr beeinträchtigt, und der Tag ist gerettet.

Was tun Sie sonst gegen die Krankheit?
Ich achte darauf, dass ich genug schlafe und regelmäßig esse. Außerdem mache ich Nordic Walking, um den Kopf frei zu bekommen und mich zu entspannen.  

Werden die Attacken bei Ihnen durch Stress ausgelöst?
Ich glaube schon, dass Stress und Überlastung als Auslöser eine Rolle spielen. Im Urlaub hatte ich nämlich noch nie eine Attacke (lacht). Ich bin mir aber auch sicher, die Migräne geerbt zu haben, denn in meiner Familie war Kopfweh immer ein Thema.

Wie gehen Ihre Familie und Ihre Freunde mit Ihrer Erkrankung um?
Mein Mann steht voll hinter mir, auch wenn es mir hin und wieder einmal nicht so gut geht, und auch sonst habe ich das Glück, lauter verständnisvolle Menschen um mich zu haben. Das ist mir eine große Hilfe.

Sie haben eine Selbsthilfegruppe gegründet, die Sie auch leiten. Wie hilft man einander dort?
Sehr wichtig ist der Austausch von Informationen über die Krankheit und über Behandlungsmöglichkeiten. Außerdem hilft der Kontakt mit anderen Betroffenen auch dabei, die Erkrankung für sich anzunehmen. Das reduziert den Druck und lindert so oft auch die Schmerzen.

Hoffen Sie darauf, die Migräne einmal ganz loszuwerden?
Nein, denn ich weiß, dass die Erkrankung chronisch ist, also unheilbar. Aber ich habe erfahren, dass sich die Beschwerden mit zunehmendem Alter von selber bessern, und das ist schon viel wert.

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